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Ärger in Düsseldorf
Rollatornutzer wütend auf Rheinbahn

Ärger in Düsseldorf: Rollatornutzer wütend auf Rheinbahn
Hat sich mehrfach über Busfahrer der Rheinbahn geärgert: Matthias Schmitt, der seit gut zwei Jahren auf einen Rollator angewiesen ist. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Seit zwei Jahren ist Matthias Schmitt auf den Rollator angewiesen. Was er seitdem in Bussen und Straßenbahnen erlebt, ärgert ihn. Bei der Rheinbahn beschwerte er sich über einzelne Fahrer. Doch bis jetzt wartet er auf eine Antwort. Von Jörg Janssen

Die Fahrt mit dem Bus der Linie 833 vom Nikolaus-Knopp- zum Belsenplatz wird Matthias Schmitt so schnell nicht vergessen. "Ich bin auf einen Rollator angewiesen und geriet mit dem Fahrer aneinander, weil der einfach nicht näher an die Haltekante ranfahren wollte, sondern einen halben Meter davon entfernt stehen blieb", erinnert sich der 56-Jährige. Mit den Worten "Ich mach' das nicht, weil ich das gar nicht darf" habe sich der Mann gerechtfertigt. Doch der Gehandicapte aus Heerdt widersprach. Tenor: Das könne ja wohl nicht sein. Dieser Widerspruch sei, so Schmitt, dem Rheinbahn-Fahrer offenbar zu viel gewesen, denn er habe ihn mit den Worten "Ey, du Ar..., steig endlich aus dem Bus aus" übelst beschimpft. Dem früheren Gas- und Wasserinstallateur ging das zu weit. Er griff zum Hörer, beschwerte sich beim Kundendialog der Rheinbahn. "Doch gehört habe ich danach nichts", sagt er.

Dass nicht jeder Fahrer ausfallend wird, weiß Schmitt. "Es gibt auch freundliche." Aber als er etwas später auf der gleichen Linie erneut mit einer Fahrerin wegen des Abstands von der Haltestellen-Kante aneinander geriet, und die ihn mit den Worten "Ich vergeude meine Spucke nicht, um mit ihnen zu streiten" beschimpft habe, war das Maß voll. "Irgendwie fühle ich mich als Behinderter abgestempelt", meint Schmitt, der 2014 in Folge einer Blutvergiftung ein Organversagen erlitt und seitdem bei längeren Strecken auf die Gehhilfe angewiesen ist.

Mitarbeiter und Beschwerdeführer

Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher bestätigt den Eingang eines Anrufs von Schmitt beim Team "Kunden-Dialog" des kommunalen Verkehrsunternehmens. Der Vorgang befinde sich im Status "erledigt". Ob Schmitt tatsächlich auch kontaktiert oder angeschrieben wurde, könne allerdings nicht mehr rekonstruiert werden.

Ohne im konkreten Fall rückblickend klären zu können, welche Worte im Einzelnen gefallen seien, stellt der Unternehmenssprecher klar: "Freundlichkeit nicht nur, aber gerade gegenüber Menschen mit Gehbehinderung muss für einen Rheinbahnfahrer absolut selbstverständlich sein." Vergesse sich ein schwarzes Schaf unter den 1400 Männern und Frauen, die am Steuer säßen, doch einmal, setze die Rheinbahn auf Dialog. "In einer Reihe von Fällen bringen wir Mitarbeiter und Beschwerdeführer auch an einen Tisch. Vieles lässt sich bei einer solchen Begegnung ausräumen", sagt Schumacher. Im Übrigen sei der Umgang mit Fahrgästen auch Teil der regelmäßig inkognito stattfindenden Fahrerbeobachtung.

Christiane André, Rollstuhlfahrerin und Vize-Vorsitzende des Runden Tischs Verkehr im Behindertenbeirat, kennt den Ärger Gehandicapter über einen zu großen Abstand von der Haltekante. "Auch mich erreichen solche Beschwerden. Und ich habe es auch selbst schon erlebt", sagt André. Richtig problematisch werde es bei Elektro-Rollstühlen. "Mit denen können Betroffene selbst mit Hilfe eines Begleiters die Lücke zwischen Busausstieg und Bordstein oft nicht überbrücken."

Rückendeckung erhalten Schmitt und André vom Rheinbahn-Sprecher. Die Behauptung, man dürfe gar nicht so nah heranfahren, entbehre jeder Grundlage. "Niemand soll die Reifen zerrupfen, aber natürlich ist eine größtmögliche Annäherung an die Kante jederzeit möglich." Das gelte erst recht dann, wenn Gehandicapte, Ältere oder Frauen mit Kinderwagen im Fahrzeug seien.

Quelle: RP
 
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