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Düsseldorf
Pokémon ist nicht tot!

Pokémon-Jagd auf der Girardet-Brücke
Pokémon-Jagd auf der Girardet-Brücke FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Vergangenes Jahr belagerten die Jäger der Taschenmonster wochenlang die Girardet-Brücke auf der Düsseldorfer Kö. Nach den Sommerferien wurde es still um sie. Doch es gibt sie noch und derzeit sind wieder besonders viele von ihnen unterwegs. Von Laura Ihme

Es muss schnell gehen. Lugia ist zu stark. Es muss geschwächt werden, mit vereinten Kräften. Nur so können sie es besiegen, die Düsseldorfer Pokémon-Spieler, nur so erhalten sie genügend Spezialwerkzeuge, um es einzufangen. Das ist schließlich das höchste Ziel, dafür sind sie gekommen. Für Monster wie dieses spielen sie Pokémon Go seit einem Jahr, teilweise täglich.

Denn Lugia, das wie ein kleiner Drache aussieht, ist ein legendäres Pokémon. So heißt das wirklich. Es ist legendär, weil es nur ganz selten zu fangen ist, und zwar nur dann, wenn der Spielemacher entscheidet, es für eine kurze Zeit freizuschalten. Dann ziehen die Pokémon-Jäger in Scharen los, um diese Gelegenheit zu nutzen.

Derzeit entscheidet Spielemacher Niantic sich wöchentlich dazu, legendäre Monster freizuschalten: Pokémon Go feierte im Juli seinen ersten Geburtstag. Das zelebriert Niantic mit sogenannten Events, den Freischaltungen seltener Pokémon an Orten, an denen viel gespielt wird – so wie in Düsseldorf. "Seit es diese Monster verstärkt gibt, sind in unserer Facebook-Gruppe sicher so um die 400 neuen Mitglieder dazu gekommen", schätzt Mike Pernox.

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Er betreut nicht nur die Gruppe zu Pokémon Go in dem sozialen Netzwerk, sondern engagierte sich auch im vergangenen Jahr für die Spieler auf der Girardet-Brücke, kümmerte sich etwa um die Einrichtung von sanitären Anlagen dort. Hunderte Spieler belagerten damals über Wochen die Brücke – bis die Stadt einige der für die Spieler so wichtigen Pokéstops abschalten ließ.

Pernox ist über das Jahr dabei geblieben. Zweimal hat er Pokémon Go schon durchgespielt, das heißt, er hat das höchste Level 40 zweimal erreicht. Nun hat er sich zum dritten Mal einen Account angelegt. "Ich spiele jetzt mit ein bisschen weniger Ehrgeiz als 2016. Damals haben wir auf der Brücke ja täglich von morgens bis abends nichts anderes getan, als zu spielen. So haben wir den Sommer, die Ferien verbracht", sagt Pernox, der als Erzieher arbeitet.

Jetzt spielt er, wann immer sich die Gelegenheit bietet, zu Hause und unterwegs. "Ohne etwas zu tun, kann ich nicht vor die Tür gehen. Aber wenn ich dabei ein bisschen Pokémon spielen kann, bekommt mich sogar meine Freundin dazu, mit ihr spazieren zu gehen", sagt er.

Mike Pernox kümmerte sich um die Brücke. Er spielt noch immer. FOTO: Endermann Andreas

Die aktiven Spieler gebe es in Düsseldorf im Jahr nach dem großen Hype noch immer zahlreich. Sie organisieren sich über Facebook und den Kurznachrichtendienst WhatsApp. "Da gibt es einige Gruppen die mehrere hundert Mitglieder haben. Auf Stadtteilebene gibt es ebenfalls solche, etwas kleineren Gruppen." Wird ein legendäres Pokémon gesichtet – darüber erhalten die Spieler über ihre App einen Hinweis – verabreden sie sich via WhatsApp zur Jagd.

Denn: Im Gegensatz zu früher, als man in Arenen, wenn man Lust darauf hatte, kämpfen konnte, und sonst allein auf Jagd nach den Monstern ging, muss nun zusammengearbeitet werden. Spieleentwickler Niantic hat vor wenigen Wochen das System des Spiels umgestellt, die legendären Pokémon müssen nun bei einem "Raid" in einer Arena bekämpft und gefangen werden, und zwar im Team.

"Raids" können überall stattfinden, wo Arenen sind. So ist das Spiel also nicht mehr nur auf wenige Orte mit vielen Pokéstops wie die Girardet-Brücke beschränkt, sondern die Jagd lohnt sich überall. Natürlich aber gibt es in Düsseldorf noch immer Orte, die besonders attraktiv für die Spieler sind. "Im Moment kann man sehr gut in der Altstadt und auf Schloss Benrath Pokémon spielen", sagt Thorsten Bauer.

Diese Spieler trafen sich am Hermannplatz in Flingern zur gemeinsamen Jagd. FOTO: Uwe-Jens Ruhnau

Der 41-jährige Düsseldorfer ist ebenfalls seit vergangenem Jahr dabei, hat alle Pokémon gefangen, die es gibt. "In der Zeit zwischen November und März war es schwer, dabei zu bleiben. Damals sind viele ausgestiegen und im Winter macht es ja auch wenig Spaß, draußen in der Kälte Monster zu jagen", sagt er. Trotzdem blieb Bauer dabei, zusammen mit anderen Spielern, die irgendwann zu seinen Freunden wurden.

Das ist für Bauer und auch für Pernox einer der wichtigsten Gründe, warum sie weiter auf Monsterjagd gehen: Durch den Spaß am Spiel haben sie neue Bekanntschaften gemacht, Freundschaften geschlossen. Und so lange Niantic noch die legendären Monster nach Düsseldorf schickt, werden sie weitermachen. So wie viele andere. Pokémon ist tot, es lebe Pokémon!

Quelle: RP
 
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