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Düsseldorf
Prozess gegen Ärztin abgebrochen

Düsseldorf. Ein Schöffe in dem Prozess um eine Stammzell-Therapie starb unerwartet.

Nach dem plötzlichen Tod eines Laien-Richters ist der Stammzellen-Prozess gegen eine Ärztin (59) gestern beim Landgericht abgebrochen worden. Im Alter von 67 Jahren war der Schöffe und Ex-SPD-Ratsherr Alfred Syska unerwartet gestorben. Er hatte seit Ende Oktober mit einer weiteren Schöffin und drei Berufsrichtern einer Strafkammer über den tragischen Tod eines zweijährigen Jungen verhandelt. Der Prozess gegen die Medizinerin, die bis 2010 bei einer inzwischen insolventen Privatklinik für Stammzell-Therapien tätig war, konnte nun nicht weitergeführt werden und soll in rund sechs Monaten erneut beginnen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Der Ärztin wird vorgeworfen, die Eltern des Jungen vor einer Stammzell-Therapie im Herbst 2010 nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt und sich deshalb fahrlässig einer Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht zu haben. Sie hat beteuert, sie habe die Eltern des schwerbehinderten Kindes damals "auf das tödliche Risiko von 0,5 Prozent hingewiesen". Allerdings hält die Staatsanwaltschaft die schriftlich vorgelegte Risiko-Belehrung für unzureichend, den Eingriff damit für eine rechtswidrige Körperverletzung, die hier sogar zum Tod geführt hatte. Durch das Einspritzen von körpereigenen, eigens aufbereiteten Stammzellen in den Kopf war es zu einer Schwellung des Gehirns gekommen. Das Gericht hatte nach einer Zwischenbewertung erklärt, die Medizinerin müsse sich auf eine Bewährungsstrafe von zwölf Monaten einstellen. Zu diesem Urteil kam es jetzt nicht mehr. In anderer Besetzung muss der Prozess im nächsten Frühjahr komplett wiederholt werden. Die Ärztin sehe dieser Neu-Verhandlung "betroffen und gefasst" entgegen, sagte ihr Anwalt.

(wuk)
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