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Radnacht in Düsseldorf
Radfans hatten Straßen ganz für sich

Radnacht in Düsseldorf: Radfans hatten Straßen ganz für sich
Abfahrt auf die Toulouser Allee - was sonst fast nur Autos vorbehalten ist, gehörte bei der Radnacht alleine den Fahrradfahrern. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Quer durch die Stadt sind hunderte Teilnehmer der Düsseldorfer Radnacht gefahren - auf Straßen, auf denen sonst Autos das Bild beherrschen. Von Katharina Pavlustyk

Am Rheinbad in Stockum ist kurz vor dem Start die Vorfreude der Radler fast greifbar. Trotz der schweren Wolken, die über dem Europaplatz hängen. Sie sind wohl dafür verantwortlich, dass sich weniger Teilnehmer auf die 26 Kilometer lange Strecke begeben, als die Veranstalter gehofft hatten. Doch diejenigen, denen ein paar Regentropfen nichts ausmachen, freuen sich auf die abendliche Tour. Und es geht los. Die Radler folgen zwei Musikwagen. "Wann werden die Kamelle geworfen?", fragt einer scherzhaft seinen Nebenmann. Die Stimmung ist gelöst. Auch bei der Helmkontrolle. "Gesichtskontrolle", witzelt jemand aus dem Tross.

Vorbei am Messegelände geht es immer geradeaus. Hintereinander weg. Nebeneinander her. Und dann, auf der Cecilienallee, ist das Fahrgefühl plötzlich anders als noch wenige hundert Meter zuvor auf der Rotterdamer Straße: Hier, wo sonst Autofahrer die vorherrschende Spezies darstellen, haben an diesem Abend die Radler freie Fahrt.

Die Polizei sperrt Straßen ab, Ordner vom HopperCycling-Team weisen den Weg. Es geht links in die Klever Straße, immer der Musik nach. Die Radler, die vorne fahren, geben ein ganz schönes Tempo vor. Es geht zügig voran, vorbei an historischen Fassaden, Bäumen und staunenden Passanten, die ihre Smartphones zücken, um die Fahrradfahrer zu filmen. Und dann bietet sich diesen ein Bild, das es verdient, festgehalten zu werden: die Kirche Heilige Dreifaltigkeit an der Jülicher Straße, umsäumt von Grün, mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der steinernen Krone. Einmalig. Viele solcher Momente bieten sich auf der Strecke - so auch auf der Toulouser Allee. Sie ist für viele Autofahrer ein alltäglicher Anblick. Für die Radler, die hier selten zu sehen sind, ist sie etwas Besonderes. Rechts Steinkorbwände, links Grün. Ein Zug rast an der Station Düsseldorf Zoo vorbei - und die Fahrradfahrer rauschen die Toulouser Allee herunter, spüren den Wind in ihren Gesichtern, lächeln.

Worringer Straße, Gerresheimer Straße. Die Stadt gehört heute Abend den Radlern. Es geht vorbei am Düsselstrand; ein Ordner mit gelber Warnweste tanzt zu der Musik, die aus einem Lautsprecher an seinem Fahrrad kommt. Er grinst breit. Viele der entgegenkommenden Teilnehmer der Radnacht tun es ihm gleich. Sportliche Anstrengung gepaart mit Spaß - das verbindet. Die erste Hälfte der Strecke ist fast geschafft. Nach einem Schlenker über das Gelände von Stadtwerken und Awista machen die Teilnehmer Pause im Stadtwerke-Park, stärken sich mit Nüssen oder Bananen. Auch wenn das Gefühl aufkommt, dass angesichts der kühlen Temperaturen statt der Erfrischungsgetränke Tee passender wäre, wirken alle zufrieden.

Dunkel ist es geworden. Und nach der Pause geht es gemächlicher weiter. Oberbilker Allee, Corneliusstraße. Dicht hintereinander fahren die Radler die Herzogstraße entlang, keine Autos auf "ihrer" Spur, kein Stress. Nur fahren und erleben. Und ein bleibendes Erlebnis bietet sich, als die Teilnehmer die Rheinknie-Brücke hochfahren. Unten das Rot der Fahrradrückleuchten, oben links der blau und grün leuchtende Rheinturm. Dann über den Kaiser-Wilhelm-Ring und auf die Oberkasseler Brücke. Da sind sie wieder: die Lichter der Stadt. So viele Male gesehen, so viele Male über diese Brücke geradelt - und doch ist es etwas anderes. Die Zeit vergeht wie im Flug, schon sind die Radler vorbei am Ratinger Tor, biegen in die Kaiserstraße ab. Es geht über die Cecilienallee zurück zum Europaplatz.

Quelle: RP
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