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Düsseldorf
Reliquie aus Kirche gestohlen

Düsseldorf: Reliquie aus Kirche gestohlen
Klaus Kehrbusch zeigt den Platz, an dem die Reliquie stand. FOTO: orthen
Düsseldorf. Bestürzung in der Elisabethkirche: Unbekannte Täter haben am Mittwochnachmittag die Reliquie der Heiligen Elisabeth von Thüringen aus dem Betsaal im Eingangsbereich gestohlen. Von Arne Lieb

Als die Küsterin gegen 18 Uhr das Tor der Kirche auf der Grenze zwischen Flingern und Stadtmitte abschließen wollte, bemerkte sie den Diebstahl. Die Täter wussten offenbar, was sie taten: Sie knackten ein Vorhängeschloss und öffneten mit einem Hebel einen Schacht, durch den die Scheibe aus Sicherheitsglas von innen gereinigt werden kann. So konnten sie das Gefäß mit dem Stück aus dem Schädelknochen der Heiligen herausnehmen. "Das war kein Zufallsdiebstahl", meint Diakon Klaus Kehrbusch. Zumal immer wieder Betende in die Kirche kommen und die Täter deshalb unter Druck standen.

Der materielle Wert der Beute ist gering, für die katholische Gemeinde ist die Reliquie aber ein großer Verlust. "Die hat einen hohen symbolischen Wert für viele, die diesen Ort des Gebetes aufsuchen", sagt Kehrbusch. Seit 1989 befand sich die Reliquie in der Kirche. Der damalige Kölner Erzbischof Joachim Meisner hatte sie in Wien erhalten und der Düsseldorfer Gemeinde übergeben, Ende der 1990er Jahre entstand der Betraum mit dem großen, stählernen Tor, in dem sie bis Mittwoch aufbewahrt wurde.

Es ist bereits das zweite Mal in kurzer Zeit, dass die Kirche unter einem Diebstahl leidet. Im Oktober hatten unbekannte Täter mit einem Hocker den Eingang in den Kirchensaal eingeschlagen und die Tür zur Sakristei aufgebrochen. "Zum Glück bewahren wir dort nichts materiell Wertvolles auf", sagt Kehrbusch. Auch mehrere andere Kirchen in der Innenstadt vermeldeten damals Einbrüche oder Einbruchsversuche. Die Täter machen sich zunutze, dass die Kirchen tagsüber geöffnet sind. Zumindest der Eingangsbereich der Elisabethkirche mit dem Betraum steht offen, damit Gläubige ihn nutzen können. "Oft ist jemand da, aber eben nicht immer", sagt Kehrbusch.

Elisabeth von Thüringen war eine Landgräfin, die im 13. Jahrhundert auf der Wartburg lebte und für ihre Wohltätigkeit bekannt war. Für die Gemeinde ist die Auseinandersetzung mit der Namensgeberin auch wegen ihrer Lage wichtig. "Elisabeth passt zu einer Kirche in einem sozial schwierigen Umfeld", sagt Klaus Kehrbusch. In Erinnerung an das "Rosenwunder", das der Heiligen zugeschrieben wird, werden zum Elisabethfest am 19. November Rosen an die Besucher verteilt.

Die Gemeinde hat nun Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie hofft, dass der oder die Täter wenigstens die Reliquienkapsel mit dem Knochensplitter zurückgeben, damit sie wieder an ihren Platz gestellt werden kann.

Quelle: RP
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