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Düsseldorf
Reittherapie für Förderschüler gefährdet

Düsseldorf: Reittherapie für Förderschüler gefährdet
Vereinsvorsitzender Jörg Geelen (v.l.) mit Paul (auf Ronja sitzend), den Leiterinnen des Reitprojekts, Simone Pengel und Vera Klüwer sowie Förderschülerin Paulina auf dem Gutshof Niederheid FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Für fast 200 Schüler von 18 Förderschulen ist das therapeutische Reiten auf dem Gutshof Niederheid einer der Höhepunkte in ihrem Schulalltag. Doch der für das Projekt verantwortliche Verein "Brücke 2000" hat jetzt Finanzierungsprobleme. Von Semiha Ünlü

Wenn Düsseldorfer Förderschüler auf den Gutshof Niederheid in Holthausen kommen, sind sie nach kurzer Zeit wie ausgewechselt. "Beim Pflegen, Füttern und Reiten der Pferde erleben die Jugendlichen sich, aber auch ihre Mitschüler neu", sagt Pädagogin Simone Pengel, die das Projekt "Therapeutisches Reiten" auf dem Hof leitet. Bei der Arbeit im Team und mit den Tieren würden die Jugendlichen wichtige Erfahrungen machen - zum Beispiel lernen, "dass sie nicht schwach sind und etwas Wertvolles schaffen können", sagt Pengel. Schüler, die im Unterricht aggressiv, laut und schwierig seien, würden plötzlich hilfsbereit, freundlich und ruhig sein. Kinder mit Lern- oder Sprachproblemen, mit geistiger oder körperlicher Behinderung würden (Selbst-)Vertrauen aufbauen, offener mit Anderen umgehen und sich auch Dinge zutrauen, die sie nicht für möglich gehalten hätten.

Doch 14 Jahre nachdem der Verein "Brücke 2000", der sich für die sonderpädagogische Förderung in der Stadt einsetzt, die Reittherapie für Förderschüler ins Leben gerufen hat, ist die Arbeit auf dem Gutshof gefährdet. Sollten sich keine Spender finden, müsse das Angebot auf 60 Schüler begrenzt werden, sagt Jörg Geelen, Erster Vorsitzender des Vereins und zugleich Sonderschulkonrektor an der Alfred-Herrhausen-Schule. Zurzeit nehmen fast 200 Schüler von 18 Förderschulen an dem Projekt mit den "Therapiepferden" teil: Das sind speziell ausgebildete Tiere, die auch in stressigen Situationen die Ruhe bewahren und geduldig sind, so dass auch Kinder mit sozialen Verhaltensauffälligkeiten oder körperlichen Behinderungen behutsam an das Pferd herangeführt werden können. Sie verfügen auch über langjährige Erfahrung und Ausbildung an der Loge. Durch ihre artgerechte Haltung, den täglichen Auslauf und viel Pflege seien die Pferde ausgeglichen und entspannt und - so sagt es Pengel - "einfühlsame Therapeuten für die Schüler".

Durch die Arbeit mit den Pferden soll die geistige, soziale und körperliche Entwicklung der Kinder gefördert werden. Auch der Erlebnishof auf dem Gutshof mit Meerschweinchen, Kaninchen, Hühnern, Hunden, Katzen und Ziegen wird eingebunden. "Die Begegnung mit den Tieren weckt bei den Kindern Emotionen und stärkt das Selbstvertrauen", sagt Geelen. Kinder, die zu Hause Medikamente gegen ADHS nehmen, würden auf dem Gutshof auch ohne Medikation ruhig und ausgeglichen sein. Schüler, die eigentlich verschlossen sind, würden sich durch die Arbeit mit den Tieren öffnen, schwer erziehbare Jugendliche Regeln annehmen und sich sogar über einen strukturierten Tagesablauf und die verantwortungsvollen Aufgaben auf dem Gutshof freuen, sagt Pengel.

"Doch um das Projekt auch weiterhin finanzieren zu können, brauchen wir Sponsoren", sagt Jörg Geelen. Grund für das Finanzierungsproblem: Ursprünglich stellten die teilnehmenden Förderschulen einen Reitlehrer, doch wegen der personell angespannten Situation haben sie damit vor 1,5 Jahren aufgehört, zahlen nur noch 46 Euro pro Monat, mit dem der Verein die Miete der Pferde begleicht. Der Verein "Brücke 2000" stellte deswegen eine zweite Lehrerin ein, Vera Klüwer. Doch die Finanzmittel sind fast ausgeschöpft. 15 000 Euro brauche man pro Jahr, um weiterhin mit 200 Förderschülern arbeiten zu können, sagt Geelen.

"Die Arbeit ist für die Kinder und Jugendlichen eine positive, bereichernde Erfahrung", sagt Simone Pengel und hofft, dass auch weiterhin jede Woche eine Gruppe von Schülern bei ihr auf dem Gutshof die Therapie mit den Pferden machen kann.

Quelle: RP
 
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