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Reker-Prozess in Düsseldorf
Gericht entlässt einen Pflichtverteidiger von Frank S.

Reker-Attentäter Frank S. vor Gericht in Düsseldorf
Reker-Attentäter Frank S. vor Gericht in Düsseldorf FOTO: dpa, obe fdt
Düsseldorf. Im Prozess um das Attentat auf Henriette Reker vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin hat das Gericht einen der beiden Pflichtverteidiger aus dem Verfahren entlassen. Der Grund: Es bestehe kein Vertrauensverhältnis mehr. 

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht beschloss am Montag, die Bestellung des Juristen Christof Miseré zum Pflichtverteidiger aufzuheben. Sowohl der Angeklagte als auch der Anwalt selbst hatten dies beantragt. Das Vertrauensverhältnis sei tief erschüttert. 

Den Ausschlag gab offenbar ein Email-Wechsel, der dem Strafsenat auch vorliegt. Eine Freundin des Angeklagten hatte sich an das Gericht gewandt und behauptet, von dem Rechtsanwalt schriftlich belästigt worden zu sein.  "Er hat ihr sehr obszöne Dinge geschrieben, das ist ein widerliches Verhalten", zitierte der Kölner "Express" den Angeklagten Frank S.. Dazu hatte die Frau die entsprechenden Belege vorgelegt, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza.

Jasper Marten bleibt Pflichtverteidiger

Das Verfahren werde nun mit einem Pflichtverteidiger fortgesetzt, lediglich die Aussage eines Zeugen müsse wiederholt werden, sagte Havliza. Der Rechtsanwalt Jasper Marten, der schon von Anfang an als zweiter Verteidiger am Verfahren teilnimmt, behält sein Mandat. Der Angeklagte hatte auch seinen zweiten Anwalt loswerden wollen. Dem hatte das Gericht aber nicht zugestimmt. 

Nun muss nur ein Zeuge noch einmal vernommen werden, bestätigte ein Sprecher des Gerichts auf Anfrage der Redaktion. Dabei handelt es sich um den Polizeioberkommissar, der am vergangenen Freitag ausgesagt hatte. Das Verfahren kann ansonsten vollkommen ungestört weiterlaufen. 

Zunächt lehnte das Gericht den Antrag auf Entlassung ab

Frank S. hatte schon Mitte Mai in einer Verhandlung versucht, seinen Hauptverteidiger loszuwerden. Schon damals warf er Miseré vor, er habe hinter seinem Rücken mit der Presse gesprochen. Dieser tat dies in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion als "nebensächlich" und "völlig unbegründet" ab. Am vergangenen Freitag hatte der Angeklagte sein Misstrauen gegenüber seinen Anwälten erneut bekräftigt. Miseré war schon am ersten Prozesstag im Gerichtssaal aufgefallen, weil er sich in seinem Eröffnungs-Statement krude äußerte. Die Tat habe in einem allgemeinen gesellschaftlichen Klima stattgefunden, in dem kritische Äußerungen zur Flüchtingssituation nicht möglich gewesen seien. Prozessbeobachter zeigten sich davon irritiert. Er blieb dem Verhandlungssaal heute fern.

Der 44-jährige Frank S. hat die Tat aus dem vergangenen Oktober bereits gestanden. Ihm droht lebenslange Haft wegen versuchten Mordes. Die Verteidigung hatte bisher die Strategie, auf gefährliche Körperverletzung zu plädieren. Als Motiv für den Angriff auf Reker nannte Frank S. deren Einsatz für Flüchtlinge.

(heif/dpa)
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