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Düsseldorf
Rotlicht-Prozess: Zwei Angeklagte wollen aussagen

Düsseldorf. Das Mammut-Verfahren wegen Erpressung und Betrugs läuft bereits seit 244 Verhandlungstagen.

Nach fast drei Jahren Prozessdauer und 244 Verhandlungstagen kam gestern Bewegung in das sogenannte Rotlicht-Verfahren. Zwei der drei verbliebenen Angeklagten wollen offenbar ihr Schweigen brechen, sich damit aus dem Mammut-Verfahren ausklinken. Einem Bordell-Betreiber (51) und zwei seiner Ex-Mitarbeiter wird seit Juli 2013 vorgeworfen, 27 Bordellgäste an der Rethelstraße und in einem Erotik-Hotel mit Drogen, K.-O.-Tropfen oder Alkohol außer Gefecht gesetzt, deren Kreditkarten dann bis ans Limit belastet zu haben. Die Anklage lautet auch auf Erpressung und bandenmäßigen Betrug. Nach Gesprächen hinter den Kulissen zwischen Staatsanwälten und Verteidigern der Ex-Mitarbeiter hat das Landgericht beiden Seiten gestern aber einen konkreten "Verständigungsvorschlag" vorgelegt.

Die meisten hier beteiligten Juristen haben schon vor Monaten aufgehört, die Zahl der Verhandlungstage aufzulisten. So festgefahren wirkten die Positionen von Staatsanwälten und Verteidigern, dass der Prozess nur noch zäh vor sich hin dümpelte. Doch jetzt scheint nach drei Gesprächen der Ankläger mit den Anwälten zumindest für zwei der Angeklagten ein Prozessende in Sicht. Die Verfahren gegen fünf weitere Tatverdächtige (darunter drei Prostituierte und Hauswirtschafter) sind aus unterschiedlichen Gründen längst abgetrennt worden und sollen demnächst gesondert geführt werden. Eine vierte Bardame wurde zwischendurch sogar freigesprochen. Übrig geblieben sind dadurch aktuell nur noch Bordell-Chef Tomas M. (51) und zwei engste Mitarbeiter (33/34). Auch sie sind angeklagt wegen Erpressung und krimineller Bandenbildung zum Betrug, könnten aus Sicht des Landgerichts bei Teil-Geständnissen demnächst aber mit Haftstrafen von maximal viereinhalb Jahren davonkommen. Alle übrigen Vorwürfe gegen die beiden würden im Hinblick auf diese Geständnisse eingestellt. Die Ankläger und die Anwälte haben jetzt Zeit bis zum 13. September, um diese Vorschläge des Gerichts zu prüfen. Sicher ist derzeit nur: Gelingt dem Gericht die Verständigung zwischen Staatsanwälten und Verteidigern, bleibt Tomas M. allein auf der Anklagebank zurück. Er würde durch Aussagen der derzeit noch mitangeklagten Ex-Mitarbeiter aber zumindest indirekt belastet werden. Ob er mit seinen Anwälten auch dann noch bei seinem bisher strikten Schweigen bleibt, ist ungewiss.

(wuk)
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