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Juwelen-Raub
„Opfer hat Fehler gemacht“

Juwelen-Raub: „Opfer hat Fehler gemacht“
Die Juwelenräuber wurden von einer Überwachungskamera gefilmt. FOTO: Polizei
Düsseldorf. Das Paar, das am Mittwochabend vor dem Interconti an der Kö einen Juwelenhändler aus Stuttgart um Schmuck im Wert von 600 000 Euro erleichterte, ist immer noch verschwunden. Die Polizei sucht nach einem etwa 55-jährigen Mann und einer 30-jährigen, blonden Frau. Von der Frau gibt es Fotos der Videoüberwachung aus dem Hotel-Foyer. Die Fotos sind allerdings sehr unscharf. Von Hans Onkelbach

Viele Spuren

Dennoch ist die Polizei sicher, die Täter bald identifiziert zu haben. Denn es gibt viele Spuren: An dem Fluchtauto, an der zurückgelassenen Jacke der 30-Jährigen und an der Aktentasche, in der die vermeintlich mit 500-Euro-Scheinen, aber in Wirklichkeit mit Schokolade gefüllten Geldbündel lagen.

Wie berichtet, hatte sich der Kaufmann aus Stuttgart in der Hotelhalle mit der jungen Frau getroffen. Sie war angeblich am Kauf von zwei Ringen, einem Collier und einem tropfenförmigen Diamanten interessiert. Den Schmuck hatte der Kaufmann bei sich. Der Frau gelang es, den Beutel an sich zu nehmen, den Verkäufer vor das Hotel zu locken, ihn dort zu Boden zu stoßen und gemeinsam mit ihrem Komplizen in einem schwarzen A 8 zu fliehen.

Martin Winckel (46), ebenfalls Juwelier, hatte schon wenige Stunden nach dem Coup an der Kö von der Straftat erfahren und alle Informationen dazu auf seine Internet-Seite gestellt. Winckel betreut seit Jahren den "Juwelier-Warndienst", in dem er die Tricks der Täter, ihre Beute, wenn möglich ihre Fotos und andere Infos veröffentlicht, die er aus zahlreichen Überfällen auf Juweliere gesammelt hat. Damit will er Kollegen vor den Gaunern warnen.

Wird das Collier "geschlachtet"?

Nach Ansicht des Fachmanns hat das Opfer mehrere Fehler gemacht. Winckel: "Mit Schmuck in diesem Wert das vertraute Umfeld zu verlassen und sich auf fremdes Terrain zu begeben, ist sehr leichtsinnig." Dass der Mann im Hotel nicht misstrauisch geworden ist, als die angeblich Käuferin sagte, sie müsse den Schmuck noch ihrem Fahrer vor dem Eingang des Hotels zeigen, kann Winckel ebenfalls schwer nachvollziehen. Aber im Laufe der Jahre hat er immer wieder davon gehört, dass sich Verkäufer wertvoller Juwelen unter einem Vorwand in Hotels oder an andere Treffpunkte locken lassen. Das große Interesse, das Geschäft zu machen, lasse manche unvorsichtig werden.

Winckel glaubt, dass das Collier (Weißgold mit Brillanten und Diamanten, Wert 165 000 Euro) vermutlich nicht komplett verkauft, sondern "geschlachtet" wird – das heißt: Es wird in seine Einzelteile zerlegt und dann stückweise auf den Markt gebracht. Die Täter hält er für klug planende Profis.

Quelle: RP
 
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