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Düsseldorf
Projektentwickler beklagen lange Wartezeit bei Verwaltung

Düsseldorf. Vertreter renommierter Unternehmen sprechen von einem Jahr bis zur Baugenehmigung. Von Uwe-Jens Ruhnau

Die Entwickler der großen Wohnprojekte in Düsseldorf glauben nicht daran, dass sich mittel- bis langfristig pro Jahr die von der Stadtspitze gewünschten 3000 neuen Wohnungen schaffen lassen. Diese Aussage betrifft die Zeit nach dem Abschluss der schon lange geplanten und jetzt in der Umsetzung befindlichen Projekte. Dazu zählen das Quartier Central und das Grafental. "Wenn das Quartier Central mit dem letzten Bauabschnitt abgeschlossen ist, ist in größerem Stil in Düsseldorf erst einmal Ende für uns - es fehlen die Flächen", sagte Rainer Götzen, der mit seiner Firma Interboden auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in Pempelfort Pionier des Wohnbaubooms in Düsseldorf war, beim Immobilien-Forum der RP in Heerdt.

3000 neue Wohnungen und mehr pro Jahr hatten schon die alte schwarz-gelbe Ratskoalition und der inzwischen nach Mönchengladbach gewechselte Planungsdezernent Gregor Bonin für die Jahre 2017 bis 2019 geplant. Dafür sollen vor allem Großprojekte wie das Glasmacherviertel, das Living Circle an der Grafenberger Allee (neben BMW), das Living Central gegenüber vom Musicalhaus Capitol und ein Areal an den Böhlerwerken (Hansaallee) mit zusammen rund 4000 Wohnungen sorgen. Politik wie Verwaltung wollen möglichst schnell viele neue Wohnungen, verursachen selbst aber immer wieder Verzögerungen. Beim Glasmacherviertel etwa hat eine politisch gewollte Änderung der Erschließung einen inzwischen mehr als einjährigen Zwischenstopp nach sich gezogen; statt Ende 2017 werden nun erst Anfang 2019 die ersten Bewohner einziehen.

Generell stellen Vertreter renommierter Firmen wie Corpus Sireo, Ralf Schmitz, Catella, Interboden und Pandion zudem fest, dass sich an den wesentlichen Reibungspunkten in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung nichts geändert hat. Bis zur Baugenehmigung dauert es, so bereits ein B-Plan besteht, in der Regel ein Jahr; zu Telefonabsprachen mit dem Bauaufsichtsamt kommt es oft nicht, weil niemand abhebt, und Termine dort sind nur schwer zu bekommen. Die Entwickler versuchen ihre Verfahren zu beschleunigen, indem etwa Mitarbeiter dort täglich erscheinen und nachfragen, ob noch Unterlagen fehlen, es wird teils sogar der Aktentransport zwischen den Ämtern übernommen, um Zeit zu sparen.

Dennoch gibt es von den Entwicklern, die in vielen Städten aktiv sind, keine Generalkritik. Die Mitarbeiter des Amtes seien hochmotiviert, Besprechungen auch um 18.30 Uhr seien möglich - es gebe jedoch zu wenig Personal. Die Zusammenarbeit laufe, wie Einzelbeispiele zeigten, oft besser als in Köln und Frankfurt. Vermisst wird in der Immobilienwirtschaft vor allem "ein Macher wie Oberbürgermeister Joachim Erwin", der eine klare Linie vorgibt, sowie Eindeutigkeit und Zuverlässigkeit, vor allem bei der Umsetzung des Handlungskonzepts Wohnen. In einigen Fällen werde preisgedämpfter Wohnraum zu 8,50 Euro pro Quadratmeter angeboten (Living Circle), in anderen nicht (FlinCarré). "Da findet eine Marktverzerrung statt", kritisiert etwa Klaus Franken (Catella). Große Hoffnungen liegen nun darauf, dass es mit der Neubesetzung der Position des Bau- und Planungsdezernenten einen positiven Schub gibt.

Über das Immobilienforum der Rheinischen Post zum Thema "Wohnen in Düsseldorf" erscheint am 17. März eine Sonderveröffentlichung.

Quelle: RP
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