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Düsseldorf
Sittich-Küken überleben Bauschaum

Papageien-Küken aus Düsseldorf überleben Bauschaum
FOTO: Heike Haas
Düsseldorf. Zwei Tage lang haben die Eltern der Papageien-Küken gebraucht, um ihre Jungen zu befreien. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei in der Sache. Von Torsten Thissen

Für Heike Hartig ist es "ein Wunder". Niemals hätte sie gedacht, dass die Brut der Halsbandsittiche, die sie immer von ihrem Balkon aus beobachtet, diese Attacke überlebt. Niemals hätte sie gedacht, dass die Eltern der Jungvögel es schaffen, aber als sie am Morgen aus Gewohnheit auf das mit Bauschaum verfüllte Loch in der Fassade gegenüber blicken wollte, war das Loch eben nicht mehr da. Stattdessen konnte sie die Altvögel sehen, wie sie wieder und wieder Futter herbeischafften. Und aus dem Loch schauten mal zwei, mal drei kleine, grüne Papageienköpfe heraus. Allem Anschein nach sehr hungrig.

Das Drama um die Halsbandsittichfamilie in Golzheim nimmt wohl doch noch ein glückliches Ende. Ein Papageienpaar hatte es sich in einem Loch der Fassade bequem gemacht und gebrütet. Tatsächlich waren auch Junge geschlüpft, doch dann hat die Hausverwaltung der Wohnanlage das Loch mit Bauschaum aussprühen lassen. Die kleinen Papageien waren lebendig begraben, während die Eltern nur verzweifelt auf das Mauerwerk einhaken konnten. Ein verzweifelter Einsatz, der sich letztlich aber gelohnt hat.

Nachbarin Heike Hartig schickte uns diese Bild. Darauf ist zu sehen, wie die Eltern ihre Küken hinter dem Bauschaum begrüßen. FOTO: Heike Haas

So sieht es auch der Tierschutzverein Düsseldorf und Umgebung. "Natürlich freuen wir uns darüber, dass die Sittiche wieder frei sind und offenbar überlebt haben", sagte Sprecherin Katrin Haas und fügte hinzu: "Wir hoffen nur, dass die Hausverwaltung die Vögel nun in Ruhe lässt."

Eine Hoffnung, die nicht unbegründet ist. Zwar war die Hausverwaltung auch am Donnerstag zu keiner Stellungnahme zu bewegen, aber es erfolgte eine Aufklärung und das gleich durch mehrere Stellen. Zum einen schaltete sich das Veterinäramt ein, auch das NRW-Umweltministerium hat sich an die Hausverwaltung gewendet. Zum anderen aber erfolgte eine Belehrung durch die Polizei. Und die ermittelt immer noch, weil mehrere Anzeigen wegen der Bauschaum-Attacke eingegangen sind. "Wir ermitteln wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz", sagte Polizei-Sprecherin Susanna Heusgen. Man habe sich mit der Verwaltung in Verbindung gesetzt und geht nicht davon aus, dass weiterhin eine Gefahr durch Bauschaum für die jungen Papageien besteht. Ob der Bauschaumsprüher oder sein Auftraggeber belangt werden können, sei zurzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Auch die Stadt äußert sich nur allgemein zu dem Vorfall mit Verweis auf das laufende Verfahren. Bundesweit sei das Phänomen zu beobachten, dass Bunt- und Grünspechte Löcher in Wärmedämmverbundsysteme machen. In diesen Löchern brüteten auch Halsandsittiche. Brütende Vögel dürfen in der Brutzeit weder gestört noch getötet werden, hieß es aus der Stadtverwaltung: "Die Brutzeit ist gesetzlich vom 1. März bis zum 30. September festgelegt." Wer Tiere ohne vernünftigen Grund tötet, begeht nach dem Tierschutzgesetz sogar eine Straftat.

Halsbandsittiche: Eingewanderte Exoten FOTO: Tobias Krause
Quelle: RP
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