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Fluss tritt über die Ufer
Rheinpegel steigt – Straßen gesperrt

Fluss tritt über die Ufer: Rheinpegel steigt – Straßen gesperrt
Samstagmittag rechnen Experten jedoch mit einem Anstieg um weitere drei Meter. FOTO: RP, Andreas Bretz
Düsseldorf. Der Rhein hat in Düsseldorf einen Pegel von über sechs Metern erreicht. Damit führt er knapp doppelt so viel Wasser wie sonst. Der Stadtentwässerungsbetrieb hat erste Maßnahmen ergriffen, gibt aber Entwarnung: In den kommenden Tagen werde der Pegel wieder fallen. Von Hanna Koch

Der Rhein tritt im Stadtgebiet über die Ufer: Statt beim normalen Pegel von 3,38 Metern, lag er gestern bei 6,30 Metern, für die Nacht erwarteten Experten gar 6,50 Meter. Der Stadtentwässerungsbetrieb zog erste Konsequenzen: Eine Fußgängerbrücke am Orthweg in Urdenbach ist gesperrt worden, in Hamm wurde an der Straße Auf den Steinen der Zugang zum Ufer unterbrochen. Das Klärwerk Süd hat schon in der vergangenen Woche damit begonnen, Pumpen einzusetzen, um zu vermeiden, dass Rheinwasser die Röhren überschwemmt.

"Das Hochwasser ist deutlich sichtbar, aber nicht dramatisch", sagt Claus Henning Rolfs, Technische Betriebsleiter des Stadtentwässerungsbetriebes. Kritisch werde es bei einem Pegelstand ab 8,80 Metern.

Für die kommenden Tage erwarten Experten einen niedrigeren Wasserstand: "Am Oberrhein sinken die Pegel bereits, das ist für uns ein gutes Zeichen", sagt Rolfs. Auch das Hochwassermeldezentrum Rhein gibt Entwarnung und prognostiziert fallende Pegelstände für die Region Düsseldorf.

"Oft zieht ein schneereicher Winter starkes Hochwasser nach sich", sagt Bernd Mehlig, Fachbereichsleiter für Wassermengenwirtschaft und Hochwasserschutz im NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. In diesem Jahr sei das aber nicht der Fall gewesen. "Denn das Tauwasser konnte größtenteils über das Grundwasser abfließen", erklärt der Hydrologe.

Zwei Faktoren spielten dabei eine Rolle: Einerseits war der Boden vor den Schneefällen nicht tiefgefroren. "Auch wenn wir es vielleicht anders empfunden haben: So kalt war der Winter nicht", sagt Mehlig. "Und ist der Schnee erst einmal auf der Erde, entfaltet er auch bei Minusgraden eine dämmende Wirkung", erläutert der Wasserexperte. Dementsprechend sei der Boden aufnahmefähig geblieben – die Erde konnte das Wasser nach der Schneeschmelze problemlos aufnehmen und es ins Grundwasser ableiten.

"Zweiter Faktor ist die Häufigkeit der Schneeschmelze", so Mehlig. Denn während des gesamten Winters habe es mehrere Tauwetter gegeben, in denen der geschmolzene Schnee abfließen konnte. "Diese periodische Schneeschmelze konnten die Flüsse problemlos aufnehmen", sagt der Hydrologe. Die aktuellen Pegelstände des Rheins haben seiner Meinung weniger mit den Auswirkungen des Winters, als vielmehr mit dem Niederschlag zu tun – weil in den kommenden Tagen der Regen ausbleibe, sinke die Hochwassergefahr.

Eine Hochwasserprognose gibt das zuständige Hochwassermeldezentrum Rhein ab. Die Behörde sitzt in Mainz und ist über eine Verwaltungsvereinbarung sowohl für Pegelmessungen in Rheinland-Pfalz als auch in NRW zuständig. Allerdings gilt die Prognose nur für 48 Stunden im Voraus. Derzeitige Schätzung: Die Pegel zeigen eine fallende Tendenz, nicht nur in Düsseldorf, sondern am gesamten Niederrhein.

Sollte sich die Lage ändern, wird ein Frühwarnsystem in Gang gesetzt: Das Hochwassermeldezentrum Rhein informiert das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Von dort aus gehen Berichte an Kommunen und Landwirte in ganz NRW – rund 100 Faxnummern sind im Verteiler, auch die des Düsseldorfer Abwasserbetriebs. Dort richten sich die Mitarbeiter nach einem Hochwasserplan, der je nach Pegelstand bestimmte Maßnahmen vorschreibt – unter anderem die Sperrung von Straßen wie in Urdenbach und Hamm.

Quelle: RP
 
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