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Düsseldorf
Straßenbahn entgleist: Was verrät der Fahrtenschreiber?

Düsseldorf: Straßenbahn entgleist
Düsseldorf. Nur knapp zwei Monate vor ihrer Stilllegung ist die Altstadtschleife der Rheinbahn zum Unfallort geworden - glücklicherweise wurde niemand verletzt. Mögliche Ursache kann ein Defekt am Gleis sein. Die Auswertung des Fahrtenschreibers soll Aufklärung bringen.  Von Stefani Geilhausen

Es klang wie das Kreischen einer Bremse - nur viel länger. Knappe 30 Zentimeter vor einem Papierkorb an der Hunsrückenstraße ist am Montag ein Niederflurzug der Linie 706 zum Stillstand gekommen, nachdem er im Bereich der Kreuzung mit der Bolkerstraße aus den Schienen gesprungen war.

Straßenbahn entgleist an der Heinrich-Heine-Allee FOTO: Joris Hielscher

"Zum Glück wurde niemand verletzt, kein Passant und keiner unserer Fahrgäste", sagt Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster, "das ist erst einmal das Wichtigste." Man mag sich das Szenario zu einer anderen Tageszeit kaum ausmalen: Die Bahn entgleiste wenige Meter vor einem gut besuchten Burger Restaurant, mitten in der Fußgängerzone, in der nachts das Partyvolk von und zur Bahnhaltestelle läuft.

Am Bahnsteig 6 der zentralen Rheinbahn-Haltestelle Heinrich-Heine-Allee, der auf der Hunsrückenstraße liegt, stoppen fünf Bahnlinien in Richtung Süden - alle mussten ab 11.36 Uhr eine Umleitung fahren. Bis die entgleiste Bahn wieder in den Schienen stand und zum Betriebshof fahren konnte, war zwar nur wenig Zeit vergangen - aber dann begannen die aufwendige Spurensicherung und die Schadensaufnahme: "Es gibt viele mögliche Ursachen", erklärte Schuster.

Düsseldorf: Unfälle mit Straßenbahnen 2013/2014 FOTO: Berger

Dazu zählen ein Fremdkörper in den Schienen und ein Defekt am Gleis. In der Nacht zuvor hatte eine Fachfirma die Schienen mit Schweißarbeiten ausgebessert. Diese Arbeiten sollten eigentlich in der vergangenen Nacht fortgesetzt werden. Nun werde geprüft, ob zwischen den am frühen Morgen beendeten Wartungsarbeiten und dem Unfall am Vormittag ein Zusammenhang bestehe.

Der Rheinbahnfahrer ist 59 Jahre alt, fährt seit 35 Jahren für die Rheinbahn und kennt natürlich auch die Altstadtschleife, in der maximal Tempo 10 gilt. Obwohl die Streckenführung über die Fußgängerzone Bolker Stern und Hunsrückenstraße äußerst gefährlich aussieht, ist in den 36 Jahren, in denen sie benutzt wird, dort nie ein Unfall passiert - und das, obwohl es dort kaum Hinweisschilder gibt. "Wahrscheinlich, weil jeder die Gefahr sieht und deshalb extrem vorsichtig ist", sagen die Rheinbahn-Fahrer.

Trotzdem müssen am Dienstag auch die Fahrtenschreiber ausgewertet werden, denn auch zu hohe Geschwindigkeit könnte als Ursache in Frage kommen.

Den Schaden meldete die Rheinbahn um 17.25 Uhr, schneller als zunächst gedacht, als behoben, gab die Strecke wieder frei. Die Schienen, durch das Entgleisen massiv beschädigt, hätten geschweißt werden können, müssten nicht ausgetauscht werden, so Heike Schuster.

Und das ist noch einmal Glück: Denn die Schienen müssen nur noch zwei Monate halten - mit dem Start der Wehrhahn-Linie wird die Strecke überflüssig.

Quelle: RP
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