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Düsseldorf
Projekt gegen Bummelzug nach Holland

Düsseldorf: Projekt gegen Bummelzug nach Holland
Zur besseren Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik. FOTO: Weber
Düsseldorf. Bis jetzt gibt es keine Strecke für Schnellzüge zwischen Düsseldorf und Eindhoven, weil ein Teil der Strecke eingleisig ist. Dies wollen die Nachbarländer im Projekt "RoCK" ändern. Jetzt muss der Bund zustimmen. Von Christian Herrendorf

Niederländische Politiker finden überraschend undiplomatische Worte, wenn es um die Zugverbindung zwischen Düsseldorf und Eindhoven geht. "Das ist ein Bild von 1913, oder?", scherzte Rob van Gijsel, Bürgermeister von Eindhoven, als Düsseldorfs Verkehrsdezernent Stephan Keller ein Bild des Streckenabschnitts zwischen Dülken und Kaldenkirchen zeigte. Auf diesem knapp 150 Jahre alten Abschnitt ist die Strecke eingleisig. Van Gijsels Amtskollege aus Venlo, Antoin Scholten, wurde ähnlich deutlich: Der Stellenwert, den seine Stadt für deutsche Besucher genießt, "verträgt sich nicht mit dem vorsintflutlichen Bummelzug zwischen Kaldenkirchen und Dülken".

Der eingleisige Knackpunkt: So sieht die Strecke zwischen Dülken und Kaldenkirchen aus. FOTO: Stadt

Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, haben die beiden niederländischen Städte mit Düsseldorf und Mönchengladbach eine Vorplanung für eine Schnellzug-Verbindung in Auftrag gegeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Was ist geplant? Auf dem beschriebenen Abschnitt soll ein zweites Gleis gebaut und das vorhandene ertüchtigt werden, so dass darauf Züge der IC-Klasse fahren können. So soll eine große Lücke im deutsch-niederländischen Grenzverkehr geschlossen werden. Bisher gibt es von Düsseldorf aus eine Verbindung über Emmerich im Norden und eine über Aachen im Süden. Dazwischen ist derzeit lediglich im Stundentakt ein Regionalzug nach Venlo unterwegs. Dort müssen Fahrgäste umsteigen, um nach Eindhoven, Rotterdam oder Den Haag zu gelangen.

Was kostet das Projekt? Gleis- und Leitungsbau sowie der Lärmschutz summieren sich auf 105 Millionen Euro. Diesen Betrag würde der Bund bezahlen, wenn das Projekt in den neuen Verkehrswegeplan aufgenommen wird. Dafür haben die vier Partner ein sehr gutes Argument. Der Kosten-Nutzen-Faktor liegt bei 7,9. Der Mindestwert für eine Förderung beträgt 1,0. Geförderte oder geplante Projekte wie die Wehrhahn-Linie oder die U81 liegen nur knapp über diesem Wert. Verkehrsdezernent Stephan Keller spricht deshalb von einem "Traumwert". Denkbar ist auch, Teile der Finanzierung aus europäischen Töpfen zu bestreiten.

Wie lange dauert die Umsetzung? Über den Bundesverkehrswegeplan wird voraussichtlich bis Ende des Jahres entschieden. Wird die IC-Verbindung Düsseldorf-Eindhoven aufgenommen, könnte die Umsetzung 2017 beginnen. Die Bauzeit wird auf drei bis vier Jahre geschätzt, so dass Anfang der 2020er-Jahre Züge auf der Strecke unterwegs sein könnten.

Wie sieht die Verbindung anschließend aus? Details zu Haltepunkten und Takten werden erst diskutiert, wenn das Projekt genehmigt ist. Fest steht, dass auf der Strecke keine ICE, sondern maximal IC fahren können. Die Verbindung soll eine schnelle sein, das heißt, viel mehr als die vier Stationen Düsseldorf, Mönchengladbach, Venlo und Eindhoven scheinen nicht denkbar. Ob die Deutsche oder die Niederländische Bahn die Strecke betreiben und wie die neue an die bestehende Verbindung zwischen Venlo und Rotterdam anschließt, ist offen.

Warum heißt das Projekt "RoCK"? Der Name steht für Regions of Connected Knowledge - was sinngemäß so viel wie grenzüberschreitende Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen heißen soll.

Quelle: RP
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