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Regionalexpress RE1
Zugpassagiere retten Frau vor Vergewaltigung

RE1: Zugpassagiere retten Frau vor Vergewaltigung
FOTO: Uwe miserius (archiv)
Düsseldorf. Eine Mittzwanzigerin wollte im Regionalexpress auf die Toilette gehen, als ein 35-jähriger sie überfiel. Sie schrie, andere Fahrgäste eilten herbei und griffen ein. Der Täter schlug bei der Festnahme am Samstagabend in Düsseldorf um sich. Von Uwe-Jens Ruhnau und Christian Schwerdtfeger

Ein spektakulärer Fall beschäftigt Polizei und Justiz in der Landeshauptstadt. Eine junge Frau - ihr Alter wird von der Polizei mit Mitte 20 angegeben - ist am Samstagabend gegen 21 Uhr beinahe im Zug vergewaltigt worden. Fahrgäste retteten die Frau, der Täter konnte von der Polizei überwältigt und festgenommen werden. Er wurde am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt und sitzt wegen versuchter Vergewaltigung bereits in Untersuchungshaft. Der 35-Jährige ist wegen Eigentumsdelikten vorbestraft und war erst im November aus der Haft entlassen worden. Die Polizei spricht von einem Südosteuropäer, nach Informationen unserer Redaktion stammt er aus Serbien.

Die Tat geschah im RE 1 zwischen Düsseldorf-Hauptbahnhof und Benrath. Die Frau hatte die Toilette gerade betreten, als der 35-jährige mutmaßliche Täter hinzukam, sie bedrängte und sexuell angriff. Die Frau schrie laut um Hilfe, was im Zug von anderen Fahrgästen gehört wurde. Mehrere Personen eilten herbei. Ein 24-Jähriger aus Solingen, der den Südosteuropäer als Erster von seinem Tun abhalten wollte, wurde niedergeschlagen.

Zugriff in Benrath

Andere Fahrgäste alarmierten die Polizei, der 35-Jährige versuchte zu flüchten. Polizisten konnten den Mann im Bahnhof Benrath festnehmen. Er schlug um sich und trat nach den Beamten. Als er die Arme schließlich auf dem Rücken gefesselt hatte, schlug er mit dem Kopf die Heckschutzscheibe eines Streifenwagens ein. Der 35-Jährige wurde im Düsseldorfer Polizeipräsidium in eine Zelle gesperrt, ein Arzt entnahm eine Blutprobe. Deren Ergebnis lag am Sonntag noch nicht vor.

Der mutmaßliche Täter war erst im November aus zweimonatiger Haft entlassen worden. Er hatte die Gefängnisstrafen wegen mehrfachen Diebstahls absitzen müssen. Bei seiner Durchsuchung fanden die Beamten weitere Dinge wie Parfüm und Kosmetika, die vermutlich ebenfalls aus Diebstählen stammen. Nach eigenen Angaben lebt er erst seit dem vorigen Jahr in Deutschland, aktuell in einer Unterkunft in Selm. Die Polizei überprüft diese Angaben noch.

Die Frau und der Solinger wurden in ein Krankenhaus gebracht, konnten dies aber nach ambulanter Behandlung verlassen. Das Opfer steht unter Schock. Weitere Details der Tat werden die Zeugenvernehmungen ergeben, die ab Montag im Polizeipräsidium stattfinden. Drei Paare können weitere Angaben zu der Tat machen. Die Bahn arbeitet bei der Aufklärung eng mit der Polizei zusammen. "Wir sind sehr betroffen über diesen Vorfall und verurteilen Übergriffe auf unsere Fahrgäste in jeglicher Form", sagte ein Bahnsprecherin.

Die versuchte Vergewaltigung auf der Zugtoilette ist für die Düsseldorfer Polizei und der Bahn in Berlin ohne Beispiel. "Ich habe von so etwas in meinen fünf Jahren hier noch nicht gehört", sagte eine Sprecherin in der Berliner Bahnzentrale. Die Bundespolizei, die zuständig für die Sicherheit auf Bahnhöfen ist, erinnert sich jedoch an einen weiteren Fall, der erst wenige Tage alt ist. Ein Zugbegleiter eines ICE steht in Verdacht, eine 17 Jahre alte Schwarzfahrerin auf der Zugtoilette zwischen Dortmund und Wuppertal in der vergangenen Woche missbraucht zu haben. Der 31-Jährige soll an der Minderjährigen sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Das Mädchen war anschließend in Wuppertal aus dem Zug gestiegen. Sie hatte ihrem Freund den Vorfall geschildert und dann die Polizei eingeschaltet. Der Zug konnte daraufhin gestoppt und der Mann vorläufig festgenommen werden. Die Ermittlungen dauern an.

Wie oft es in Zügen und auf Bahnhöfen zu sexuellen Übergriffen auf Frauen kommt, konnte die Bundespolizei am Sonntag nicht sagen. Ein Ermittler sagte unserer Redaktion aber, dass Frauen im Gedränge beim Ein- und Ausstieg häufig unsittlich angefasst werden. An den Wochenenden würden zudem Mädchen in den Zügen und an den Bahnsteigen abends oft von alkoholisierten jungen Männern belästigt. "Sie werden oft als Huren und Nutten beschimpft und beleidigt, wenn sie auf die Flirtversuche der Männer nicht eingehen", so der Polizist. "Manchmal werden sie dann auch heftig geschubst." Seine Kollegen müssten besonders in Großstädten regelmäßig zu solchen Einsätzen ausrücken. "Und wie in der Silvesternacht in Köln sind es sehr oft junge Männer aus Nordafrika, die Mädchen auf diese Weise attackieren", so der Ermittler.

Quelle: RP
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