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Kolumne Auf Ein Wort
Raum für Wunder schaffen

Düsseldorf. Der Advent als die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Gottes in unserer heutigen Wirklichkeit ist immer wieder viel zu kurz. Und immer wieder rege ich mich über die Hektik auf und über alle, die gar nicht mehr den eigentlichen Sinn dieses Festes begreifen - muss ich mir doch so mein eigenes Unvermögen, dieses Wunder zuzulassen nicht eingestehen. Doch all das Beklagen der Situation, all die Vorwürfe an die Konsumorientierten haben uns in den letzten Jahren als Kirche mit unserem Ansinnen nicht weiter gebracht.

Es entsteht der Eindruck, dass viele Menschen sich nicht angesprochen fühlen, weil unsere Botschaft nichts mit ihrem Leben zu tun haben scheint. Vielleicht sind wir ja auch zu sehr in unserer Sprache und unserer Denklogik gefesselt, so dass wir das Eigentliche auch nicht mehr richtig im Blick haben oder zumindest den Blick von anderen darauf zu lenken nicht in der Lage sind?

Jesus fragt irgendwann einen blinden Bettler: "Was willst Du, dass ich Dir für Dich tun soll?" Er bezieht sich ergebnisoffen auf das Gegenüber und fragt nach den Bedürfnissen. Er prangert nicht an, er kommt nicht mit vorgefertigter Analyse, er teilt nicht direkt seine Botschaft mit, sondern lässt sich zu allererst auf den Menschen ein, dem er begegnet. Er nimmt ihn ernst, sein Denken und sein Fühlen, seine Wirklichkeit, seine Hoffnung. Und im Miteinander geschieht etwas Wunderbares.

Vielleicht sollten auch wir mehr fragen, statt Antworten zu geben auf nichtgestellte Fragen. Uns interessieren für Ansichten und Meinungen, für Bedürfnisse und Sehnsüchte, für Ideen und Fähigkeiten. Vielleicht weitet sich mein Blick auf die Wirklichkeit und kann mein Gegenüber mir Horizonte öffnen. Vielleicht sollten wir mehr zulassen statt vorauszusehen. Wir sind gewohnt zu planen, immer den nächsten Schritt zu antizipieren, auf ein uns bekanntes Ziel hin. Ein Plan, der wenig Raum für Unvorhergesehenes lässt. Wenn ich wirklich glaube, dass immer wieder neu Göttliches in heutiger Welt wirksam werden kann, brauche ich Gelegenheiten, in die hinein Wundervolles passieren kann. Eine Phase des nicht Geplanten, der offenen Begegnung, des Zufalls, der Dinge hervorbringt, die ich noch nicht kannte: das ganz Andere, das Göttliches bricht sich Bahn.

AUTOR RALPH BAUMGARTEN IST GESCHÄFTSFÜHRER DER KATHOLISCHEN JUGENDAGENTUR DÜSSELDORF.

Quelle: RP
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