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Radwege, Diebstahl, Verkehr
Radfahrer in Düsseldorf fühlen sich unsicher

Radwege, Diebstahl, Verkehr: Radfahrer in Düsseldorf fühlen sich unsicher
Radfahren in Düsseldorf sind unzufrieden. Kritik gibt es unter anderem an schlechten Radwegen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Jeder Zweite hat in Düsseldorf Angst, dass ihm das Fahrrad geklaut wird - das zeigt eine aktuelle Umfrage. 80 Prozent der Bürger sind mit den Bedingungen für Radler in der Landeshauptstadt unzufrieden.  Von Stefani Geilhausen und Denisa Richters

Jeder zweite Düsseldorfer hält die Radwege in Düsseldorf für unsicher und die Situation für Fahrradfahrer für eines der derzeit größten Probleme in der Landeshauptstadt - das ist eines der überraschenden Ergebnisse einer repräsentativen Bürgerbefragung des Amts für Statistik und Wahlen. Eigentlich sollte es in der Umfrage um das Thema Sicherheit gehen, auch im Straßenverkehr, vordringlich aber im Bereich Kriminalität. Allgemeine Fragen zur Zufriedenheit und eben den drängendsten Problemen in der Stadt waren eher als statistisches Kontrollinstrument in den Fragenkatalog eingebaut. Das Ergebnis muss der Politik zu denken geben: 80 Prozent der Bürger sind mit der Gesamtsituation für Radfahrer unzufrieden - kritischer wird nur der Wohnungsmarkt gesehen. Die öffentliche Sicherheit bemängeln mit 60 Prozent weit weniger Befragte.

Und auch im Bereich der Kriminalität stehen die Sorgen der Radfahrer ganz oben. Gefragt nach der persönlichen Risikoeinschätzung, rechnet mehr als die Hälfte der Bürger damit, innerhalb eines Jahres Opfer eines Fahrraddiebstahls zu werden, jeder fünfte hält das sogar für sehr wahrscheinlich. Das Risiko eines Wohnungseinbruchs halten nur neun Prozent für sehr hoch, auch andere Diebstähle oder Sachbeschädigungen fürchten deutlich weniger der Befragten. Dass die Düsseldorfer mit der Einschätzung richtig liegen, zeigt die Polizeistatistik, die für 2015 die höchste Zahl an Fahrraddiebstählen der vergangenen fünf Jahre ausweist: 4414 Räder wurden gestohlen. Eingebrochen wurde 2015 in 3108 Wohnungen, ebenfalls mehr als im Vorjahr.

FOTO: Weber

"Wir fühlen uns bestätigt in unserer Einschätzung, dass es in Düsseldorf nicht möglich ist, als Radfahrer intuitiv sicher durch die Stadt zu kommen", sagt Lerke Tyra vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Radwege seien oft eine Art Mehrzweckstreifen, auf denen Baustellenzubehör, Abfallkübel oder Kurzparker stehen. Oft ragten unbeschnittene Hecken hinein, Löcher im Boden würden nicht gefüllt, Fußgänger nutzten die Rad-Flächen, weil sie nur selten mit Piktogrammen gekennzeichnet und deshalb nicht als Radwege zu erkennen seien. "Ich würde mir wünschen, dass die Radwege ämterübergreifend in den Fokus rücken", sagt Tyra.

Auch die hohen Diebstahlzahlen überraschen sie nicht. "Wir brauchen viel mehr Radbügel in der Stadt, damit Fahrräder sicher angeschlossen werden können." Tyra schlägt vor, statt Pollern Fahrradständer aufzubauen, um Autos an der Durchfahrt zu hindern. Zudem müssten stadtweit Fahrradhäuschen aufgestellt werden, in denen Räder sicher abgestellt werden können. Notwendig seien auch Fahrrad-Boxen an Park & Ride-Plätzen.

Steffen Geibhardt, der Fahrradbeauftragte der Stadt, verweist darauf, dass jährlich 350 bis 400 neue Fahrradständer geschaffen werden, die Flächen aber auch begrenzt seien. "Deshalb gibt es jetzt die Richtlinie für Investoren, bei Neubauten ausreichend Abstellmöglichkeiten zu schaffen." Zudem geht die Stadt auch neue Wege, plant zum Beispiel ein vollautomatisches Fahrradparkhaus am Bilker S-Bahnhof und Fahrradhäuschen in den Stadtteilen. Sie sollen von der Fläche her jeweils einem Autoparkplatz entsprechen. Geibhardt räumt aber ein: "Es ist vieles besser als früher, aber es ist auch noch viel zu tun."

Lesen Sie auch den Kommentar "Theorie gut, Praxis schlecht". 

Quelle: RP
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