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Kurfürst Jan Wellem aus Düsseldorf
Prunk's Not Dead

Düsseldorf. Vor 300 Jahren starb Kurfürst Jan Wellem. Die Düsseldorfer verbinden vor allem Pracht und Prunk mit ihm. Auf Spurensuche nach einem Mann, der die Kunst liebte, große Visionen hatte und doch das Ende einer Ära bedeutete. Von Ludwig Krause

Das würde den Düsseldorfern so passen: Ihrem Kurfürsten haben sie aus Dankbarkeit ein Denkmal gesetzt - und das noch zu dessen Lebzeiten. So zumindest erzählt es die Inschrift am Sockel des Jan-Wellem-Reiterdenkmals vor dem Rathaus der Landeshauptstadt. Diese Geschichte gehört allerdings wohl genauso ins Reich der Legenden, wie die Berichte vom bierseligen Landesherrn, der gerne mal mit seinen Untertanen die Nacht in den Wirtshäusern durchzechte. Beide zeigen aber das eine: Düsseldorf und Johann Wilhelm II., Kurfürst von der Pfalz, Herzog von Jülich-Berg, Pfalzgraf zu Neuburg, das ist eine ganz besondere Beziehung.

Am 8. Juni 1716, also genau heute vor 300 Jahren, starb der Kurfürst im Alter von 58 Jahren im Düsseldorfer Stadtschloss. Nicht jung, aber auch kein Methusalem für das 18. Jahrhundert. Jan Wellem, wie ihn die Düsseldorfer liebevoll nennen, fand seine letzte Ruhe in einem, anfangs vergoldeten, Zinnsarg im Mausoleum von St. Andreas. Dass Düsseldorf den Kurfürsten auch nach dessen Tod so schnell nicht vergessen würde, dafür sorgte er schon zu Lebzeiten. Und wie: Bis heute gilt er als Prunk liebender Barockfürst, unter dem Düsseldorf zu Glanz aufstieg.

"Johann Wilhelm hat auf die Memoria, die Erinnerung an ihn, großen Wert gelegt. Das ist aber nicht ungewöhnlich für einen Fürsten im 17. Jahrhundert", sagt Historiker Achim Landwehr (47), Leiter des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ungewöhnlich aber ist die enge Bindung zwischen Jan Wellem und der Stadt. Kaum einer der anderen Kurfürsten verweilte länger als nötig in Düsseldorf. "Sein Ruf als volksnaher Herrscher kann also schon daraus resultieren, dass er einfach fast immer da war", sagt Landwehr. Dass Jan Wellem hier residierte, lag auch daran, dass die Pfalz - Heidelberg wäre als Sitz des Herzogs viel logischer gewesen als Düsseldorf - vom französischen König Ludwig XIV systematisch niedergebrannt wurde.

Reiner Pragmatismus ist die Beziehung zu Düsseldorf dann aber auch nicht. "Seine Visionen für die Stadt waren auf Augenhöhe mit den ganz großen Monarchen in Europa", sagt Landwehr. Das gilt vor allem für seine Pläne zur massiven Erweiterung der Stadt. "Pracht-Entfaltung gehörte zur Herrschaft dazu. Die Pläne waren aber eigentlich überdimensioniert. Für die Stadt und das Herzogtum, vermutlich auch für die Kasse", sagt Landwehr. Realisiert wurden sie nie, wohl auch durch den Tod des Herzogs bedingt. Nicht einmal sein Mausoleum war da schon vollendet.

Die Geschichte von Johann Wilhelm beginnt, wo sie heute vor 300 Jahren endete: Geboren wird er am 19. April 1658 im Düsseldorfer Stadtschloss. Seine Eltern, Herzog Philipp Wilhelm und Herzogin Elisabeth Amalia haben 17 gemeinsame Kinder, von denen 13 das Erwachsenenalter erreichen. Jan Wellem verbringt seine Jugend dem späteren Erbe standesgemäß, zur Erziehung gehört auch die Kavaliersfahrt, eine Bildungsreise durch Europa. 1678 wird er, er im Alter von 20 Jahren, mit Prinzessin Maria Anna Josepha von Habsburg verheiratet. "Reiseberichte der Zeit fällen durchaus ein positives Urteil über ihn", sagt Landwehr. Aufzeichnungen sprechen von einem fröhlichen, umgänglichen und beliebten Fürsten mit Sinn für das Schöne.

In den elf gemeinsamen Jahren wird die Herzogin zweimal Mutter, die beiden Prinzen sterben aber noch im Kindbett. Am 14. April 1689 erliegt sie der Tuberkulose. "Auch wenn wir im ausgehenden 17. Jahrhundert nicht von Liebe nach heutigen Vorstellungen ausgehen können, lässt sich seinen Äußerungen nach dem Tode der Herzogin entnehmen, dass sie ihm alles andere als egal gewesen ist", sagt Landwehr.

Seine zweite Ehefrau trägt einen klangvollen Namen: Anna Maria Luisa de Medici, Tochter des Florentiner Großherzogs. Sie ist zehn Jahre jünger als er, beide hatten sich vor ihrer Trauung nicht kennengelernt. "Aus Briefen von ihr und von gemeinsamen Auftritten kann man aber schließen, dass ihre Beziehung durchaus harmonisch war", sagt Landwehr. Das war längst nicht bei allen Adelshäusern der Fall.

Das erste Düsseldorfer Opernhaus entsteht, die Straßenbeleuchtung übertrifft die des damaligen Paris. Jan Wellem baut in Düsseldorf eine der wichtigsten Kunstgalerien Europas auf. Werke von Raffael und Rembrandt, vor allem aber von Peter Paul Rubens sind zu sehen. Sich die Weltkunst in die eigenen vier Wände zu holen, ist mehr als Sammelleidenschaft, es ist ein hochpolitischer Akt. Künstler und Musiker aus ganz Europa halten Hof in Düsseldorf - mit denen trinkt er dann auch gerne.

Mit dem kinderlosen Tode Jan Wellems endet die Ära des glanzvollen Fürstensitzes Düsseldorf jäh. Sein Nachfolger und jüngerer Bruder Karl III. Philipp lässt noch das Mausoleum seines Bruders zu Ende bauen, zieht Mannheim dann als Sitz aber vor. Und auch Großteile der Kunstsammlung verschwinden aus Düsseldorf. Die Witwe nimmt einen Teil mit zurück nach Florenz, viele der anderen Werke kommen später nach München.

In Düsseldorf bleibt bis heute das nicht von den Bürgern der Stadt, sondern von Jan Wellem selbst bei Gabriel Grupello in Auftrag gegebene Reiterdenkmal am bekanntesten. Es ist Überbleibsel einer Ära, die heute vor 300 Jahren endete. Und doch erfüllt sich damit eine Legende: Hier, vor dem Rathausplatz, zecht Jan Wellem bis heute mit seinem Volk. Beim Weihnachtsmarkt - oder beim Public Viewing in den kommenden Wochen. Der Kurfürst mag tot sein, ein wenig Prunk aber hat bis heute überdauert.

Quelle: RP
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