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Düsseldorf
Pokémon verstecken sich an Schulen

Düsseldorf: Pokémon verstecken sich an Schulen
In Flingern vor der Montessori-Schule tummelt sich zum Beispiel Rattfratz. FOTO: Laura Ihme
Düsseldorf. Nächste Woche ist Schulanfang. Viele jugendliche Pokémon-Spieler könnten dann ihr Lager von der Kö ins Klassenzimmer verlegen. Denn vor vielen Düsseldorfer Schulen gibt es die für das Spiel so wichtigen Pokéstops. Von Laura Ihme und Uwe-Jens Ruhnau

Taubsi fühlt sich am Goethe-Gymnasium wohl. Und Rattfratz hat es sich vor der Montessori-Schule am Hermannplatz in Flingern gemütlich gemacht: Die kleinen animierten Monster des Smartphone-Spiels Pokémon-Go verstecken sich nicht nur an der Kö, am Rhein oder in Parks, sondern auch an vielen Schulen im Düsseldorfer Stadtgebiet. Wenn kommende Woche die Schule nach den Sommerferien wieder losgeht, könnten viele jugendliche Spieler somit ihr Spielelager etwa von der Kö ins Klassenzimmer verlegen. Die Rheinische Post hat deshalb den Test gemacht und sich zehn Schulen genauer angeschaut. Das Ergebnis: An sieben der zehn getesteten Schulen haben Spieler optimale Möglichkeiten, um im Klassenzimmer und auf dem Schulhof mit dem Smartphone die kleinen animierten Monsterchen zu jagen. An einer weiteren Schule ist das zumindest im Umfeld möglich und lediglich an zwei der getesteten Schulen gibt es weit und breit keine Pokémon zu entdecken.

Besonders gute Chancen auf viele Pokémon haben zum Beispiel die Schüler des Görres-Gymnasiums - kein Wunder, schließlich liegt die Schule an der Königsallee nur ein paar wenige Meter von Düsseldorfs Pokémon-Hotspot, der Girardet-Brücke, entfernt. Entsprechend hoch ist schon allein deshalb die Chance, dass sich viele kleine und seltene Monster in den kommenden Wochen an der Schule zeigen werden.

Das Goethe-Gymnasium ist als eigener Pokéstop registriert. FOTO: lai

Zusätzlich verfügt das Gymnasium aber auch über zwei eigene Pokéstops. Das sind Ortsmarken, die die kleinen Monster anlocken, und aus einem Vorgängerspiel von Pokémon-Go-Entwickler Niantic generiert worden sind: In genau diesem Vorgängerspiel ging es nämlich darum, Denkmäler und Kunstwerke in den Städten zu markieren. Und davon verfügt die Königsallee eben über besonders viele - vor allem rund um die Girardet-Brücke. Am Görres-Gymnasium sind es ein Denkmal und ein Kunstwerk, die jeweils einen Pokéstop bilden: Die Statue "Mutter mit Kind" und Abiturbodenplatten, die offenbar irgendwann einmal ein Abschlussjahrgang des Gymnasiums vor den Schultoren angebracht hat.

Ist das Schulgebäude historisch oder architektonisch bedeutsam, kann sogar die ganze Schule zum Pokéstop avancieren. Das ist beim Goethe-Gymnasium an der Lindemannstraße in Düsseltal der Fall: Dort ist die ganze Schule als Poké-stop bei Niantic eingetragen - und Schüler, die etwa auf dem Schulhof spielen, können darauf hoffen, dass ihre Schule viele Pokémon anlockt. Und das Luisen-Gymnasium ist zumindest teilweise selbst ein Pokéstop: Ein Fresko an der Hausfassade ist als Pokéstop registriert und lockt die Monster an.

Taubsi fühlt sich vor dem Goethe-Gymnasium wohl. FOTO: Laura Ihme

Überraschend stellt sich dagegen die Situation am St.-Ursula-Gymnasium dar: Während um die Schule in der Altstadt herum etwa an der Kunstakademie mehrere Pokéstops verzeichnet sind, ist in unmittelbarer Nähe zur Schule kein Stop registriert - das heißt Schüler können zwar auf dem Weg zum Unterricht spielen, im Klassenzimmer ist die Situation jedoch aussichtslos. Pokémon-Fans aus Gerresheim dürften sich ebenfalls perfekt auf die Schule konzentrieren können: Denn weder am Gymnasium Gerresheim noch am Marie-Curie-Gymnasium gibt es irgendwelche Pokéstops - und auch nicht in der weiteren Umgebung.

Viel los ist dagegen im Stadtteil Flingern: Sowohl rund um die Montessori-Schulen am Hermannplatz als auch vor der Anne-Frank-Realschule gibt es einige Pokéstops - und Spieler haben genügend Möglichkeiten, vom Klassenzimmer aus Taubsi und Co. in Gefangenschaft zu nehmen.

Wieder anders stellt sich die Situation im Linksrheinischen dar: Während es am Comenius-Gymnasium lediglich auch einen Pokéstop gibt, ist offenbar im Cecilien-Gymnasium in Niederkassel eine Arena untergebracht. Sie zieht nicht unbedingt Pokémon an - aber in ihr kämpfen die Spieler mit ihren jeweils stärksten Pokémon gegeneinander und wer die Kämpfe verliert, verliert eventuell auch eines seiner liebsten Monsterchen. Das könnte für Konfliktpotenzial sorgen.

Pokéstops und Arenen an Schulen sind aber aus noch einem anderen Grund problematisch: Nicht nur, dass sie von alleine viele Pokémon anlocken, je mehr Spieler an diesen Orten Spielen (und das könnte an Schulen schließlich der Fall sein), desto mehr Pokémon werden zusätzlich angelockt. Dazu müssen die Spieler so genannte Lockmodule an den Stops aktivieren. Die sind dann für eine bestimmte Zeit aktiv und locken mehr Monster an. Läuft das Lockmodul aus, relativiert sich dieser Effekt. Bloß: An richtigen Hotspots wie der Girardet-Brücke ist eigentlich immer ein Lockmodul aktiviert - weil immer dann, wenn eines ausläuft, einer der zahlreichen Spieler ein neues aktiviert. So könnten sich Schulen zu Hotspots entwickeln - so die Lehrer nicht Regelungen zum Umgang mit dem Spiel finden oder die Stops etwa auf Anfrage der Stadt gelöscht werden.

Die Stadt Düsseldorf zumindest will in dieser Sache zunächst nichts unternehmen. Das teilte sie gestern auf Anfrage mit: Solange von Poké-stops auf oder in der Nähe von Schulgeländen keine Gefährdungen ausgingen, sei kein Schreiben an den Spielehersteller Niantic zur Abschaltung der Stops geplant, hieß es. Im Falle der Girardet-Brücke ist die Stadt diesen Weg bereits gegangen - bislang erfolglos. Allerdings macht sie auch klar: Wer an der Schule nichts verloren hat, darf das Gelände nicht einfach betreten, um Pokémon zu fangen. Sollten sich Fremde unerlaubt auf dem Schulgelände aufhalten, könne die Schulleitung vom Hausrecht Gebrauch machen - und die Spieler gegebenenfalls vom Gelände verbannen. Ob aber auch Pokémon selbst aus dem Schulalltag zu verbannen ist, werden die nächsten Wochen zeigen.

Quelle: RP
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