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Kolumne Auf Ein Wort
Noch ein Jubiläum

Düsseldorf. Ständig gibt es einen Anlass, um irgendein Jubiläum zu feiern. Manche schaffen es mit Zelt, Band und Buden auf den Rathausplatz, andere grillen im Hinterhof. Gelegentlich wird ein Verein oder eine Institution überhaupt erst bei ihrem 100-Jährigen mit einem überraschten "Ach, so etwas gibt es auch?" entdeckt. Bei Jubiläen werden Reden gehalten. Es wird gelobt, gelogen, getuschelt, angestoßen und gelacht. Das kann wirklich Spaß machen.

Niemand sagt bei solchen Gelegenheiten: "Hundert Jahre sind genug. Jetzt hören wir damit auf." Auch bei der Diakonie Düsseldorf nicht, die gerade 100 Jahre alt geworden ist. Dabei kann man sich durchaus wünschen, dass es für manches einfach keinen Bedarf mehr gibt. Wer wünschte sich nicht, dass keine Obdachlosenhilfe mehr nötig ist, weil alle ein Dach über dem Kopf haben? Oder keine Suchtberatung, weil alles maßvoll konsumiert wird? Oder keine Eheberatung, weil es überall super läuft? Oder keine Flüchtlingshilfe, weil weltweit Frieden herrscht und allgemeiner Wohlstand?

Der Prophet Jesaja beschreibt eine solche Zukunft, in der Wölfe bei den Lämmern wohnen. "Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter. Man wird nirgends Sünde tun, denn das Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser das Meer bedeckt." (Jesaja 11, 8) Die Schönheit und Übertreibung, die in diesen Bildern steckt, macht deutlich, wie weit wir davon entfernt sind. Und doch kann gerade die Sehnsucht nach einer Welt, in der nicht Angst und Pessimismus den Ton angeben, Auslöser und Motivation sein, Gutes zu bewirken.

Bei Jubiläen wird auf das Gelingen geschaut, auf die Impulse, die einzelne gegeben haben und den Geist, der nötig war, um etwas gemeinsam zu schaffen. Dabei lässt sich meist entdecken, dass Mut und Vertrauen dazu gehören, um etwas zu beginnen. Einsatz, Können und ein bisschen Glück braucht es, damit etwas klappt. Das gilt sowohl für große Unternehmen wie für Initiativen, die die Welt etwas besser machen wollen.

Es ist gut, dies von Zeit zu Zeit zu feiern und sich daran zu erinnern, was alles gelungen ist und auch in Zukunft gelingen kann.

PFARRER THORSTEN NOLTING IST VORSITZENDER DES VORSTANDS DER DIAKONIE DÜSSELDORF

Quelle: RP
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