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"Race am Rhein"
Frust und Lust am Radsporttag

3500 Teilnehmer radeln durch Düsseldorf
3500 Teilnehmer radeln durch Düsseldorf FOTO: dpa, a htf
Düsseldorf. Mehr als 200 abgeschleppte Autos, Staus vor den Absperrungen: Dem hochklassigen Sport und der guten Unterhaltung stand der Ärger der Bürger über die großen Eingriffe in den Verkehr gegenüber. Von Christian Herrendorf und Marc Ingel

Die Meinungen der Düsseldorfer über die Generalprobe für die Tour de France 2017 gehen weit auseinander. Diejenigen, die unter den nach städtischen Angaben rund 55.000 Zuschauern waren, sahen abwechslungsreiche Rennen und erlebten gute Unterhaltung am Rand. 

Die zwei Seiten des Wochenendes: Vorne wird ein Wagen abgeschleppt, der in der Halteverbotszone in Gerresheim an der Rennstrecke gestanden hatte, hinten trainieren zwei Radsportler. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Diejenigen, die zu den 3500 Sportler auf den Strecken zählten, berichteten von einem besonderen Erlebnis, so durch Düsseldorf spurten zu dürfen. Auf der anderen Seite aber waren alle jene, die zu spät über die Sperrungen informiert worden waren, deren Geschäfte oder Feste deutlich weniger Besucher als sonst erlebten oder deren Auto zu den 204 zählte, die am Wochenende für die Rennen abgeschleppt werden mussten. Zu den traurigsten Geschichten zählt die einer Gerresheimerin, die die Feier ihres 75. Geburtstag absagen musste, weil sie nicht wusste, wie ihre 50 Gäste zu ihr gelangen sollten.

Der Ärger über die Folgen des Radsporttages und die Informationspolitik der Organisatoren war in der vergangenen Woche immer weiter gewachsen. Zunächst hatten die Anwohner der Strecke die Halteverbotsschilder entdeckt und erfahren, dass mehrere hundert Autos weggefahren werden mussten. Das dazugehörige Informationsschreiben und Tipps der Veranstalter für Ausweichparkplätze folgten erst kurz vor dem Wochenende.

Schon am Samstag wurden dann die Folgen für den Verkehr spürbar. Auf der Berliner Allee rollten am Mittag die ersten Abschleppwagen an, in Gerresheim wurden die Falschparker ab dem späten Nachmittag abgeholt. Die Sperrung der Berliner Allee am Abend sorgte für Staus in der Innenstadt, mancher, der ins Kino oder zum Abendessen in die City wollte, kehrte entnervt wieder um. Am Sonntag entwickelten sich Staus auf der großen Ausweichroute rund um die Rennstrecken, zum Beispiel auf der Toulouser Allee. Veranstalter anderer Ereignisse (Nordstraßenfest, Antikmarkt) berichteten, dass viele Stammgäste wegblieben, weil sie nicht wussten, wie sie ihr Ziel erreichen sollten.

Folglich war auch an der Strecke vielfach Kritik zu hören. Steffi Müller hat sich am Vortag darauf eingestellt und den Wagen am Staufenplatz geparkt. "Ich will nachher noch mit dem Hund an den Rhein. Wahrscheinlich muss ich über Köln fahren", sagte sie. Gitta Kress fühlt sich von der Stadt schlecht informiert: "Im Internet wird immer nur die Gesamtstrecke als große Schleife gezeigt. Welche Straßen genau von den Sperrungen betroffen sind, das muss man sich dann selbst zusammenpuzzeln."

Monika Wenzel, die an der Schwerinstraße in Golzheim wohnt, ist sauer: "Das ist doch untragbar. Uns hier 100 Parkplätze wegzunehmen, ohne ein Ausweichquartier aufzuzeigen. Und wer dann notgedrungen auf den - doch eigentlich sehr breiten - Gehwegen parkt, ohne jemanden zu behindern, bekommt ein Knöllchen. Eine Frechheit", kritisierte sie.

Quelle: RP
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