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Hallenmanager Michael Brill
Neuer Arena-Chef setzt auf mehr große Events

Hallenmanager Michael Brill: Neuer Arena-Chef setzt auf mehr große Events
Michael Brill ist ab 1. Oktober als Geschäftsführer der Stadttochter DCSE für Sport & Events zuständig. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Der Hallenmanager von Düsseldorf Congress Sport & Events über die Stärken der Halle, die Konkurrenz in den umliegenden Städten und die Entwicklung neuer Konzepte

Herr Brill, Sie sind ab Oktober für Events und Sportveranstaltungen bei DCSE verantwortlich. Was ist Ihr Ziel für Düsseldorf?

Brill Es ist der allgemeine Wunsch, dass mehr Top-Events im Live-Entertainment in Düsseldorf stattfinden. Daran will ich arbeiten und bin optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen. Der Erfolg hängt aber von vielen Faktoren ab und die Aufgabe ist insgesamt komplex. Die Branche steckt mitten im Strukturwandel, darauf müssen wir uns einstellen.

Sie bilden mit dem Kongress-Fachmann Hilmar Guckert künftig die Doppelspitze von DCSE. Ist das Unternehmen nicht eher ein Gemischtwarenladen als eine klar strukturierte Firma?

Brill Es stimmt, dass das Unternehmen wohl eher zufällig gewachsen ist, weil Dinge von außen an es herangetragen wurden. Erst ging es nur um Kongresse, dann kamen die Hallen dazu und schließlich Sport und Events. Tatsächlich passt das aber alles gut zusammen und es kommt darauf an, mehr daraus zu machen als eine bloße Addition der Aufgabenbereiche. Ich bewundere Hilmar Guckert dafür, mit welch routinierter Gelassenheit er diese Aufgabe angenommen und zum Erfolg geführt hat.

In der Arena findet bislang in diesem Jahr nur ein Konzert mit Robbie Williams statt. Das finden viele enttäuschend. Hat die Arena ein Problem?

Brill Die Arena ist ein tolles Produkt. Sie hat ein Dach, das man schließen kann, die Halle ist als einzige dieser Größenordnung in Deutschland zudem beheizbar. Architektur, Sichtachsen, Funktionalität, Zuwegung, Betriebswege im Gebäude - das alles ist top. Das sage ich aus Überzeugung, denn ich kenne die Arena gut und bin für meinen Arbeitgeber SMG im Jahr 2000 durch die Fraktionen des Düsseldorfer Rathauses gezogen. Wir waren als möglicher Betreiber im Konsortium mit der Walter Bau AG und der WGZ-Bank dabei. Es war dann später politischer Wille, dass die Stadt selbst den Betrieb übernimmt. Ich habe auch die Arena in Breslau mit an den Start gebracht, sie hat nicht gut 200 Millionen Euro wie die Düsseldorfer Arena gekostet, sondern 270 Millionen Euro - und sie ist nicht so multifunktional.

Wenn alles so toll ist: Woran liegt es, dass so viele Top-Konzerte anderswo stattfinden?

Brill Da muss ich etwas Generelles zum Standort sagen, der ohne Zweifel in Deutschland die höchste Wettbewerbsintensität hat. Wenn jemand in NRW Indoor-Konzerte plant, denkt er zunächst einmal an Köln. Die Lanxess-Arena hat Deutschlands größte Kapazität, und dann nimmt er wegen der Distanz vermutlich noch Oberhausen dazu oder vielleicht Dortmund - Düsseldorf liegt einfach zu nah an Köln. Außerdem ist der Kölner Hallenbetreiber Deutschlands größter Konzertveranstalter und Ticketingbetreiber, das hat natürlich Auswirkungen auf die Marktposition. Geht es um ein Stadion-Konzert, hat Düsseldorf zwar das verschließbare Dach, aber Schalke hat auch eines und obendrein 10.000 Plätze mehr - und bedient das gleiche Einzugsgebiet. Düsseldorf ist also aus Veranstaltersicht in beiden Kategorien mit anderen Städten eher auf Platz zwei oder drei anzusiedeln. Dagegen muss man erst einmal ankommen. Mein Ziel ist es, dass wir uns jeweils um einen Platz verbessern. Im für die internationale Branche entscheidenden Pollstar-Ranking, das verkaufte Tickets bei Top-Entertainment-Events auflistet, taucht Düsseldorf aktuell nicht auf. Ich möchte, dass sich das ändert.

Wie wollen Sie das anstellen? Veranstalter sagen etwa, in Düsseldorf gebe es zu lange Entscheidungswege.

Brill Ich habe da eine klare Philosophie. Ich möchte, dass für das gesamte Team als wichtigste Eigenschaften Eigenverantwortung, Kreativität und die Lust an der Akquise gefördert werden - mit schlagkräftigen Strukturen, Entscheidungsfreiheit und unserem Kunden im Mittelpunkt der Betrachtung. Dann kann es auf allen Seiten Erfolg geben, bei Veranstaltern und Künstlern, aber eben auch bei DCSE. Wenn das geschieht, kann man Partner auf lange Sicht an sich binden. Und wir müssen aktiv mit unseren Partnern, also Veranstaltern, Agenten, Künstlern und Managements neue Event-Konzepte entwickeln und produzieren - nicht nur für die Besucher von heute, sondern auch für die nächste Generation. In den 90ern war das etwa "The Dome" mit RTL II - es gilt, die neuen Lücken und Bedürfnisse aufzudecken und zu bedienen, das möchte ich auch in Düsseldorf versuchen.

Sie haben eben vom Strukturwandel der Entertainment-Branche gesprochen. Welche Rolle spielt diese in Ihrer Strategie?

Brill Im Eventbooking brauchen wir Mitarbeiter jeder Generation, auch "junge und wilde", die heute die Trends von morgen aufspüren. Das ganze Geschäft ist im Umbruch. Die Tonträgerindustrie ist von der Digitalisierung auf den Kopf gestellt worden. Große Handelspartner der Platten- bzw. CD-Industrie sind verschwunden oder haben sich verkleinert. Denken Sie an WOM, Tower Records oder Virgin Stores. Früher hat sich die Branche zu zwei Dritteln über Tonträger finanziert und ein Drittel über Live-Erlöse, das ist heute genau umgekehrt. Für die Eigentümer von Hallen ist dies zunächst einmal nicht schlecht, dennoch ist die Frage, was nach den großen Bühnenkünstlern kommt. AC/DC, Udo Lindenberg und Paul McCartney werden ja nicht jünger. Andererseits sind E-Games, Youtube-Shows und Conventions ein großer Trend, zur DoKumi sollen in Düsseldorf bald 50.000 Menschen kommen. Hinzu kommen die Möglichkeiten der Hologramm-Technologie und der "Virtual Reality" in ganzer Bandbreite, die den Transfer von Events an andere Orte ermöglicht.

Welche Chance geben Sie den Virtual-Reality-Brillen, die jetzt allerorts als große Neuheit angepriesen werden? Sind sie nicht eine Bedrohung Ihres Geschäftsmodells?

Brill Ich frage lieber danach, wo die Chancen sind. Schätzungen gehen von rund 100 Millionen verkauften Einheiten bis 2021 aus, in diesem Jahr sind es rund 15 Millionen Stück, das ist also ein Markt. Die virtuellen Erlebnisse kann man an beliebige Orte transferieren, dennoch sind ja technische Voraussetzungen nötig, und wer weiß, an welchen Shows bereits gearbeitet wird. Es bleibt ja auch nicht bei der Brille, Tracker an Armen und Beinen sowie die Ganzkörpererfassung erweitern Illusion und Wahrnehmung. Was sich nicht verändert, sondern eher zugenommen hat: Menschen wollen gemeinsam etwas erleben und sich selbst im Miteinander erkennen. Also bieten sich nach wie vor Chancen für kreative Veranstalter. Und neue Technologien werden uns mehr Vielfalt im Live-Entertainment bringen, daran gibt es keinen Zweifel.

UWE-JENS-RUHNAU FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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