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Düsseltal
Im Zoo-Pavillon ist der Charme der 20er-Jahre spürbar

Zoo-Café in Düsseldorf - 20er-Jahre-Charme im Pavillon
Andreas Zeiß ist in Düsseltal tief verwurzelt. Die Übernahme des Zoo-Pavillons war für ihn eine Herzensangelegenheit. FOTO: Georg Salzburg
Düsseltal. Das um 1920 gebaute Gebäude am Eingang des Zoo-Parks ist heute ein Café. Betreiber Andreas Zeiß hat lange dafür gekämpft, musste seit der Eröffnung 2006 aber auch viele Rückschläge hinnehmen. Von Marc Ingel

Elefant Toni macht für seinen Dresseur Männchen, in der Eisbären-Grotte tummeln sich die Vorfahren von Knut und vor dem Affen-Gehege drücken sich die Besucher an der Sicherheitsscheibe die Nasen platt. Es sind solche alten Fotos an den Wänden im Zoo-Pavillon, die an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erinnern, als der Zoo- ab 1876 tatsächlich ein Tierpark war. Alfred Brehm war der Initiator, um die Jahrhundertwende lag der Tierbestand bei 1238. Ein Bombenangriff 1943 macht dem ein Ende, aufgebaut wurde der Zoo nie mehr.

Der Pavillon, um 1920 gebaut, an der Ecke Graf-Recke-/Brehmstraße ist noch ein Relikt aus dieser Zeit. Seit neun Jahren ist Andreas Zeiß hier der Hausherr, er hat den Flachbau zu einem Café umgebaut und ein Hörfunkstudio integriert.

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Was die Vorgeschichte seines Domizils betrifft, ist der Gastronom vielfach auf Vermutungen und Halbwahrheiten angewiesen: Einige Jahre sei der Pavillon wohl noch vom Löbbecke-Museum, das nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst die geretteten Teile des ebenfalls zerstörten Naturkundemuseums in einem nahen Luftschutzbunker aufnahm, als Büro genutzt worden, womöglich hatte auch die Rheinbahn ihre Hände mal im Spiel, später habe er dann lange leergestanden und sei zunehmend vergammelt. "Bis dann irgendwann ein etwas obskurer Herren-Verein kam, der das Gebäude von der Stadt pachtete, vorrangig aber wohl nur ein Interesse daran hatte, den Partykeller zu vermieten", weiß Zeiß zu berichten.

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Der heute 49-Jährige ist in der Umgebung des Zoo-Parks groß geworden. "Ich bin noch für zehn Pfennig Eintritt ins Löbbecke-Museum gegangen und habe mir dort die Tiere in den Aquarien und Terrarien angesehen", erzählt er. Dass für den Zoo-Pavillon nie eine geeignete Nutzung gefunden wurde, hatte den gelernten Reiseverkehrskaufmann schon immer gewurmt. Um 2001 las Zeiß in der Zeitung davon, dass die Stadt jemanden suche, der mit einem vernünftigen Konzept wieder Leben in das historische Gemäuer bringt. Der Café-Betrieb, ein kultureller Schwerpunkt mit wechselnden Ausstellungen sowie Lesungen und Konzerte plus das Hörfunkstudio: Was der ehemalige freie Radio-Journalist und VHS-Dozent den beteiligten Ämtern vorlegte, überzeugte, "aber es dauerte insgesamt fünf Jahre, bis ich endlich Eröffnung feiern konnte", erzählt Zeiß.

Nach eigener Aussage investierte der Düsseltaler eine sechsstellige Summe, um den Pavillon vom Brandschutz bis zur Schallisolierung seinen Visionen entsprechend umzurüsten. Das habe er bis heute beileibe nicht wieder reinbekommen. "Trotzdem bereue ich die Entscheidung nicht", sagt Zeiß - auch, wenn er sich von der einen oder anderen Idee der ersten Tage verabschieden musste. "Beim Hörfunk musste ich nach Einführung des neuen Landesmediengesetz Abstriche machen, obwohl ich doch vor allem viel mit Schulen und Kindergärten arbeiten wollte. Aber die Mittel fließen nicht mehr so wie früher", sagt der 49-Jährige. Bei der Live-Musik fehle ihm einfach die Vielfalt an Bands, die nicht einfach nur covern, sondern selbst etwas auf die Beine stellen. Auch der Partykeller bereitet ihm Sorgen: "Bei Starkregen steht man da knietief im Wasser. Den kann ich aktuell nicht vermieten." Nicht zuletzt habe es diverse Einbrüche gegeben. "Nach dem ersten bin ich erst einmal aus meiner Versicherung rausgeflogen. Eine neue, natürlich viel teurere war gar nicht so einfach zu finden", blickt Zeiß auf nicht eben rosige neun Jahre zurück.

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Es gab aber auch Lichtblicke. Wie das Philosophische Café, das regelmäßig bei ihm stattfindet. Oder die Stammgäste, die ihm die Treue halten. Was die Zukunft des Pavillons betrifft, ist er optimistisch. Die Pläne für eine Umgestaltung des Zoo-Parks begrüßt Zeiß. Er ist optimistisch, dass sein Café ein Teil davon wird. Neben einer Vergrößerung seiner Terrasse hegt er noch einen weiteren Traum: "Man könnte doch wunderbar die alte Säule, die früher hier den Eingang des Zoos markierte, wieder aufstellen."

Quelle: RP
 
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