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Made In Düsseldorf
Öfter feiern mit jecker Zahlentrickserei

Düsseldorf. Jubiläen sind alle zehn oder 25 Jahre. Die Jecken feiern Jubeltage, die durch elf teilbar sind. Denken Sie? Manche feiern gleich doppelt und dreifach. Eine Analyse.

Am Elften im Elften wird um 11.11 Uhr die Karnevals-Session eröffnet. Die Vorliebe der Narren für die Zahl Elf ist nicht eindeutig geklärt, lässt sich jedoch schon im 14. Jahrhundert belegen: Am 11. 11. 1391 gründete Graf Adolf von Kleve den Narren-Orden. Der Stifter besiegelte die Urkunde an elfter Stelle. In ihr ist festgeschrieben, dass sich die Mitglieder alljährlich zu einem elftägigen feuchtfröhlichen Beisammensein versammeln sollen. Nach mittelalterlicher Vorstellung ist die Elf die Zahl der Maßlosigkeit. Entsprechend werden durch elf teilbare Jubiläen von den Jecken in Düsseldorf frenetisch gefeiert. Die KG Rheinisches Garde Corps etwa feiert grade drei mal elf Jahre, die Düsseldorfer Räbbelche fünf mal elf Jahre, der erste Löschzug Oberbilk und die Närrischen i-Dötze oder die Kakaju sogar sechs mal elf. Die Knaasköppe von 1929 legen mit acht mal elf Jahre noch einen drauf. Normale Menschen feiern ja runde Geburtstage. Doch weil die meisten Karnevalisten auch normale Menschen sind, behelfen sie sich mit einem Trick. Sie feiern einfach auch die normalen Jubiläen. Glauben Sie nicht? Beispiel gefällig? Der Prinzenclub unter seinem gewieften Präsidenten Jobsi Driessen feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag. Kein närrisches Jubiläum, aber das ist kein Grund, nicht zu feiern. Diese schlitzohrige Zahlentrickserei beschert den Narren eine Flut zusätzlicher Feste. Auf den fünften und den zehnten Geburtstag mit Feier folgt nur zwölf Monate später der elfte. Dann 15, 20, 22, und 25. Und so geht das dann weiter. Nur den nach fünf mal elf Jahren, in der Mitte der Dekade, da haben die Karnevalisten das Nachsehen. Denn das närrische Jubiläum 55 Jahre fällt mit einem regulären zusammen. Besonders feierintensiv wird es bei älteren Vereinen, denken Sie an einen, der 95 Jahre alt wird (besonders wichtig wegen Fortuna), dann den 99. närrischen Geburtstag begeht und gleich im Folgejahr zum 100. den Oberbürgermeister einlädt. So schaffen es die Karnevalisten, in einem Jahrhundert satte 28 Jubiläumsjahre abzufeiern.

28 ist nun ausgerechnet keine jecke Zahl, daher sind die Freunde der fünften Jahreszeit erfinderisch und stets auf der Suche, durch Orden, Ehrungen und Preise die Zahl der Feiern pro Jahrhundert mindestens auf 33 zu erhöhen. Die Liste ist lang. Die Prinzengarde Blau-Weiss verleiht die "Goldene Pritsche" mit viel Tamtam. Und die "Närrische Eule" kriegt jemand, der sich über Jahrzehnte neue Tricks zur Erhöhung der Feier-Anzahl ausgedacht hat. Also einer, "der sich um das Brauchtum verdient" machte. Fehlt noch ein Journalistenpreis, gerne auch an mich, etwa "Närrischer Kugelschreiber" genannt. Hauptsache ein Grund zum Feiern!

Quelle: RP
 
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