| 11.41 Uhr

Düsseldorf
Politik will illegales Kunstwerk sichern

Düsseldorf: Politik will illegales Kunstwerk sichern
Diese schwarze Strichzeichnung auf einer Mauer am Alten Hafen ist nach Ansicht der Ampel-Koalition ein schützenswertes Kunstwerk. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. An einer Mauer im Alten Hafen gibt es ein Graffito, das angeblich vom legendären "Sprayer von Zürich" Harald Naegeli stammt. Die Ampel-Koalition will es konservieren lassen. Aber stammt es überhaupt von Naegeli? Von Arne Lieb

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP möchte ein Graffito am Alten Hafen unter Schutz stellen lassen. Die offenbar illegal angebrachte Strichzeichnung auf einer Mauer am Fuß der Treppe von der Rheinuferpromenade soll von Harald Naegeli stammen, der Ende der 1970er Jahre als "Sprayer von Zürich" berühmt geworden ist und unter anderem in Düsseldorf lebt. Die Politiker wollen es dauerhaft sichern lassen - und damit ein Zeichen setzen, dass Naegelis Arbeit willkommen ist. "Der Kulturausschuss begrüßt die Schaffung eines Kunstwerks im öffentlichen Raum durch Harald Naegeli", heißt es in dem Antrag, den die Ampel für den Ausschuss eingereicht hat. Das Papier wurde wegen des Flugzeugabsturzes bei der Sitzung in dieser Woche nicht besprochen und soll im nächsten Monat wieder auf der Tagesordnung stehen.

Spray one World in Mönchengladbach - Graffiti-Künstler gestalten Turnhalle FOTO: Ilgner Detlef

Die Ampel hatte sich in ihrer Kooperationsvereinbarung darauf verständigt, sogenannte Street Art stärker zu fördern. Graffiti sei "eine eigene anerkannte Kunstrichtung" und zähle "zur künstlerischen Gestaltung einer ganzen Subkultur", heißt es in dem Antrag. Die Zeichnung am Alten Hafen ist nach Ansicht der Politiker auch deshalb schützenswert, weil es bislang nur ein einziges gesichertes Werk von Naegeli in Düsseldorf gibt - das nur durch die Fenster der Buchhandlung Müller und Böhm im Heine-Haus zu sehen ist. Zu wenig, meinen die Politiker, schließlich sei der 75-jährige Naegeli ein international geachteter Künstler. Nun soll das Werk am alten Hafen geschützt werden. "Vielleicht kann man es mit einer Plexiglasscheibe sichern", sagt Clara Deilmann (Grüne).

Graffiti-Künstler Banksy zeigt Street-Art in New York FOTO: dpa, Andrew Gombert

Auf das Kulturdezernat würde damit eine ungewöhnliche Aufgabe zukommen. Denn juristisch gilt die Zeichnung am Alten Hafen als Sachbeschädigung, falls sich der Urheber nicht die Erlaubnis des Eigentümers eingeholt hat. Davon ist nichts bekannt. Unter den Kulturpolitikern gibt es sogar das Gerücht, Naegeli sei beim Sprühen dieser Zeichnung fotografiert worden und müsse deshalb rechtliche Konsequenzen fürchten. Auch deshalb wolle man ein Zeichen setzen, dass seine Arbeit willkommen ist, heißt es. Ob das so stimmt, ist unklar. Bei der Staatsanwaltschaft bestätigt man kein laufendes Verfahren.

Die CDU hält den Antrag der Ampel für einen "Schnellschuss". Ratsherr Alexander Fils sieht eine Reihe von offenen Fragen, die seiner Meinung nach hätten beantwortet werden müssen, bevor die Ampel ihn zur Entscheidung stellt. "Wir wissen noch nicht einmal, wem die Wand gehört", sagt Fils. Auch die Frage der Urheberschaft sei nicht zweifelsfrei geklärt: "Stammt die Zeichnung überhaupt von Naegeli?"

Diese Frage ist in der Tat interessant - und zeigt, dass mit der Förderung von Street Art neuartige Fragen auf die Stadt zukommen. Entlang der Rheinuferpromenade gibt es etliche weitere Zeichnungen, deren Stil an Naegeli erinnert. Stammen sie von ihm - oder von einem Nachahmer? Fils hat noch weitere Bedenken. Durch die Konservierung würde aus einem temporären Werk ein dauerhaftes. "Ist das überhaupt im Sinne des Künstlers?"

Mit der Konservierung würde Düsseldorf dem Beispiel von Zürich folgen. In der Schweiz war Naegeli früher mit hunderten Strafanzeigen verfolgt worden, 1984 musste er sogar eine neunmonatige Haftstrafe wegen Sachbeschädigung antreten - trotz Protest unter anderem von Joseph Beuys und Willy Brandt. 2004 ließ der Kanton Zürich eines der letzten erhaltenen Strichmännchen, den Wassergeist Undine an der Fassade des Deutschen Seminars, restaurieren und konservieren - und rehabilitierte damit symbolisch den Künstler.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Politik will illegales Kunstwerk sichern


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.