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Friedrich-Ebert-Straße
Protest gegen Dealerszene am Düsseldorfer Hauptbahnhof

Friedrich-Ebert-Straße: Protest gegen Dealerszene am Düsseldorfer Hauptbahnhof
Rund um die U-Bahnhaltestelle an der Friedrich-Ebert-Straße klagen Händler und Anwohner über Drogendealer und Übergriffe. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Friedrich-Ebert-Straße ist das Entree vom Düsseldorfer Hauptbahnhof zur Innenstadt. Doch Anwohner und Geschäftsleute sind besorgt wegen der immer schlimmer werdenden Drogenszene vor ihrer Tür. Die Polizei ist bei rund 4000 Drogenabhängigen in der Stadt teilweise machtlos.  Von Denisa Richters

Seit Jahren arbeitet die Stadt mit Hauseigentümern und Händlern an einem Konzept, das Viertel zwischen Hauptbahnhof und Königsallee aufzuwerten. Besondere Beleuchtung, Bänke, Radwege und Begrünung sind geplant. Doch Geschäftsleute an der zentral gelegenen Friedrich-Ebert-Straße können sich darüber nicht wirklich freuen. Ihnen macht zu schaffen, was sich Tag für Tag vor ihrer Tür abspielt: Es wird ganz offen mit Drogen gehandelt, auf der Straße und im U-Bahn-Verteiler, Blumenkübel sind Verstecke für Drogen. Wer zu lange hinschaut, wird bedroht. Vor allem Schwarzafrikaner treten nach Beobachtung der Anlieger seit einigen Jahren als Drogendealer auf, Nordafrikaner aus Maghreb-Ländern wie Marokko werden auch auf dieser Seite des Hauptbahnhofs als Problem empfunden.

"Hier herrschen täglich Kölner Verhältnisse", sagt Olaf Backens, Inhaber eines Blumenladens. Frauen aus der Nachbarschaft berichteten ihm von Übergriffen. "Die Junkies und die Dealer kommen noch hinzu." Bei den Drogensüchtigen habe das Ordnungsamt zwischenzeitlich gut durchgegriffen, auch die für den Bereich zuständigen Polizisten gäben ihr Bestes. "Aber man hat den Eindruck, dass die Ordnungskräfte nicht mehr Herr der Lage werden." "Mir ist bewusst, dass wir uns in Bahnhofsnähe befinden", sagt Gaby Kafaii, die seit mehr als 30 Jahren ein digitales Printstudio führt. Es befindet sich an der Ecke zur Charlottenstraße und somit direkt am Zugang zu besagtem U-Bahnhof. Mittlerweile werde aber nicht nur in der U-Bahnstation, sondern auch direkt vor ihrem Geschäft gedealt. Sogar Kunden werden angesprochen.

Mit Blümchen verschönern bringt nichts

"Es hilft nicht, einerseits die Einzugstraße zur Königsallee mit Blümchen zu verschönern und andererseits dem Drogenverkauf freien Lauf zu lassen." Sie wünscht sich mehr Unterstützung und hat deshalb erst Dirk Elbers als Oberbürgermeister angeschrieben, später Amtsnachfolger Thomas Geisel. Der sei im Wahlkampf bei ihr gewesen und habe zugesichert, mit verstärkten Mitteln Abhilfe zu leisten. Etliche Schreiben hat Kafaii geschickt, zuerst ohne Reaktion, auf Nachhaken antwortete ein Mitarbeiter des OB-Büros, dass die Polizei zuständig sei und sie sich mit einer Beschwerde an den Polizeipräsidenten oder das Innenministerium wenden könne. Sie ist empört: "Hier wohnen alte Leute, Kinder, das kann man doch nicht einfach so zulassen."

4000 Drogenabhängige in Düsseldorf

Bei der Polizei ist das Problem bekannt. "Es gibt aber in der Stadt 4000 Menschen, die sich mit Drogen versorgen müssen, das lässt sich nicht gänzlich abstellen", sagt Polizeisprecher Andreas Czogalla. "Wir sind verstärkt vor Ort, es ist aber schwierig, diese Szene dauerhaft zu vertreiben oder zu verdrängen." Das Ordnungsamt der Stadt wiederum kann nur eingreifen, wenn Alkohol oder Drogen auf der Straße konsumiert werden oder es zu Störungen kommt. "Dann greifen wir auch schnell zu", sagt Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann.

Effektiver sei es gewesen, als die Stadt noch Aufenthaltsverbote aussprechen konnte. Das habe aber das Land vor fast zehn Jahren geändert. "Wir haben auch einige Briefe an die Stadtspitze geschrieben", sagt Hubertus Pahlenberg von der Interessen- und Standortgemeinschaft Innenstadt Südost. Entscheidendes habe sich aber nie getan. Blumenhändler Backens hat gleichzeitig bis zu 50 Dealer gezählt. Selbst wenn mal welche verhaftet werden, "sehen wir Stunden später, wie sie wieder auf der Straße ihren Geschäften nachgehen". Erwischt würden sie nämlich meist mit nur ein wenig Marihuana bei sich. Die harten Drogen seien versteckt, so Backens. "Hier gibt's mehr Drogenverstecke als Ziegel auf Häusern."

Quelle: RP
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