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Düsseldorf
Patientin musste auf dem Flur schlafen

Düsseldorf. "Die uns anvertrauten Menschen sehen wir als Einheit und achten ihre Würde", so steht es im Leitbild des Dominikus-Krankenhauses in Heerdt. Aber wo bleiben diese Ansprüche mitunter bei den Anforderungen des Alltags? "Auf der Strecke", meint Patientin Marlis Kunkel (75), nachdem sie eine Nacht auf einem Krankenhausflur verbracht hat. Von Ute Rasch

Als sie sich beschwerte, bekam sie vom Pflegepersonal zu hören: "Das ist hier Normalität." Tatsächlich?

Das Dominikus-Krankenhaus wird noch immer umgebaut, alle Bettenstationen werden erneuert, mindestens bis Ende 2016. Das bedeutet: Baustelle bei vollem Klinikbetrieb - eine Herausforderung für alle Beteiligten. Trotzdem fühlte sich Marlis Kunkel gut aufgehoben, als sie am Ostersamstag mit akutem Herzflimmern in die Klinik eingeliefert wurde. Doch wenige Tage nach ihrer Entlassung kehrten die Beschwerden zurück, und so beschloss ihre Hausärztin, sie am Montagmittag wieder einzuweisen.

Was folgte, war vermutlich für das Herz der Patientin nicht gerade förderlich: "Ich musste an der Aufnahme drei Stunden warten, dadurch kam ich erst gegen 20 Uhr auf die Station." Aber dort waren alle Betten belegt. Marlis Kunkel bekam ein "Flurzimmer". Nicht als einzige. "Am Ende des Gangs stand schon ein Bett." Wohin mit ihren Sachen? Sie hatte keine Möglichkeit, ihre Handtasche mit Geld und Hausschlüssel einzuschließen, "die habe ich mit unter die Bettdecke genommen." Geschlafen habe sie in jener Nacht kaum, von jedem Geräusch schreckte sie hoch, die grüne Notbeleuchtung schien ihr direkt ins Gesicht.

Als sie am nächsten Morgen das Pflegepersonal fragte, wo sie denn zur Toilette gehen und sich wenigstens die Zähne putzen könne, bekam sie zur Antwort: "Gehen Sie in irgendein Zimmer." Sie verbrachte dann auch den Dienstag bis zum Abend noch auf dem Gang, von Krankenhaus-Besuchern interessiert betrachtet. Auf ihre wiederholte Beschwerde meinte eine Schwester: "Wir finden das auch schlimm, aber das ist in anderen Krankenhäusern nicht anders."

Unsere Redaktion hat nachgefragt: "Eine Nacht auf dem Flur, das geht gar nicht. Das kann ich für unser Haus ausschließen", erklärt Thorsten Rantzsch, Pflegedirektor des Uniklinikums. Auch von der Pflegedienstleistung des Marienhospitals wird eine Übernachtung auf dem Flur als "absolutes Tabu" bezeichnet. Das sei schon aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen nicht gestattet, zumal es ja auf dem Gang auch keine Notrufanlage gibt. "Aber das sind doch allgemeingültige Regeln", so Martin Schicht, Sprecher des Krankenhauses.

Warum das im Dominikus-Krankenhaus anders gehandhabt wird, erklärt Pflegedirektor Michael De Spirt: "Wir hatten in den letzten Tagen großen Zulauf, wenn dann viele Notaufnahmen kommen, kann es schon mal zu solchen bedauerlichen Engpässen kommen." Es sei eben wegen der Baustelle im Moment alles ziemlich schwierig. Also eine Ausnahme? Marlis Kunkel, die die zweite Nacht in einem Zimmer verbrachte, sah am nächsten Morgen gleich drei belegte Betten auf dem Flur. Ein Zustand, der sich auch gestern Morgen nach RP-Recherche auf mehreren Stationen wiederholte. "Das ist nicht gewünscht, lässt sich aber manchmal nicht vermeiden", so Michael De Spirt. Der Patientin bietet er ein Gespräch an, möchte weitere Details erfahren. "Ich finde es schon sehr unglücklich, wie das gelaufen ist."

Quelle: RP
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