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Praktische Fahrradprüfung
Kann ich eigentlich richtig Rad fahren?

Praktische Fahrradprüfung: So läuft sie ab
Unterwegs mit Ricarda Gkatidis und Michael Knapke: Reporterin Lisa Kreuzmann testet, ob sie die Radprüfung noch einmal bestehen kann. FOTO: Andreas bretz
Düsseldorf. Unsere Reporterin hat den Test gemacht: Kann sie die Radprüfung noch einmal bestehen? Praxis: kompliziert, Theorie: fehlerhaft. Von Lisa Kreuzmann

Kreuzung Graf-Adolf-Straße - Berliner Allee, drei Spuren links, drei Spuren rechts, die Straßenbahn der Linie 701 rattert auf die Kreuzung zu. Im Stau bleibt ein Reisebus stehen. "Eindhoven - Düsseldorf vanaf 7 ™". Dahinter, ganz klein und auf einem Fahrrad, bin ich. "Du hättest mehr Abstand beim Überholen halten müssen", wird Polizistin Ricarda Gkatidis von der Verkehrswacht später sagen. Etwa einen Meter nämlich. Und ich: "Ich wollte einfach schnell weg da."

Sobald man körperlich in der Lage ist Fahrrad zu fahren, ist das eigentlich ganz einfach. Auf dem Land, in der Natur, auf einem Deich. Aber in der Stadt? Ich mache den Test. Gemeinsam mit zwei Beamten der Verkehrswacht radel ich einen Vormittag durch die Innenstadt, wo das Recht des Stärkeren gilt. Und als Radfahrer fühlt man sich mitunter ziemlich schwach.

2016 gab es laut Verkehrsbericht der Polizei 888 Unfälle mit Fahrrad- und Pedelecfahrern in der Landeshauptstadt. Davon wurden auch etwa 40 Prozent durch ein Fehlverhalten der Radfahrer verschuldet. Ganz so streng ist das Regelwerk für Radfahrer zwar nicht, aber es gibt Dinge, die man in der vierten Klasse mal gelernt hat - bei der Fahrradprüfung. Und ich frage mich: Habe ich das eigentlich noch drauf?

Also stelle ich mich der Herausforderung und lerne gleich zu Anfang: Es fängt schon beim richtigen Auf- und Absteigen an. Wer hätte es gedacht.

Das geht nämlich so: 1. vergewissern, ob die Fahrbahn frei ist - links, rechts, wieder links schauen, 2. das Fahrrad am Fahrbahnrand aufstellen, dann aufsteigen, 3. über die linke Schulter umsehen, ob auch wirklich kein Auto anrast und 4. mit der linken Hand ein Handzeichen geben. Vor dem Losfahren sollte die Hand dann wieder am Lenker sein.

In dieser Ausführlichkeit habe ich das natürlich nicht gemacht. Außerdem bin zur Straßenseite hin abgestiegen, nach links, das erschien mir flüssiger. Logischer und viel sicherere ist es natürlich, zum Straßenrand abzusteigen. Ein erster kleiner Abzug in der B-Note.

Wettmachen kann ich die Maluspunkte mit meiner Bereitwilligkeit, im Düsseldorfer Stadtverkehr auf mich aufmerksam zu machen. Polizist Michael Knapke lobt meine deutlichen Handzeichen beim Abbiegen. "Vorbildlich", sagt Knapke. Tatsächlich kann es ein nettes Abendessen weniger bedeuten, wenn man es nicht macht: Wer als Radfahrer abbiegt, ohne den Arm von sich zu strecken, muss laut Straßenverkehrsordnung mit einem Bußgeld zwischen zehn und 35 Euro rechnen.

Abbiegen ist ohnehin so eine Sache: Wer beim Linksabbiegen nicht den vorhandenen Fahrradweg befährt und dabei erwischt wird, zahlt laut Bußgeldkatalog 15 Euro. Und wenn es keinen Radweg gibt, sollte man sich als Radfahrer stets an der rechten Seite desjenigen Fahrzeugs halten, das in die gleiche Richtung abbiegen möchte wie man selbst. Kompliziert also, dieses Fahrradfahren.

Trotz Handzeichen handele ich mir so beim Linksabbiegen von der Bachstraße auf die Karolingerstraße einen weiteren Abzug ein: Ich habe mich nicht ausreichend umgesehen. Vor dem Abbiegen sollte sich ein Radfahrer ein zweites Mal per Schulterblick vergewissern, dass der Hintermann in der schnelleren Karosse nicht doch noch links am Rad vorbeizieht. Aber das hört man ja auch, so mein Gedanke. Ein weiterer Schönheitsfehler im Praxistest.

Nicht wegzudiskutieren hingegen die von mir falsch beantwortete Frage im Theorieteil. In zwanzig Fragen kann man 40 Punkte erreichen. Ich habe 35 geschafft. Das reicht am Ende für ein "mit gutem Erfolg teilgenommen." Die Aufgabe: In welcher Reihenfolge umfährt man eine Baustelle am Straßenrand. Gelernt: Beim Ausscheren schaue ich mich zunächst um, gebe dann ein Handzeichen. Beim Einscheren gebe ich zunächst ein Handzeichen und schaue mich dann um. Wirklich sehr theoretisch. Mit Fahrradszenen in französischen Independent-Filmen hat das nichts zu tun.

Zugestanden, am Stopp-Schild hätte ich zum Stehen kommen sollen. "Streng genommen müsste man mit einem Fuß vom Pedal steigen", sagt Knapke. Und streng genommen hätte ich auf der Graf-Adolf-Straße auch früher auf den Radweg abbiegen müssen. Zwar wurde eine generelle Radwegebenutzungspflicht schon 2010 vom Bundesverwaltungsgericht aufgehoben, in Düsseldorf gilt aber weiterhin: Bei einem blauen Hinweisschild gehören Räder auf den Radweg. Leichter hat man es da auf der Bismarckstraße: Die ist nämlich ausgewiesene Fahrradstraße.

Ich bestehe meine praktische Fahrradprüfung trotz einiger Makel am Ende dennoch. "Joa, ich würde mal sagen bestanden, ne?" , sagt Ricarda Gkatidis und drückt mir einen kleinen, bunten Fahrradpass in die Hand. Den rahme ich mir jetzt ein.

Quelle: RP
 
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