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Serie Düsseldorfer Schullandschaft
Ohne Förderschulen geht es nicht

Serie Düsseldorfer Schullandschaft: Ohne Förderschulen geht es nicht
(v. l.) Hanna Elarif (17), Luna Tigithoff (18), Pascal Weihrauch (19) und Maurizio Siciliano (19) besuchen in der Franz-Marc-Förderschule einen Kursus zur Berufsorientierung. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Die Politik setzt beim Thema Inklusion darauf, möglichst viele Kinder mit Handicap in allgemeinen Schulen zu unterrichten. Die Zahl der Förderschulen sinkt. Gefährdet ist dieser Schultyp aber nicht, wie steigende Anmeldezahlen belegen. Von Jörg Janssen

Förderschulen kümmern sich um Kinder, die ein körperliches, geistiges oder soziales Handicap haben. Träger sind die Stadt und der Landschaftsverband Rheinland - je nach Behinderung oder Einschränkung. Die wichtigsten Daten und Fakten im Überblick.

Das Konzept Die Förderschulpädagogen stehen der Inklusion, also dem gemeinsamen Lernen behinderter und nicht-behinderter Kinder, grundsätzlich positiv gegenüber. "Die Idee, dass alle in Gemeinschaft lernen und dabei auch Menschen mit Behinderung eine qualitativ hochwertige Bildung erfahren, ist eine gute Zukunftsvision", sagt Wolfgang Reif, Leiter der Franz-Marc-Schule (Schwerpunkt: geistige Entwicklung), in Gerresheim. "Aber es wird immer auch Kinder geben, die in einer eigenen Einrichtung bessere Ergebnisse erzielen."

Die Kritik Was die Sonderpädagogen beim Thema Inklusion besorgt, ist die konkrete Umsetzung. "So wie es derzeit läuft, habe ich manchmal Zweifel, ob das, was die Sonderpädagogik in Jahrzehnten entwickelt hat, tatsächlich an den anderen Schulen weiter wirken kann", meint Reif. Sein Kollege Peter Zerfass, Leiter der Alfred-Herrhausen-Schule (Schwerpunkt: Lernen sowie Emotionale und Soziale Entwicklung) in Garath, bemängelt, dass sich bei ihm die Lehrer-Schüler-Relation von ehemals 1:7,9 auf nunmehr 1:9,92 verschlechtert habe. "Das schränkt Spielräume unnötig ein und erschwert unsere Arbeit", sagt Zerfass, dem der Systemwechsel hin zum gemeinsamen Lernen "insgesamt zu schnell geht".

Der Bestand Die Förderschullandschaft ist zweigeteilt. Vier Einrichtungen mit den Förderschwerpunkten körperliche und motorische Entwicklung, Sprache, Sehen sowie Hören/Kommunikation betreut der Landschaftsverband Rheinland. Sieben Schulen betreibt die Stadt. Hier liegen die Schwerpunkte im Bereich Lernen/emotionale und soziale Entwicklung (insgesamt drei Schulen), geistige Entwicklung (drei) sowie Sprache (eine). Sechs ursprünglich selbstständige Förderschulen hat die Stadt im vergangenen Jahr aufgelöst. Einige laufen als Dependance weiter und gehören zu einer der sieben fortbestehenden Einrichtungen. Eine Besonderheit ist die Alfred-Adler-Schule an der Uni-Klinik, die von Jungen und Mädchen besucht wird, die länger als vier Wochen krank sind und den Anschluss nicht verlieren wollen.

Die Prognose Zurzeit besuchen rund 1500 Jungen und Mädchen die städtischen Förderschul-Standorte (einschließlich ihrer neuen Dependancen). "Die Anmeldungen sind nach der Neuordnung stabil, in Einzelfällen sogar leicht ansteigend", sagt Schuldezernent Burkhard Hintzsche. So habe beispielsweise die Franz-Marc-Förderschule in den vergangenen fünf Jahren leichte Steigerungen zu verzeichnen. Das gelte auch für die Mosaikschule in Wersten. Beide Schulen hätten den Schwerpunkt geistige Entwicklung und in eben diesem Bereich gebe es einen Trend zurück zur Förderschule. "Deshalb schließen wir auch in dieser Schulform Erweiterungsbauten keineswegs aus", sagt Hintzsche. Eine Einschätzung, die Zerfass nicht nur mit Blick auf die Anmeldungen teilt. "Viele Eltern entdecken, dass es an der Grundschule einfach nicht funktioniert und schicken dann ihr Kind nach Klasse 4 wieder auf eine Förderschule."

Die Chancen Wer kann, soll auch nach dem Ende seiner Förderschulzeit eine Ausbildung oder einen Job im ersten Arbeitsmarkt anstreben. Doch das bleibt ein harter Kampf. "Von 30 Schülern, die uns verlassen, schaffen es im ersten Anlauf vielleicht fünf", sagt Zerfass.

Quelle: RP
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