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Demo in Düsseldorf
Rocker unterstützen Raucher-Demo

Düsseldorf. Der verschärfte Nichtraucherschutz in Nordrhein-Westfalen hat Raucher und Gastronomen aus Protest auf die Straße getrieben. Bei der Raucher-Demo am Samstag in Düsseldorf setzten sich Rocker an die Spitze des Prostestzugs, auch Kinder und Hunde marschierten mit. Von Christian Schwerdtfeger und Roland Leroi

Für unterschiedliche Reaktionen sorgten die unterstützenden Aktionen von den Mitgliedern des "Clan 81". Die den Hells Angels nahe stehenden Rocker marschierten mit, etwa zehn von ihnen setzten sich in ihren Kutten schließlich an die Spitze des Prostestzuges.

"Muss es zähneknirschend hinnehmen."

Teilweise gab es Beifall für die Rocker, Düsseldorfs Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) sagte: "Es ist nie gut, wenn sich Rocker an so einer Sache beteiligen. Man kann es aber nicht verhindern und muss es zähneknirschend hinnehmen."

Der Bürgermeister von Neuss, Herbert Napp (CDU), wetterte unter heftigem Beifall über das "Raucherverfolgungsgesetz". Weil der Politiker auch in seinem Dienstzimmer in Rathaus qualmt, hat er den Beinamen "Vesuv von Neuss". Auch der Düsseldorfer Karneval unterstützte den Protest: Präsident Josef Hinkel kritisierte die um sich greifende Bevormundung und nannte das Gesetz überzogen.

Napp: "Raucherverfolgungsgesetz"

Gastronomen berichteten am Rande der Demo über Existenzängste, weil die rauchende Kundschaft wegbleibe. "In der Woche ist der Umsatz um 40 Prozent zurückgegangen", sagte die Düsseldorfer Kneipenwirtin Annette Helmus, die den Protestzug angemeldet hatte. Am Wochenende seien es 30 Prozent weniger. In den nächsten Wochen sind weitere Proteste geplant.

Rund 4000 Menschen waren dabei, viele trafen sich in Düsseldorf am Apolloplatz und in der Nähe des Hauptbahnhofs und starteten am Mittag die Demonstration. Vor allem demonstrierten Wirte gemeinsam mit Schützen und Karnevalisten sowie weiteren Gästen. Sie beklagen, dass in Festzelten oder bei Brauchtumsfeiern nicht mehr geraucht werden darf. Bisherige Ausnahmen vom Rauchverbot wurden zum 1. Mai vom Landtag mit rot-grüner Mehrheit gestrichen.

Helmut-Schmidt-Masken

Viele Demonstranten trugen Masken mit dem Gesicht des Altkanzlers und Rauchers Helmut Schmidt und qualmten demonstrativ Zigaretten. Auf Transparenten stand auf Rheinisch "Läwe on läwe lasse" (Leben und leben lassen) und "Grün und Rot gleich Kneipentod". Die Polizei sprach von etwa 3500 Teilnehmern, die Veranstalter von "gefühlt 8000".

Initiatorin Annette Helmus zeigte sich mit der Beteiligung mehr als zufrieden. "Uns haben auf der Demonstration auch viele Nichtraucher unterstützt", sagte Helmus unserer Redaktion.

Bürgermeisterin Strack-Zimmermann, die sich als Nichtraucherin bezeichnete, kritisierte NRW-Gesundheitsminsterin Barbara Steffens (Grüne), die das Gesetz zum Nichtraucherschutz initiiert hatte. Strack-Zimmermann forderte die Landesregierung auf, das "Gesetz zurückzunehmen" und wieder die Fassung einzuführen, die bis zum 30. April Gültigkeit hatte.

Wirte befürchten, dass durch das Tabu für Zigarette, Pfeife und Zigarre etliche Kneipen sterben könnten. Ein Redner auf der Abschlusskundgebung am frühen Nachmittag ist der Präsident des Düsseldorfer Karnevals, Josef Hinkel. Der Hotel- und Gaststättenverband in NRW unterstützt den Protest ausdrücklich.

(rl/jco/rl)
 
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