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Düsseldorf
Rathaus international: "We speak english"

Düsseldorf: Rathaus international: "We speak english"
FOTO: Ferl
Düsseldorf. Alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen bis 2020 Englisch beherrschen. Noch in diesem Jahr werden Bereiche mit starkem Bürgerkontakt geschult - vom Straßenverkehrsamt bis zum Ordnungsdienst. Von Denisa Richters

Mit dem neuen Oberbürgermeister ist 2014 auch "american style" ins Rathaus eingezogen: Thomas Geisel (SPD) hat eine Zeit lang in den USA studiert und sich später beruflich auf internationalem Parkett bewegt. Gerne streut er im Rathaus-Alltag, ob Verwaltung oder Politik, entsprechende Fachbegriffe ein: So sollen die geplanten Einsparungen im Personalbereich "bottom-up, nicht top-down" erarbeitet werden, was so viel heißt, dass er nichts vorgibt, sondern Vorschläge von der Mitarbeiterbasis erwartet. Eine Absichtserklärung heißt bei ihm selbstverständlich "letter of intent".

Es war FDP-Frontfrau Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die benatragte, Englisch nach Deutsch zur zweiten Amtssprache zu machen. Titel: "Herzlich willkommen in Düsseldorf - A warm welcome to Düsseldorf". Damit solle die NRW-Landeshauptstadt ihrem internationalen Anspruch gerecht werden. Offizielle Amtssprache mit zweisprachigen Formularen und Vorlagen wird Englisch nicht, wie Oberbürgermeister Thomas Geisel betont.

Aber nach und nach werden alle Rathaus-Mitarbeiter - immerhin fast 10.000 - jetzt in Englisch geschult. Der Beigeordnete Andreas Meyer-Falcke und sein Team im Personalamt stellten ihr Konzept dafür kürzlich im Fachausschuss der Politik vor. In manchen Behörden gehört Englisch zu den Einstellungsvoraussetzungen: etwa bei der Wirtschaftsförderung, dem Protokoll oder im Büro der Flüchtlingsbeauftragten. Ebenso bei der Infoline mit der zentralen Nummer 115 - die Beschäftigten dort haben außerdem eine Datenbank mit den wichtigsten Begriffen aufgebaut: "registration certificate" für Meldebescheinigung, "taxcard" für Lohnsteuerkarte, "reminder" für Mahnung, "residence permit" für Aufenthaltsgenehmigung oder - ganz wichtig in Deutschland - "you need to sign a form" (Sie müssen ein Formular unterschreiben).

Wer noch nicht Englischkenntnisse als Pflicht hat, wird geschult, dabei wird die Belegschaft in drei Stufen eingeteilt: Zunächst, und zwar noch in diesem Jahr, sind Bereiche mit häufigem Bürgerkontakt dran. Dazu gehören der Ordnungsdienst OSD, Bußgeldstelle, Gesundheitsamt, Kfz-Zulassungsstelle, Stadtbüchereien, Amt für Wohnungswesen, aber auch Mitarbeiter in Kitas. Mittelfristig folgen in den nächsten zwei Jahren Bereiche wie Liegenschaften, Vermessungsamt, Verkehrsmanagement, Garten- und Friedhofsamt. Danach alle anderen Behörden. Bis 2020 soll der Prozess abgeschlossen sein.

Derzeit läuft die Analyse der vorhandenen Sprachkenntnisse. Dabei wird jeder Mitarbeiter nach festen Kriterien in ein Level eingestuft, der jeweilige Förderbedarf wird ermittelt, es folgen entsprechende Qualifizierung und am Ende eine Zertifizierung der erworbenen Sprachfähigkeit. Noch im Frühjahr soll eine erste Auswertung vorliegen. Das Ziel sei, dass jeder Mitarbeiter zumindest einfache Fragen - etwa nach dem Weg - beantworten kann. In Publikumsbereichen wird der Wortschatz dem Fachbereich entsprechend komplexer sein, bei speziellen Aufgaben wie Flüchtlingsarbeit sollen weitere Sprachen hinzukommen.

Bereits heute gibt es, vor allem bei der Wirtschaftsförderung englischsprachige Formulare, auch das soll auf möglichst alle anderen Behörden mit Publikumsverkehr ausgeweitet werden.

Quelle: RP
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