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Düsseldorf
OB Geisel stellt Schauspielhaus zur Debatte

Düsseldorf: OB Geisel stellt Schauspielhaus zur Debatte
Das denkmalgeschützte Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz ist derzeit geschlossen, weil die Haustechnik saniert wird. Nötig ist das auch bei der Fassade - deren Aufhängung ist schadhaft. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses soll 20 Millionen Euro kosten. Das ist doppelt so viel wie geplant. Es könne günstiger sein, das Gebäude neu aufzubauen anstatt es zu sanieren, sagt Oberbürgermeister Geisel. Von Denisa Richters

Während das Düsseldorfer Schauspielhaus unter dem neuen Intendanten Wilfried Schulz und dem Namen "D'Haus" inhaltlich auf Erfolgskurs ist, nimmt die Diskussion um den baulichen Zustand des denkmalgeschützten Stammhauses am Gustaf-Gründgens-Platz an Fahrt auf. Das ist derzeit geschlossen, weil unter anderem Teile der Haustechnik erneuert werden. 

Diese Sanierung soll 20 Millionen Euro kosten, doppelt so viel wie geplant. Doch auch Fassade und Dach weisen Schäden auf - die Aufhängung müsste erneuert werden.

Der Architekt Christoph Ingenhoven, nach dessen Entwurf bei Kö-Bogen II auch die Randbebauung am Gustaf-Gründgens-Platz entsteht, soll in einem Masterplan Ideen für ein Schauspielhaus-Konzept entwickelt haben, inklusive der Instandsetzung von Dach und Fassade. Kosten: mindestens weitere 20 bis 25 Millionen Euro.

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Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) zeigt sich angesichts dessen skeptisch und spielt den Ball zur Politik: "Man muss sich entscheiden, ob es uns das wert ist, wenn die Kosten signifikant überschritten werden - koste es, was es wolle." Dabei gehe es auch um die Frage, "welche Bedeutung dieses Gebäude der Hochkultur" für die Stadt habe.

Diese Diskussion, die der selbstbewusste Intendant Schulz losgetreten habe, müsse geführt werden. Dabei müsse die Politik aber auch ehrlich sagen, welche Projekte in der Stadt im Gegenzug nicht finanziert werden können. Keine Lösung sei, am Ende immer mehr Geld bereitzustellen, weil doch schon so viel hineingesteckt worden sei, betont Geisel. "Bei Bauten aus den 1960er Jahren ist es zudem oft günstiger, sie nach den ursprünglichen Plänen neu aufzubauen."

Die Idee eines Wiederaufbaus kommt für die Politik nicht in Frage. "Das wäre ein Armutszeugnis", sagt Friedrich Conzen (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses. Das Beispiel Köln zeige, dass die Kosten für Neubauten leicht in den dreistelligen Millionenbereich rutschen. Auch Manfred Neuenhaus (FDP) lehnt derartige Überlegungen ab. Das Schauspielhaus sei in einem guten Zustand, die Sanierung der Fassade stehe in absehbarer Zeit an. Es sei "wirtschaftlich vernünftig", das jetzt zu machen. Gefragt sei aber nicht die Politik: "Der Oberbürgermeister muss jetzt einen Vorschlag machen, der auch trägt."

 "Ein Denkmal ist ein Wert an sich"

Auch Grünen-Kulturexpertin Clara Gerlach warnt vor einem Neubau nach alten Plänen und nennt als schlechtes Beispiel das Berliner Schloss. "Ein Denkmal ist ein Wert an sich." Die Fassaden-Sanierung sei ärgerlich, müsse aber gemacht werden. Aus dem Verkauf des Flughafens-Areals könne Geld dafür fließen. "Herr Geisel ist die Tour de France wichtig, mir die Kultur", betont Gerlach. Überhaupt keine Option ist für die Politiker, das Schauspiel in Düsseldorf ganz zur Disposition zu stellen.

Intendant Schulz will die Diskussion offen führen. "Dass es einen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf gibt, ist unbestritten", sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Nun müsse man die Grundsatzfrage in Politik und Bürgerschaft tragen, ob man dem Schauspielhaus als Gebäude eine Zukunft geben wolle. "Ich meine: Ja, natürlich!" Das Denkmal weiterhin nur notdürftig zu flicken, sei nicht angemessen.

Als "absolut absurd" bezeichnet Michael Strahl, Vorsitzender des Freundeskreises des Schauspielhauses, die Idee, das Gebäude neu zu errichten. "Es ist Teil der renommierten Theatergeschichte Düsseldorfs, ist deshalb absolut schützenwert und zu erhalten." Die Stadt müsse entsprechend investieren.

Quelle: RP
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