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Verheerendes Unwetter über NRW
Orkan hat jeden vierten Baum umgeknickt

Fotos: Die umgeknickten Bäume von den Rheinwiesen
Fotos: Die umgeknickten Bäume von den Rheinwiesen FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf/Duisburg. Orkan "Ela" hat landesweit 80.000 Bäume beschädigt. In Düsseldorf ist jeder vierte Baum betroffen. Besonders Pappeln und Platanen konnten dem Wind nicht standhalten. Die Aufräumarbeiten dauern Wochen. Von Christian Schwerdtfeger

Henning Hürten steht gestern Vormittag mit seinen Baumpflege-Experten von den Wirtschaftsbetrieben vor einem Zweifamilienhaus am Kalkweg im Duisburger Süden, auf das eine sechs Tonnen schwere Eiche gestürzt ist. Das Dach ist eingedrückt, Teile der Fassade sind eingerissen. Mit Motorsägen zerteilen die Männer den dicken Stamm und die Äste. Die Bewohner stehen weinend daneben. Sie sind wütend, dass ihnen erst zwei Tage nach dem Unwetter geholfen wird. "Wir konnten nicht früher kommen, weil es woanders noch schwerere Schäden gegeben hat", sagt Hürten.

Ob in Duisburg, Düsseldorf oder Krefeld: Überall, wo der Orkan am Montagabend gewütet hat, liegen noch Tausende abgeknickte Bäume auf den Straßen und Gehwegen herum, die weggeräumt werden müssen. Schätzungen des Umweltministeriums zufolge wurden landesweit 80.000 Bäume beschädigt. In Düsseldorf ist jeder vierte Baum betroffen. Dennoch sagte Umweltminister Johannes Remmel, dass der Wald mit einem blauen Auge davongekommen sei. Er führte zum Vergleich Orkan "Kyrill" an, dem vor sieben Jahren rund 15 Millionen Bäume zum Opfer gefallen waren.

So sah das Unwetter in Düsseldorf aus

Besonders Platanen und Pappeln wurden von dem schwersten Unwetter seit vielen Jahren umgerissen. In Düsseldorf stürzte eine Pappel auf eine Gartenlaube, in der sechs Personen auf einer Familienfeier vor dem Sturm Zuflucht gesucht hatten. Drei von ihnen wurden von dem Baum erschlagen. "Pappeln sind aufgrund ihrer dünnen Stämme besonders windanfällig", erklärt Hürten. Darum würden diese Sorten schon seit Jahren nicht mehr in Parks und öffentlichen Grünanlagen gepflanzt. Der Altbestand sei jedoch noch sehr hoch.

Ein weiteres Problem: Pappeln breiten sich von alleine aus wie Unkraut. Nicht nur Stadtplanern, auch dem Landesbetrieb Straßenbau NRW bereiten diese Bäume Sorgen. Denn bei Sturm können sie an Autobahnen gefährlich für den Verkehr werden. "Darum achten wir darauf, dass sie nicht an den Schnellstraßen stehen und sich ungehindert ausbreiten", betont Frank Eilermann von der Grünflächen-Abteilung bei Straßen NRW. Pappeln knickten vor allem im hohen Alter um wie Zahnstocher.

Fotos: Die Sturmschäden im Hofgarten FOTO: Markus Huter

Es sind aber nicht nur diese Bäume, die Eilermann Sorgen bereiten. Alle Sorten seien problematisch, wenn sie zu dicht nebeneinander stünden. "Die Bäume können so nicht richtig wachsen. Die Stämme sind dann zu dünn, um einem Orkan standzuhalten", erläutert Eilermann. Straßen NRW hat auch deswegen in den vergangenen beiden Wintern entlang der Autobahnen massiv den Baumbestand reduziert. Diese Maßnahme habe sich jetzt beim Orkan bezahlt gemacht, meint Eilermann. "Sonst wären noch viel mehr Bäume auf die Straßen gestürzt."

In der Stadt riss Orkan "Ela" nicht nur Pappeln und Platanen um. Der Sturm war so gewaltig, dass auch Linden, Eichen und Buchen entwurzelt wurden. "Ab Windgeschwindigkeiten von 130 km/h knickt fast alles um", sagt Hürten. Beim Unwetter am Montagabend sei aber alles zusammengekommen, was zusammenkommen konnte, damit Bäume fallen, sagt er. "Die Bäume waren extrem belaubt für die Jahreszeit, dazu trugen viele schon Blüten. Hinzu kam der Regen, der die Blätter noch schwerer gemacht hat", erklärt Hürten. Unter dieser Last seien die Bäume dann zusammengebrochen.

Unwetter: Geisel und Elbers besuchen Opfer FOTO: Andreas Bretz

In den vom Unwetter betroffenen Städten wird es noch Wochen dauern, bis alle abgeknickten Stämme weggeräumt sein werden. Dann wird aufgeforstet. Auf neue Bäume will und kann keine Stadt verzichten. Denn sie filtern Schadstoffe aus der Luft, spenden Schatten und reduzieren die Temperatur, erhöhen die Luftfeuchtigkeit, binden Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff.

In Duisburg setzt man bei der Neubepflanzung auf einen Arten-Mix: Wildapfel, Blutpflaume, Felsenbirne, Weißbuche und kleinere Baumarten, die nicht so viel Platz benötigen. "Wir versuchen weiterhin, den idealen Stadtbaum zu finden", sagt Hürten. "Das Problem daran ist, dass man erst in 50 Jahren sieht, ob die Sorte auch wirklich gut geeignet ist."

Quelle: RP
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