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Gastrotipp
Pariser Flair an der Mühlenstraße

Gastrotipp: Pariser Flair an der Mühlenstraße
In der Brasserie tafeln die Gäste unter der hölzernen Kassettendecke. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Brasserie im Stadthaus hält, was ihr Name verspricht: Man isst wie auf einem Boulevard in Paris. Das kommt an: Ohne Reservierung ist kaum ein Platz zu bekommen. Von Uwe-Jens Ruhnau

Die Theater-, Opern- und Museumsleute waren als Erste da, dann kamen die Geschäftsleute, jetzt kommen sie alle. Familien und Freunde, wenn es ein netter Abend werden soll, an dem man "schön ausgeht" und gut essen will. Nicht überkandidelt, aber gut. Nach dem Motto: Es kostet was, aber man wird nicht arm. Obendrein ist der Ort besonders: Das Stadthaus an der Mühlenstraße ist fast 400 Jahre alt. Von der Brasserie, die noch vor dem Hotel de Medici eröffnete, geht es durch die Bar ins Hotelfoyer, in dem unter anderem ein Bild des Papstes Leo X. an der Wand hängt, Medici-Blut floss durch seine Adern ebenso wie durch die der Anna Maria, Jan Wellems letzter Gattin.

Es gibt nun ein französisches Restaurant mehr in Düsseldorf, jetzt hat wohl das französischste unter ihnen eröffnet. Es ist ein großer Gewinn. Die Brasserie kombiniert Renaissance-Pracht mit dem französischen Großstadt-Ambiente des 19./20. Jahrhunderts, das alle Welt liebt. Die vom Gesamtinvestor Derag eingebaute hölzerne Kassettendecke ist in Düsseldorf einzigartig, würde jedem Florentiner Palazzo zur Ehre gereichen. So edel beschirmt, tafeln die Gäste in Pariser Flair, sitzen auf langen Bänken, in Nischen; rote Sitzmöbel sowie hohe Decken und Fenster schaffen einen feinen Rahmen.

Als die Brasserie kurz vor Weihnachten die Betriebserlaubnis erhielt, wurde ohne großes Tamtam die Tür aufgemacht und das "Soft-Opening" begann, also ein Start mit der Chance zu Verbesserungen. Die Truppe sollte sich einspielen, technische Details wie die richtige Beleuchtung mussten noch geregelt werden. Die Mund-zu-Mund-Propaganda sorgte aber für einen rasch wachsenden Fankreis. Folge: Wer einen Tisch möchte, sollte reservieren, selbst an Montagen kann es knapp werden.

Auf der Karte stehen viele Klassiker der französischen Küche - auch die politisch inkorrekten wie Entenstopfleber (16 Euro), Froschschenkel (18 Euro) und Hummer (28 Euro). Äußerst beliebt waren in den ersten Monaten die Austern, exzellente Frische und Geschmack zeichnen sie aus. Die Fines de Claires gab und gibt es noch für zwei Euro, die Gillardeau für drei Euro das Stück. In wenigen Tagen ist es mit diesem Vorzugspreis, der sich einem Druckfehler verdankte, vorbei, die Preise werden vermutlich auf 3 und 3,50 Euro klettern. Auf der Karte einer Brasserie darf der "Salat Nicoise" (10 Euro) nicht fehlen.

Auf den Tisch kam beim Test aber der lauwarme Passionsfrucht-Linsensalat mit geräucherter Wachtel mit Staudensellerie-Marmelade (14 Euro), der mit seinem Spiel der Kontraste (süß, herb, sauer) und der rauchigen Wachtel noch besser ankam als das ebenfalls sehr schmackhafte Hauptgericht, der Cassoulet (18 Euro), der traditionelle Bohneneintopf mit Entenconfit. Neben der perfekt austarierten Geschmackswelt überzeugte das handwerkliche Geschick, die Liebe zum Detail, die sich im wohlproportionierten Zurechtschneiden der Zutaten und der Präsentation der Gerichte spiegelt.

Auf der neuen Karte werden weiterhin Bestseller wie das "Coq au Vin" mit Rosmarin-Kartoffeln (16 Euro) stehen. Mit Blick auf die schöne Jahreszeit gibt es jedoch ein Fischgericht mehr. Sehr gut beraten wird man beim Wein vom versierten Restaurantleiter Thomas Bergk. Je 20 Rot- und Weißweine gibt es. Bei den Champagnern sind 35 Sorten im Angebot. Mit dem Streit um Handwerkerrechnungen beim Hotelbau haben die Brasserie-Inhaber übrigens nichts zu tun. 

Quelle: RP
 
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