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Düsseldorf
Rheinbahn braucht eine doppelte Haltestelle

Düsseldorf: Rheinbahn braucht eine doppelte Haltestelle
Haltestelle Uhlandstraße: Von der Mittelinsel aus kann man nicht einsteigen - Fahrgäste müssen die Behelfshaltestelle (Hintergrund) nutzen. FOTO: Hans-jürgen Bauer
Düsseldorf. Vom neuen barrierefreien Bahnsteig an der Uhlandstraße profitieren nicht alle Fahrgäste: Wer in die 708 steigen will, muss auf der gegenüberliegenden Seite warten. Die Begründung für diese einmalige Situation ist kurios. Von Arne Lieb

Für rund vier Millionen Euro hat die Stadtverwaltung die Haltestelle an der "Uhlandstraße" umgebaut - aber nicht für alle Fahrgäste. Wer die Linie 708 nehmen will, kann sich den neuen Mittelbahnsteig nur von der anderen Straßenseite aus anschauen. Und das, obwohl diese Linie auf denselben Gleisen fährt wie die U71, in die man von der Straßenmitte aus einsteigt. Das ist eine kuriose, einmalige Situation - mit ärgerlichen Folgen.

Denn die provisorische Haltestelle am Straßenrand ist nicht barrierefrei, zudem gibt es in Richtung Innenstadt kein Wartehäuschen. Passagiere schauen also im Regen stehend zu, wie die auf der gegenüberliegenden Seite im Trockenen warten. Darüber hinaus ist die Station für Reisende, die sie erstmals benutzen, schwer zu durchschauen: Der Einstieg in Richtung Düsseltal versteckt sich auf der anderen Seite der Kreuzung an der Beethovenstraße.

Die Haltestellen der neuen Wehrhahn-Linie FOTO: RP-Grafik

Kurios ist auch die Begründung, warum die 708 die Extra-Haltestelle braucht: Die Rheinbahn besitzt nicht genug Züge mit Türen auf der passenden Seite. Auf der U71, die zur neuen Wehrhahn-Linie gehört, kommt die neuste Generation der Silberpfeile zum Einsatz. Diese Wagen haben Türen auf beiden Seiten, weshalb Stadt und Rheinbahn viele überirdische Stationen auf der Strecke auf Mittelbahnsteige umbauen.

Die Wagen vom Typ NF8U sind aber für die vier neuen Linien verplant - für den Betrieb der 708 muss die Rheinbahn deshalb auf andere, ältere Wagen zurückgreifen. Und weil die nur Türen auf der rechten Seite haben, werden die wartenden Passagiere an der Uhlandstraße nass.

So entsteht die Wehrhahn-Linie - eine Chronik FOTO: Joris Hielscher

Sie können sich aber immerhin damit trösten, dass die 708 um ein Haar gar nicht mehr fahren würde - und die Behelfshaltestelle eine Art Folge des spät beschlossenen Erhalts ist. Lange war geplant, die Linie mit dem Start der Wehrhahn-Linie im Februar dieses Jahres einzustellen. Dagegen protestieren Bürger aus Düsseltal, die damit keinen direkten Bahnanschluss an den Hauptbahnhof mehr gehabt hätten.

Die Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP entschied nach ihrem Antritt im Jahr 2014 zügig, die 708 doch noch zu erhalten. Das geschah gegen das Anraten der Rheinbahn, der damalige Chef Dirk Biesenbach sprach sich sogar öffentlich dagegen aus, weil er zu wenig Bedarf bei den Fahrgästen ausmachte - einer der Gründe, warum er wenig später seinen Hut nehmen musste.

Düsseldorfer feiern neue Wehrhahn-Linie FOTO: Bretz, Andreas

Nun also fährt die 708 doch noch. Allerdings war die Entscheidung laut Rheinbahn zu kurzfristig, um noch neue Wagen zu ordern - was nun zu der seltsamen Situation an der Uhlandstraße führt.

Die wird in jedem Fall noch eine Weile bestehen bleiben. Rund ein Jahr nach der Netzumstellung, also im Februar 2017, wollen Stadt und Rheinbahn über die Zukunft der 708 entscheiden. Dazu soll gemessen werden, ob genug Fahrgäste die Linie nutzen. Frühestens nach dieser Entscheidung dürfte die Rheinbahn dann neue Züge mit ausreichend vielen Türen für die Mittelbahnsteige bestellen.

Dann wird immer noch eine beträchtliche Zeit vergehen, bis die neuen Fahrzeuge eintreffen - und dann können die Fahrgäste der 708 vielleicht irgendwann auch den neuen Bahnsteig benutzen.

Quelle: RP
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