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1800 Arbeitsplätze sind in Gefahr
Protest im Düsseldorfer Daimler-Werk

1800 Arbeitsplätze sind in Gefahr: Protest im Düsseldorfer Daimler-Werk
Daimler ist der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt. FOTO: dpa, fg lof
Düsseldorf. Die Mitarbeiter wollen die Arbeit niederlegen, um in Protestaktionen gegen die Verlagerung von Teilen der Produktion in die USA zu demonstrieren. 1800 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Heute tagt der Aufsichtsrat. Von Thorsten Breitkopf

Mehrere Hundert Beschäftigte des Düsseldorfer Mercedes-Werks werden heute ihre Arbeit niederlegen. Mit einer großen Kundgebung um Mitternacht an Tor 3 An der Piwipp wollten die Mitarbeiter gegen die Pläne protestieren, Teile der Produktion des Sprinters nach Nordamerika zu verlegen. Wie mehrere Personen aus dem Umfeld des Unternehmens berichteten, sollen neben dieser Kundgebung weitere Veranstaltungen für heute geplant sein.

So wollen die Daimler-Mitarbeiter der Frühschicht um 7 Uhr an Tor 1 des Daimler-Werks gegen den möglichen Jobabbau protestieren. Anschließend ziehen sie zum Hauptsitz der IG Metall Nordrhein-Westfalen an der Roßstraße. Einen ähnlichen Protestzug planen die Beschäftigten der Spätschicht für heute gegen 14 Uhr.

Vermutlich werden sich mehr als 800 Beschäftigte an der mitternächtlichen Demonstration beteiligen, weitere 1000 jeweils an den beiden anderen Aktionen. Ein offizieller Streik ist es nicht, der heute im Derendorfer Werk stattfindet, da Streiks nur im Arbeitskampf möglich sind.

Je nach Dauer der Kundgebungen ist aber davon auszugehen, dass die Produktion im Sprinterwerk heute den ganzen Tag zum Erliegen kommt. Heute berät der Aufsichtsrat der Daimler AG in Bremen über die Zukunft der Sprinterproduktion. Morgen sollen in Stuttgart weitere Strategie-Gespräche stattfinden. Hintergrund ist die Erwägung, die Sprinter für den nordamerikanischen Markt nicht mehr in Düsseldorf, sondern in Übersee zu fertigen.

Etwa 25 000 der Transporter gehen heute von Düsseldorf in die USA, das entspricht etwa einem Achtel der hiesigen Gesamtproduktion. Da die USA bei der Einfuhr von bestimmten Nutzfahrzeugen einen Strafzoll in Höhe von 25 Prozent erheben, behilft sich der Autobauer mit einem Trick. Die fertigen Sprinter werden im Düsseldorfer Hafen demontiert, die Teile auf verschiedene Schiffe verladen und exportiert. In den USA werden die Transporter dann wieder zusammengebaut. Dieses Verfahren hat aber den Haken, dass es relativ teuer ist. Daimler nennt keine Zahl, Experten gehen aber davon aus, dass es um rund 3000 Euro je Fahrzeug geht.

Daimler nennt als Gründe für eine Verlagerung auch die wichtige Nähe zum US-Markt, der ein überproportionales Wachstum im Segment leichter Nutzfahrzeuge verspreche. Zusätzlich belastet wird das Düsseldorfer Werk dadurch, dass Volkswagen einen Kooperationsvertrag mit Daimler auslaufen ließ. Bis 2016 entstehen noch die mit dem Sprinter baugleichen VW Crafter in Düsseldorf, danach wird VW diese Fahrzeuge selbst in einem neuen Werk in Polen bauen. 40 000 Crafter jährlich lasten derzeit das Düsseldorfer Mercedes-Werk zu 25 Prozent aus.

Zusammen mit den US-Sprintern verlöre die Fabrik also rund 38 Prozent der Aufträge. Die IG Metall fürchtet daher den Abbau von 1800 Arbeitsplätzen und den Wegfall der dritten Schicht. Ein Daimler-Manager hatte vor Mitarbeitern von rund 1000 Jobs gesprochen, aber betont, es sei noch nichts entschieden. Gewerkschaft und Betriebsrat wollen gegen den Stellenabbau kämpfen. Als Zeitpunkt für die Entscheidung wurde zunächst Ende Oktober genannt.

Gestern aber verdichteten sich die Nachrichten, dass bereits morgen bekannt wird, ob sich der Daimler-Vorstand für eine Produktionsverlagerung entschieden hat.

 
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