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Neuer Paketdienst?
Roboter in der Düsseldorfer Innenstadt

Roboter in der Düsseldorfer Innenstadt
Düsseldorf. In Estland liefern kleine Roboter wie "Tilit Liivik" bereits Pizza aus. Nun macht der kleine Roboter Halt in Düsseldorf. Ein estnisches Unternehmen hat in Düsseldorf seine Vision vom Paketdienst der Zukunft vorgestellt. Von Torsten Thissen

Tilit Liivik hat eine Fernbedienung in der Hand, die der einer Playstation ähnelt. Er hat sie nur für die Demonstration, denn eigentlich fährt der Roboter, den er an diesem Tag in der Düsseldorfer Innenstadt hin- und herfahren lässt ja autark, ohne Einfluss des Menschen also. In Estland zum Beispiel liefert er schon Pizza aus. "Denkbar ist aber alles, was der Mensch sich nach Hause kommenlassen will", sagt Liivik und lässt den Roboter auf der Stelle drehen. "Ist er nicht niedlich", fragt er.

Tatsächlich soll mit dem Roboter der Firma Starship eine neue Ära im Lieferdienst anbrechen. Deshalb sind Liivik und zwei Kollegen zurzeit in ganz Europa unterwegs, um den bauchigen Kasten auf sechs Rädern ein wenig bekannter zu machen. Im Einsatz ist der Roboter aber auch schon. Zwei Exemplare fahren auf dem Metro-Gelände mit Essen umher.

Dabei ist der Roboter mehr als nur eine Spielerei. Bis zu drei Pakete kann er im Umkreis von drei Kilometern transportieren. Dabei fährt er im Schritttempo durch Innenstädte, erkennt, wenn ihm ein Mensch entgegenkommt, oder wenn ein Hindernis nicht zu überwinden ist. Dann meldet er sich bei einem Operator, der ihn entweder daran vorbei lenkt oder ihn eben aus seiner misslichen Lage befreit. In Hamburg werden die Roboter gerade beim Paketdienst Hermes getestet. Ein Test, mehr noch nicht, doch Liivik ist überzeugt, dass ihn sein Gerät mit Bravour besteht. Ein Roboter, der Dinge liefert, werde irgendwann so normal wie ein Rasenmäher-Roboter oder einer zum Staubsaugen sein.

Manche Paketdienste testen ja schon fliegende Drohnen. Die jedoch seien zu kompliziert, sagt Liivik, zudem machen sie den Menschen Angst, nicht zuletzt, weil eine Drohne ja abstürzen könne. Die Einfachheit seines Roboters, sei seine größte Stärke: Einmal eine Stelle angefahren, findet er sie immer wieder, auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten, bei schlechtem Wetter und bei Sonne. Dabei ist die in ihm verstaute Ware sicher. Der Empfänger bekommt einen elektronischen Code, mit dem kann er den Roboter öffnen und das Paket/ die Pizza/ den Einkauf entnehmen. "Vielleicht würde man ein neues Mobiltelefon oder noch Wertvolleres von einem menschlichen Boten bringen lassen", sagt Liivik, der Roboter sei eben kein "Geldtransporter".

Blicke zieht er in jedem Fall auf sich. Auch in der Innenstadt, wo die Menschen eher amüsiert auf die schwarz-weiße Box auf Rädern reagieren. "Besonders in Deutschland drehen sich viele ältere Menschen nach dem Roboter um. Sie fragen Liivik und sein Team häufig, ob man das Gerät auch als Privatperson kaufen könnte. Gerade Ältere finden den Gedanken, dass sie jemanden schicken können, der ihnen die Einkäufe holt, oder der neben ihnen mit den Tüten fährt, während sie weiter Einkaufen, interessant. "Sie sind sehr aufgeschlossen, was Technik angeht, die ihren Alltag erleichtern können. Kein Wunder also, dass in der Schweiz bereits Roboter mit Medikamenten für alte Menschen unterwegs sind. Er ist süß, sicher und kostet wenig an Unterhalt, schließt Liivik sein Resümee.

 

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