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Düsseldorf
Pflegetochter missbraucht?

Düsseldorf. 56-Jähriger steht seit gestern vor Gericht, schweigt aber zu den Vorwürfen. Von Wulf Kannegiesser

Mit einer Serie schwerer sexueller Übergriffe soll ein Familienvater (56) das Leben einer Pflegetochter ab deren zehntem Lebensjahr zur Hölle gemacht haben. So lautet die Anklage gegen den Mann, die seit gestern das Landgericht zu prüfen hat. Dabei hat der Angeklagte zu Prozessbeginn zunächst jede Aussage verweigert, sowohl zu seiner Person als auch zu den Vorwürfen. Die Pflegetochter, die hier als Nebenklägerin auftritt, hat gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt.

In der Obhut der Pflegefamilie erlebte die nun 21-Jährige nach ihren Angaben zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr eine Vielzahl sexueller Übergriffe. Dabei soll der Angeklagte auch das Ehebett zum Tatort gemacht, die damals minderjährige Pflegetochter sogar zu Rollenspielen gezwungen haben. Und zwar immer dann, wenn seine Frau als Mitarbeiterin eines Supermarkts zum Spätdienst eingeteilt war.

Erst Jahre später hat die Pflegetochter eine detaillierte Liste von 30 Vorfällen zur Anzeige und den 56-Jährigen damit jetzt vor Gericht gebracht. Dessen Verteidiger regte gestern aber an, die Glaubwürdigkeit der nun 21-Jährigen nicht nur durch das Gutachten einer Psychologin zu bewerten, sondern noch eine andere Ermittlungsakte zu prüfen. Denn im Frühjahr 2008 hatte die Frau des Angeklagten für die noch minderjährige Nebenklägerin bereits Anzeige erstattet.

Damals gab das 13-jährige Mädchen an, es sei im Oktober 2007 in einem Waldstück von einem Fremden vergewaltigt worden. Ein Tatverdächtiger konnte nie ermittelt werden, das Verfahren wurde eingestellt. Ob die damaligen Akten jetzt geeignet sind, "eine Fähigkeit und Bereitschaft" der Pflegetochter "zu einer Falschaussage zu prüfen", wie der Verteidiger es nannte, ist ungewiss. Der Prozess gegen den Ex-Pflegevater der jungen Frau wird heute fortgesetzt.

Quelle: RP
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