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Analyse zur Kunstakademie
Neuer Rektor soll den Standort stärken

Analyse zur Kunstakademie: Neuer Rektor soll den Standort stärken
Gegen-den-Strom-Schwimmerin: Als Rita McBride 2013 als Rektorin antrat, wollte sie alles ändern. 2017 geht sie. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Ab Sommer 2017 wird Rita McBride nicht mehr die Kunstakademie leiten. Die vierjährige Amtszeit der amtierenden Rektorin steht vor allem für Ärger und Verunsicherung. Die versprochene Öffnung zum 21. Jahrhundert hat nicht sichtbar stattgefunden. Von Annette Bosetti

Nach den 1960er und 70er Jahren, den unruhigsten, die die Akademie in ihren mehr als 200 Jahren je erlebt hatte — kam Markus Lüpertz 1988 als kundiger Steuermann nach Düsseldorf. Der Maler und Bildhauer, der die Freiheit der Kunst stets verteidigte und in den 21 Jahren seines Dienstes jede Verschulung der Institution abwendete, sorgte für ruhiges Fahrwasser und kreative Atmosphäre am Eiskellerberg.

Nachwuchsförderer: Tony Cragg, Rektor von 2009 bis 2013, trieb das Atelierprojekt voran. Niemand weiß, wo es heute steht. FOTO: Bernd Thissen

Mit weniger Eitelkeit und geringerem, wenn nicht keinem Hang zur Selbstdarstellung trat der Brite Tony Cragg 2009 in Lüpertz' Fußstapfen. In den vier Jahren seiner Amtszeit sorgte Rektor Cragg für einen guten, positiven Spirit in der Gemeinschaft der Lehrenden, berief interessante Künstler und machte sich für die Ateliers am Steinberg stark, die Akademie-Absolventen den Start ins aktive Leben erleichtern sollten.

Die Wahl fiel schwer, als bekannt wurde, dass Cragg nicht verlängern wollte, um sich wieder verstärkt seiner künstlerischen Arbeit widmen zu können. Denn es gab so gut wie keine Auswahlmöglichkeit. Niemand in der Professorenschaft wollte die Bürde des Amtes so recht auf sich laden, auch Rita McBride sagte nur zögerlich zu. Dann aber, sozusagen als Frischling im Amt, lehrte die bis heute nur englischsprechende Amerikanerin nicht wenige Menschen im Akademiebetrieb und Ministerium das Fürchten um die Zukunft der Institution. Weil McBride es mit bürokratischen Vorgaben nicht so genau nehmen wollte und gern nach Gutsherrenart agierte, stieß sie auf erheblichen Widerstand; das Ministerium erteilte ihr eine Rüge. Das Atelierprojekt hat sie auch nicht nach vorne getrieben, und von versprochenen Maßnahmen, die die Kunstakademie für die Anforderungen des 21. Jahrhundert ausrüsten sollten, blieb nichts als leere Versprechungen. Die Stimmung rutschte in den Keller.

Bollwerk für die Freiheit der Kunst und das Künstlerklassensystem: Markus Lüpertz (75) war Rektor von 1988 bis 2009 FOTO: Young David

Nun hat McBride ihren Rückzug erklärt. Sie will nicht länger als vier Jahre Rektorin sein. Die Bahn ist frei für eine neue Idee, die idealerweise an die alte anknüpft. Die Düsseldorfer Akademie gehört zu den vier großen in Deutschland neben Frankfurt, München und Berlin. Ihr Markenzeichen waren seit jeher die Exzellenz und Vielfalt der lehrenden Künstler. Nach der Tradition des Hauses bilden die Malerei, Bildhauerei und Baukunst die Schwerpunkte. Daneben bieten namhafte Künstler besondere Klassen an, wie etwa der Fotograf Andreas Gursky seine für freie Kunst, aus der sehr gute Absolventen hervorgehen.

Der nächste Chef sollte unbedingt wieder ein namhafter Künstler sein und den Standort stärken. Dass es ein Künstler sein muss und kein Denker oder Historiker sein darf, der von dem sich am 12. Dezember neu konstituierenden Senat gewählt wird, schreiben die Statuten vor. Dabei geht es zu wie bei der Kanzlermehrheit, von 23 im Senat vertretenen "Parlamentariern", darunter Professoren (12), Studenten (5), wissenschaftliche und andere Mitarbeitern (3+3), müssen mindestens zwölf für den Kandidaten stimmen.

Der Neue muss im hohen Maße Fähigkeiten zur Führung und zur Integration besitzen. Niemand sollte ausgebremst oder klein gemacht werden. Schon jetzt geht es dank des vom Ministerium eingesetzten Übergangskanzlers Johann Peter Schäfer friedlicher am Eiskellerberg zu, fünf Neubesetzungen von Professoren sind durch, zwei folgen.

Zu Beginn seiner Lehrtätigkeit skizzierte Gregor Schneider die Aufgaben einer Akademie wie der Düsseldorfer mit ihren Künstlerklassen, die seiner Meinung nach einer romantischen Idee entspringen. Die Freiheit sei wichtig, Künstler gingen dahin, wo Kunst auch entstehe, so Schneider. Kunst sei schwer zu lehren, die Bildung finde über das Werk statt. Schneider sagte im RP-Interview: "Die Geschichte gibt die Richtung vor." Wer nicht an Klasse verlieren will, muss auch auf die Güte von Arbeitsverträgen achten.

Der vielbeschäftigte Bildhauer wäre gar kein schlechter Kandidat.

Quelle: RP
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