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Regionalbahn in Düsseldorf
RRX: Angermund bangt um Lärmschutz

RRX in Düsseldorf: Bürger bangen um Lärmschutz für Rhein-Ruhr-Express
FOTO: dpa, fpt_gr mg
Düsseldorf. Möglicherweise wird die Strecke durch den Düsseldorfer Norden doch nicht für den neuen Regionalzug ausgebaut. Dann wird es keinen Lärmschutz für die Anwohner geben - obwohl bald mehr Züge über die Strecke fahren. Von Arne Lieb

Die Planung für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) nimmt eine überraschende Wende. Das Bundesverkehrsministerium räumt dem Ausbau des Streckenabschnitts zwischen Duisburg und Düsseldorf-Kalkum keine höchste Priorität ein. Damit könnte die umstrittene Erweiterung der Strecke von vier auf sechs Gleise auf diesem Stück entfallen - und damit auch der Anspruch der Anwohner auf Lärmschutz. "Wir reiben uns die Augen", sagt Elke Wagner von der Angermunder Initiative gegen Bahnlärm.

Im Stadtteil gibt es bislang gar keinen Schutz vor dem Lärm der vielbefahrenen Strecke, weshalb Bürger seit Jahren protestieren. Wenn der Ausbau ausbleibt, fahren zwar künftig mehr Züge pro Tag, den bislang geplanten umfangreichen Schallschutz wird es aber wohl nicht geben - für die Strecke gilt rechtlich dann Bestandsschutz. Das Ministerium prüft die Erweiterung nun erneut, eine Entscheidung soll spätestens im Sommer fallen.

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Der RRX ist das wichtigste Verkehrsprojekt für die Region. Die Linien sollen den Verkehr zwischen den Großstädten an Rhein und Ruhr erheblich verbessern und die vor allem von Berufspendlern schmerzlich vermissten Kapazitäten schaffen. Das Stück durch den Düsseldorfer Norden gilt als das umstrittenste auf der gesamten Strecke. Die Bürger in Angermund kritisieren die geplanten meterhohen Schallschutzwände an der Trasse, die durch den Dorfkern führt, und fordern eine Lärmschutzröhre. Mit der Deutschen Bahn, die das Projekt plant, laufen darüber seit langem teils hitzige Gespräche. Jetzt könnte sich plötzlich die Grundlage ändern. "Wir fragen uns, was eine Bürgerbeteiligung bringt, wenn die Planung unklar ist", sagt Wagner. Ob vier oder sechs Gleise, sei für die Bürger nicht die entscheidende Frage. "Wir wollen auf jeden Fall Schallschutz." Man versuche auch andere Möglichkeiten, etwa ein Nachtfahrverbot. Von der Bahn, die das Projekt im Auftrag des Bundes plant, hieß es auf Anfrage nur: "Wir planen weiter wie bisher."

Der mögliche Verzicht auf den Ausbau der Strecke, der aus dem Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 hervorgeht, beschäftigt auch die Politik auf allen Ebenen, heute den Verkehrsausschuss des Landtags. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) kündigt an, sich in Berlin für den Ausbau einsetzen zu wollen, sowohl für die Qualität der RRX-Strecke als auch für den Lärmschutz.

Unklar sind die Hintergründe der Planänderung. Jarzombek berichtet, im Verkehrsministerium sei man der Ansicht, dass sich der 15-Minuten-Betrieb der RRX-Linien auch über die bestehenden Gleise abwickeln ließe. Viele Beobachter bezweifeln das. "Das abgespeckte Szenario ist eigentlich nicht fahrbar", sagt etwa Lothar Ebbers vom Fahrgastverbund ProBahn. Er befürchtet Verspätungen durch eine überfüllte Strecke. Ebbers vermutet "strategische Gründe", möglicherweise wolle man eine Verzögerung des Gesamtprojekts durch die Einwände in Angermund vermeiden. Das Verkehrsministerium gab keine Stellungnahme ab.

Quelle: RP
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