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Serie Internationales Düsseldorf
Olé España am Rhein

Serie Internationales Düsseldorf: Olé España am Rhein
José Manuel Sánchez Moreno und seine Partnerin La Cati bringen Spaniern, Deutschen und Japanern den Flamenco bei. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Spanien gilt bei den Deutschen als beliebtestes Urlaubsland. Aber einen Hauch spanischer Kultur gibt es auch in Düsseldorf. Die Zahl der Spanier in Düsseldorf nimmt wegen der wirtschaftlichen Situation in ihrer Heimat zu. Von Holger Lodahl

Wenn Primo Lopez über Düsseldorf spricht, gerät er in eine überschwängliche Lobhudelei. "Die schönste Stadt Deutschlands", sagt der Gastronom. "Düsseldorf ist international, hat viel Ambiente und tolle Einwohner." Seit 1968 lebt der Spanier am Rhein. 14-jährig war er seinem Vater nach Düsseldorf gefolgt und blieb, als sein Vater vier Jahre später in seine Heimat zurückreiste.

In diesem Jahr hat Primo Lopez seinen 60. Geburtstag gefeiert und könnte langsam überlegen, wie er seinen Ruhestand in Madrid, Barcelona oder an der Costa del Sol verbringen möchte. Aber nichts da. "Ich bleibe hier", sagt er. "In Düsseldorf habe ich meine Aufgabe, meine Familie, meine Stadt."

Seine Aufgabe, das ist die Schneider-Wibbel-Gasse. In dieser kaum 200 Meter langen Altstadtstraße betreibt Lopez sechs Lokale mit spanischen Spezialitäten und macht diesen Teil der City zum Anlaufpunkt für alle Düsseldorfer, die nach dem Urlaub in Erinnerungen an Paella, Flamenco und Strand schwelgen möchten. Und diese Träumer gibt es zahlreich: Primo Lopez' Lokale sind oft voller Gäste.

Vor allem an warmen Sommerabenden herrscht in der Schneider-Wibbel-Gasse eine Stimmung, die kaum von der Atmosphäre in Eivissa, Valencia oder Sevilla zu unterscheiden ist - vor allem, wenn der spanische Rotwein schmeckt. Zu Lopez' Gästen zählen größtenteils Deutsche. An guten Messe-Tagen kämen auch Spanier in die Schneider-Wibbel-Gasse, erzählt der Chef. "Sie wundern sich dann schon sehr, wie viel España am Rhein liegt", sagt er.

Spanisches Flair gibt es auch in Unterbilk. An der Neusser Straße betreiben José Manuel Sánchez Moreno und seine Partnerin La Cati eine Flamenco-Tanzschule. Dieser Ausdruck ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn der Flamenco ist nur komplett mit Tanz, Musik und Gesang. Jeden Tag gibt es mehrere Kurse - meist am Abend, aber auch schon mittags treffen sich Flamenco-Freunde im Tanzraum vor dem wandgroßen Spiegel.

Ungewöhnlich ist, woher die Tänzer kommen - aus rund zehn Nationen nämlich. Überraschend viele Japaner haben die Leidenschaft für Flamenco entdeckt. "Zum Flamenco gehört zum einen viel Disziplin und Ehrgeiz, und das mögen die sonst so zurückhaltenden Japaner", erzählt José Manuel Sánchez Moreno. "Sie nutzen die Leidenschaft im Flamenco aber auch, um ihre Emotionen auszudrücken." La Cati fügt hinzu, auch Russen kämen gern, ebenso Deutsche, die zuweilen etwas steif sind. "Aber wir kitzeln aus jedem Tänzer sein Tanztalent heraus", sagt sie amüsiert. La Cati lebt vor, dass jeder Flamenco im Blut hat - sie ist Deutsche und tanzt so gut, dass sie schon vor König Juan Carlos auftrat. Viele Spanierinnen kämen in die Kurse, um den Tanz erstmals zu lernen oder Gelerntes aus der Kindheit wieder aufzufrischen. "Spanierinnen haben kein Problem, sich von mir als Deutscher ihren Nationaltanz zeigen zu lassen", sagt La Cati. Kritischer seien die Deutschen. "Sie fragen, ob ich Flamenco überhaupt kann und sind nach der ersten Stunde oft völlig verblüfft."

Aber die Tanzschule ist mehr als ausschließlich ein Ort, an dem getanzt wird. Im Foyer steht ein langer, weiß getünchter Tresen. Auch die Wände sind weiß und hängen voller verschieden großer Fotos von La Cati und José Manuel. Foyer und Tanzraum trennt ein großes Fenster, vor dem mehrere Tische stehen. "Hier treffen sich viele unserer Gäste, bringen was zu essen und zu trinken mit, schauen den anderen beim Tanzen zu", sagt José.

Die Spanierinnen würden die Tänzer anderer Nationen oft mitziehen, so dass die Abende schon mal lang werden können und am Tisch ein Stimmengewirr verschiedener Sprachen herrscht. Die Tanzschule wird wegen Spaniens Wirtschaftskrise als Treffpunkt immer wichtiger. "Seit zwei Jahren etwa haben wir mehr spanische Besucher als sonst", sagt José Manuel.

Auch Andrés Cornejo merkt, dass immer mehr Spanier nach Düsseldorf kommen. Cornejo ist Pastoral-Referent der spanisch-sprachigen Gemeinde in der Mission Düsseldorf und freut sich über jeden Landsmann - auch, wenn deren Ankunft zuweilen problematisch ist. Im katholischen Pfarramt der spanischsprachigen Mission an der Bilker Straße helfen er und sein Team bei Wohnungs- und Jobsuche sowie bei Behördengängen. Deutsch-Sprachkurse bieten sie sogar selbst an. So leistet Cornejo große Hilfe bei der Integration.

"Das ist sehr, sehr wichtig seit der Wirtschaftskrise", sagt er. Dazu gehört auch die religiöse Betreuung der rund 6000 spanisch-sprechenden Bürger. In der Kirche Sankt Adolfus an der Kaiserswerther Straße gibt es regelmäßig Gottesdienste in spanischer Sprache. Auch andere religiöse Traditionen werden gepflegt, Taufen und Trauungen gefeiert, und es gibt eine Folkloregruppe, in der jeder Besucher die Tänze aus verschiedenen spanischsprachigen Ländern lernen und genießen könne. "Deutsche sind in unserer Gemeinde sehr willkommen", sagt Andrés Cornejo. "Wir feiern gern zusammen mit Gästen anderer Nationen."

Quelle: RP
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