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Elita Wiegand
"Plastiktüten-Verzicht kann Spaß machen"

Elita Wiegand: "Plastiktüten-Verzicht kann Spaß machen"
Elita Wiegand empfiehlt leichte Tragebeutel, die gefaltet in jede Tasche passen. Zur Tüte muss man dann nicht mehr greifen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Unternehmerin Elita Wiegand rief die Aktion "Plastiktüten verhüten" ins Leben - und freut sich über Unterstützung aus der Politik.

Als neulich der Umweltausschuss einstimmig beschloss, dass die Stadt die Aktion "Plastiktüten verhüten" unterstützen soll, da sprangen Sie in der Zuschauerreihe freudig auf und bedankten sich mehrfach. Warum?

Elita Wiegand Ich habe mich sehr gefreut, weil wir nie mit einem einstimmigen Beschluss aller Parteien im Umweltausschuss gerechnet hätten. Wir haben unsere Initiative im November 2015 gegründet und waren eben sehr positiv überrascht, dass unser Anliegen so schnell politisch aufgegriffen wurde.

Warum haben Sie es überhaupt zu Ihrer Sache gemacht, Düsseldorf zur plastiktütenfreien Stadt zu machen?

Wiegand Deutschland ist in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit in vielen Bereichen Vorbild. Doch beim Thema Plastiktüten hinken wir weit hinterher. Bereits im Jahre 2007 hat San Francisco ein Verbot durchgesetzt, es folgte Los Angeles. In Australien, Bhutan oder Bangladesch sind Plastiktüten verboten. Irland geht als europäisches Beispiel voran: Dort wurde der Preis erhöht, und der Verbrauch ging von 338 Plastiktüten pro Jahr auf 20 zurück. In Ruanda gibt es sogar eine Plastiktütenpolizei. Wenn man dort einreist, werden am Flughafen die Plastiktüten sofort konfisziert. Mich ärgert es, dass wir bei uns keinen Schritt weiterkommen. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Politiker aufwachen, habe ich mich deshalb dazu entschlossen, eine "kleine Revolution" von unten anzuzetteln, um etwas zu bewegen.

Sie hatten bereits 2012 eine Initiative ins Leben gerufen. Warum zündete die Idee damals noch nicht?

Wiegand Wir waren damals zu früh und die ersten Ideen versickerten. So haben wir in den Schadow Arkaden einen Flashmob veranstaltet, aber es beteiligten sich nur etwa 30 engagierte Bürger. Dann habe ich eine Facebook-Gruppe eröffnet, aber auch die brachte zu wenig Aufmerksamkeit.

Wie kam dann Fahrt in die Sache?

Wiegand Die Impulsgeberin war Renate Böhm von den Grünen, die auch als Abfallberaterin bei der Awista tätig ist. Sie lud uns zu einem Treffen des Umweltamtes ein, an dem verschiedenen Initiativen beteiligt waren. Der Austausch hat uns Mut gemacht. Noch am gleichen Abend haben Inge Heuschen und ich beschlossen, eine Initiative zu gründen. Doch statt eines Verbots, dem moralischen Zeigefinger oder Druck, ist es uns wichtig, das Positive hervorzuheben und die Aktion mit einer Prise Humor zu würzen. Da fiel der Begriff "Verhüterli - Plastiktüten verhüten" und viele haben geschmunzelt. Bei einem Straßenfest in der Schwerinstraße haben wir die "Verhüterli-Aktion" mit unserem Sticker erstmalig getestet - und die kam bei den Händlern gut an. Inzwischen haben wir 50 Geschäfte auf unserer Website vorgestellt, die auf Plastiktüten verzichten. Die Resonanz ist groß und jeder Einzelhändler wird auf unserer Facebook-Gruppe bis zu 4000 Mal angeklickt.

Wahrscheinlich braucht es den Schub aus der Politik: Die EU hat vor einem Jahr eine Verordnung erlassen, nach der bis 2025 jeder pro Jahr nur noch 40 Plastiktüten verbrauchen soll. Bislang sind es in Deutschland 71 pro Kopf. Eine klare Ansage.

Wiegand Aber die Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie haben immer mehr berichtet über die Auswirkung auf Fische und Vögel, auch mit schockierenden Bildern. So wurde das Thema nach und nach im Bewusstsein verankert.

Mit Ihrer Initiative haben Sie einen Etappensieg erzielt: Die Werbegemeinschaft von Eller verzichtet auf Plastiktüten. Wie geht es jetzt weiter?

Wiegand Wir planen weitere kreative Aktionen in den Stadtteilen und sind derzeit mit Bilk und Gerresheim im Gespräch. In Bilk möchten wir gerne Künstler einbeziehen, die ersten Gespräche sind in der nächsten Woche geplant. Außerdem suchen wir Botschafter, die unsere Sache unterstützen. Derzeit erarbeiten Industrie-Design-Studenten der Bergischen Uni Wuppertal ein Konzept mit weiteren Ideen für unsere Aktion. Eine Frage, die uns beschäftigt: Wie kann man messen, dass die Stadt plastiktütenfrei ist? Dafür fehlt uns eine statistische Grundlage, und danach suchen wir noch.

Nun hat Rewe verkündet, auf Plastiktüten zu verzichten.

Wiegand Das ist eine positive Nachricht, die uns begeistert. Wir hoffen, dass viele andere Ketten dem Beispiel folgen und Rewe auch noch nach einer Lösung sucht, die kleinen, dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse zu verbannen.

Was sagen Sie gegen den Einwand, Papier sei keine gute Alternative?

Wiegand Es stimmt, die Öko-Bilanz zur Herstellung der Papiertüten ist nicht viel besser. Deshalb ist es wichtig, dass jeder zum Einkauf seine eigene Tasche, Jute-Beutel oder den Rucksack benutzt.

Oft ist es ja so, dass man spontan etwas kauft und dann eine Tüte nimmt. Ganz ehrlich, passiert Ihnen das nicht?

Wiegand Ich habe aus dem Drogeriemarkt zwei ganz leichte Taschen, die sich in ein kleines Päckchen zusammenfalten und knöpfen lassen. Die habe ich immer in der Handtasche. Damit ist das Problem gelöst.

SONJA SCHMITZ FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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