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Online-Datingportale
Späte Liebe aus dem Internet

Online-Datingportale: Späte Liebe aus dem Internet
Gabriele Kracht und Norbert Andermann haben sich 2010 im Internet kennen und lieben gelernt. Da er in Hamburg arbeitet, führen die beiden eine Fernbeziehung. FOTO: Andreas Endermann
Solingen. Tinder ist etwas für Junge? Nicht wirklich. Immer mehr Menschen über 50 finden ihre Partner über Online-Datingportale. So auch Gabriele Kracht (60) aus Solingen und ihr Partner Norbert Andermann (63) aus Düsseldorf. Von Saskia Nothofer

Ihr erstes Date hatten Gabriele Kracht und Norbert Andermann in einem türkischen Restaurant in Solingen. "Wir haben gut gegessen, anschließend Shisha geraucht, und dann war es plötzlich vier Uhr morgens", erzählt die 60-jährige Geschäftsführerin einer Stahlwarenfabrik aus Solingen. "Wir haben uns köstlich amüsiert, die Zeit ist einfach so verflogen." Schon bei diesem ersten Treffen sei Kracht sich sicher gewesen: Er ist es. "Es war Liebe auf den ersten Blick", so die 60-Jährige.

Keine Seltenheit mehr

Die Liebe über das Internet zu finden, ist keine Seltenheit mehr. Laut einer Studie der Website singleboersen-vergleich.de gab es 2016 8,4 Millionen aktive Nutzer auf den 2500 im deutschsprachigen Raum angebotenen Online-Datingportalen. Jährlich steigt demnach die Anzahl der Nutzer um 200.000 - denn immer mehr junge und vor allem auch alte Menschen machen mit. "Für die Generation 50 plus gibt es viele Möglichkeiten, sich online zu verlieben", sagt eine Sprecherin von singleboersen-vergleich.de.

So seien sie auf Plattformen wie Parship und Lovescout24 ebenso vertreten wie auf Nischenportalen wie Datingcafé, Lebensfreude50 oder Platinnetz. Laut Marco Bollow, dem Sprecher von Datingcafé, sind rund 30 Prozent der Nutzer zwischen 50 und 59 und etwa 15 Prozent über 60 Jahre alt. "Die Akzeptanz für Online-Dating ist bei den Älteren angekommen. Durch leicht bedienbare Technik und auch dadurch, dass auch die Generation 50 plus schon im Beruf mit Computern gearbeitet hat, gibt es kaum noch Hürden, den Partner online zu suchen", sagt Bollow.

 "Es war ein Selbstläufer"

Das war bei Kracht und Andermann nicht anders. Seit etwa sieben Jahren sind die beiden nun ein Paar. "Nach dem ersten Date kam bald das zweite, und sehr schnell war klar, dass wir zusammengehören", so Kracht. "Es war ein Selbstläufer." Daraus, dass sie im Internet nach der Liebe suchten, haben beide niemals ein Geheimnis gemacht. Und beide waren auch nicht zu verbissen auf der Suche. "Ich habe nie daran geglaubt, dass ich online jemanden für eine längere Beziehung finde", sagt Andermann. Doch er wurde eines Besseren belehrt. "Schon nach dem ersten Telefonat mit Gabriele hatte ich ein positives Gefühl", erzählt der Witwer. "Sie ist eine unglaublich pragmatische Frau, sie ist offen und tolerant", schwärmt der 63-Jährige. Und natürlich gebe es auch Reibereien. So haben sie etwa komplett unterschiedliche politische Ansichten. "Aber das spielt überhaupt keine Rolle, macht unsere Beziehung vielleicht sogar noch interessanter", sagt Andermann.

Rund ein Jahr sei er auf der Datingplattform Parship aktiv gewesen, bis er seine Gabriele kennengelernt habe. "In dieser Zeit hatte ich zwölf bis 15 Dates. In der Regel war aber nach dem ersten Treffen klar, dass man sich diese Person nicht noch einmal antun muss", berichtet der 63-Jährige, der Geschäftsführer einer Agentur in Hamburg ist, weshalb sich das Paar nur am Wochenende sehen kann. Doch das ist kein Problem. Ganz im Gegenteil: "Auch ich arbeite sehr viel und bin froh, dass Norbert Verständnis dafür hat", sagt die 60-Jährige. "Wir haben uns gesucht und gefunden", sagten sie sich immer.

Es wurde zu kompliziert

Bevor die beiden sich getroffen haben, hat auch Kracht andere Männer gedatet, die sie über Parship kennengelernt hatte. Mit zweien habe es etwas längere Beziehungen gegeben. "Doch bei beiden wurde es zu kompliziert, da hatte ich keine Lust mehr drauf", sagt die 60-Jährige. Mit anderen Männern, die sie über das Portal kennengelernt hat, sei sie aber gut befreundet.

Dass über die Online-Portale nicht zwangsläufig die große Liebe gefunden, sondern auch Freundschaften entstehen können, bestätigt auch Uwe Janotta, Inhaber von Lebensfreude50. "Einige Menschen suchen einfach Gleichgesinnte, mit denen sie sich über Krisen, Todesfälle, Trennung oder Scheidung austauschen können", so Janotta. Das Portal betreibt er seit 2006. Während sich am Anfang fast ausschließlich Menschen angemeldet hätten, die im Berufsleben stehen, verlagere sich der Altersdurchschnitt der Nutzer nun immer weiter nach oben. "Einige sind auch um die 80 Jahre alt", so Janotta.

Laut einer Parship-Studie aus dem Jahr 2012 rangiert bei Partnersuchenden über 50 Jahren das Internet auf Platz eins der Möglichkeiten, um einen Partner zu finden (57 Prozent). Das Kennenlernen im Netz liegt demnach vor dem Freundes- und Bekanntenkreis (46 Prozent) und der Begegnung beim Ausüben eines Hobbys (25 Prozent). So hat sich die Online-Partnersuche zu einem Trend entwickelt: 2009 lag das Kennenlernen im Netz in der Generation 50 plus noch auf Platz vier.

Quelle: RP
 
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