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Düsseldorf
"Perspektive Heimat" setzt auf Solidarität

Düsseldorf. Menschen helfen, egal, ob sie in Düsseldorf oder in fernen Ländern leben: Das ist das Ziel einer Initiative, die getragen wird von der Flüchtlingsinitiative Stay, der Obdachlosen-Zeitung Fiftyfifty, "vison: teilen" und den Schmitz Stiftungen. Von Jörg Janssen

Klar, die Tonlage in der Flüchtlingsdebatte hat sich in der Republik verändert. Auch in Düsseldorf. "Inzwischen machen auch einige Obdachlose Bemerkungen darüber, dass Flüchtlinge ihnen etwas nehmen können. Die Sorge ist da. Die Frage steht im Raum: Bleibt am Ende für uns genug?", sagt Oliver Ongaro vom Vorstand der Flüchtlingsinitiative "Stay!". Meist gelingt es ihm, die Sorgen der Gestrandeten und Zu-Kurz-Gekommenen zu zerstreuen. Und dabei kann er ein starkes Argument ins Feld führen. Denn die von "Stay!" mitgetragene Initiative "Perspektive Heimat", die gestern Abend im Maxhaus ihren ersten Geburtstag feierte, verfolgt seit ihrer Gründung im Oktober 2015 einen doppelten Ansatz.

"Wir helfen Menschen in Notlagen in Düsseldorf und in den Herkunftsländern", sagt Bruder Peter Amendt vom Verein "vision:teilen". Der fördert beispielsweise mit Mikro-Krediten die Selbstständigkeit von Frauen in Kenia. "Damit die ihre Fische nicht mehr für einen Hungerlohn verkaufen müssen, finanzieren wir Kühltruhen. Das ermöglicht den Betroffenen, nicht gleich jedes Händler-Angebot annehmen zu müssen", erklärt er das Prinzip. Wichtig bei diesen Projekten: Das Geld muss zurückgezahlt werden. "Das hat etwas mit Würde zu tun", sagt Amendt.

Mehr als 40.000 Euro hat "Perspektive Heimat" inzwischen gesammelt. "Ein großer Erfolg", sagt Michael Dirkx von den in Düsseldorf ansässigen Schmitz-Stiftungen. Ein Teil davon fließt auch in lokale Projekte vor Ort wie das "Welcome Center" der Initiative "Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf" gleich hinter dem Hauptbahnhof. Eine, die dort häufiger Rat sucht, ist Faustine Muhurenga. Sie stammt aus dem Kongo, kam bereits 2010 an den Rhein. Vor allem, wenn es um ihr Aufenthaltsrecht ging, erhielt sie dort Hilfe. Inzwischen macht sie bei der Diakonie im Küchenbereich eine Ausbildung. "Ohne diese Hilfe ginge es mir heute schlechter", sagt die Afrikanerin. "Die Zahl der von uns Betreuten ist längst vierstellig", meint Andreas Vollmert, der im "Welcome Center" arbeitet.

Was die Hilfsbereitschaft der Düsseldorfer angeht, sind die Mitglieder von "Perspektive Heimat" zuversichtlich. Daran ändere die andere Debattenlage seit den Kölner Silvester-Ereignissen nichts. "Auf allen Ebenen finden wir nach wie vor hoch engagierte und motivierte Ehrenamtler", sagt Ongaro. Seinen Optimismus teilt er mit Oberbürgermeister Thomas Geisel. Der war gestern Abend ins Maxhaus gekommen. Nicht nur, um "Danke" zu sagen. Sondern auch, um ein klares Bekenntnis für die Solidarität mit den Schutzsuchenden abzulegen. "Wer eine Wohnung braucht, braucht eine und soll auch eine bekommen. Und wer einen Kita-Platz braucht ebenso. Ob dieser Mensch aus Syrien oder aus Gummersbach nach Düsseldorf gekommen ist, macht da keinen Unterschied."

Quelle: RP
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