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Düsseldorf
Noch keine Spur von Halskettenräubern

Düsseldorf. Seit April wurden 35 Frauen vorwiegend im Düsseldorfer Norden überfallen. Trotz verdeckter Ermittlungen und Phantombilder kann die Sonderkommission der Polizei keine Täter vorweisen. Von Julia Brabeck

Seit Ende April wurden in Düsseldorf 35 Seniorinnen überfallen und ihres Schmucks beraubt. Dabei gehen die Täter äußerst brutal vor, würgen und fesseln teilweise ihre Opfer, reißen die Ketten vom Hals und nehmen in Kauf, dass die Opfer schwer verletzt werden. Da diese Überfallserie nicht abreißt, wollten die Mitglieder der Bezirksvertretung 6 erfahren, was die Polizei unternimmt, um die Täter zu schnappen. Denn dass es sich um mehrere Personen handelt, davon geht die Polizei aus, wie Polizeidirektorin Irmgard Baumhus den Lokalpolitikern erläuterte.

Zwar gibt es nur wenige Täterbeschreibungen, da die Überfälle blitzartig passieren und die Opfer danach häufig unter Schock stehen, aber die Schilderungen weichen so gravierend voneinander ab, dass die Polizei mehrere Straftäter vermutet. Übereinstimmend wurde nur ausgesagt, dass es sich um ausländische Männer im Alter zwischen 25 und 40 Jahren handelt. Die veröffentlichten Phantombilder haben aber bisher zu keinem Ergebnis geführt. "Die Täter müssen nicht zwingend in Verbindung stehen. Es kann sein, dass die schnellen Raubüberfälle Nachahmer gefunden haben", sagt Baumhus.

Am häufigsten betroffen war mit zwölf Straftaten Unterrath, in Rath und Derendorf wurden jeweils sieben Überfälle, in Gerresheim drei, in Mörsenbroich zwei und jeweils ein Raub in Ludenberg, Vennhausen, Wersten und Garath verzeichnet. In den angrenzenden Städten wie Erkrath, Ratingen, Köln und Duisburg werden ebenfalls Überfälle nach dem gleichen Muster verübt. "Auch von dort ist mir kein Fahndungserfolg bekannt", sagt die Polizeidirektorin. Von den Düsseldorfer Taten, die fast alle tagsüber erfolgten, wurden elf auf offener Straße begangen, teilweise zweimal an gleicher Stelle, wie am S-Bahnhof Unterrath oder der Straße auf der Reide. 20 Mal schlugen die Räuber an der Haustür oder im Hausflur zu und fünfmal verschafften sie sich unter einem Vorwand Zutritt in die Wohnung.

"Die Überfälle in den Wohnungen sind die schlimmsten, denn dabei wurden die Bewohner zu Boden geworfen, gefesselt und geknebelt", sagt Baumhus. "Die Täter spionieren vorher aus, wo alte Leute wohnen. Sie überfallen nur Personen, die sich nur noch langsam bewegen und schwer wehren können."

Welche Schritte die Mitte Mai eingerichtete Sonderkommission "Band" unternimmt, um die Räuber dingfest zu machen, wollte Baumhus nicht im Einzelnen erläutern, um den Fahndungserfolg nicht zu gefährden. Polizisten in Uniform würden aber zurzeit verstärkt Präsens zeigen und Beamte in Zivil verdeckt ermitteln. Zudem werden weiterhin Zeugen gesucht und die Spuren von den Tatorten ausgewertet. Außerdem findet ein intensiver Austausch mit anderen Polizeibehörden statt und bei Verkehrskontrollen wird verstärkt auf verdächtige Personen geachtet. "Zurzeit ist es aber schwer, neue Erkenntnisse zu erlangen, da zum Glück wenig passiert." Senioren rät die Polizistin, vorsichtiger zu sein. "Das bedeutet aber nicht, dass diese nicht mehr vor die Tür gehen sollen. Sie sollen bloß einige Sicherheitshinweise beachten." Dazu gehört beispielsweise Schmuck nicht sichtbar zu tragen, nur wenig Geld mitzunehmen, unbelebte Abkürzungen zu meiden und auf Verfolger zu achten und bei einem unguten Gefühl die Polizei zu verständigen. "Ein gesundes Misstrauen ist hilfreich", sagt Baumhus.

Quelle: RP
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