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Serie Sportliches Düsseldorf
Rückwärts voraus

Serie Sportliches Düsseldorf: Rückwärts voraus
Wissen, dass sie es es nur gemeinsam ins Ziel schaffen (v.l.): Andreas Grund, Werner Stein, Bernhard Sinzig und Steven Siebert. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Begeisterung fürs Rudern treibt die Sportler von "Germania" Düsseldorf bei jedem Wetter aufs Wasser. Von Katharina Pavlustyk

Das Areal rund um den Medienhafen liegt an diesem wolkenverhangenen Sonntagmorgen verschlafen da. Nur wenige Spaziergänger sind unterwegs. Auf dem Wasser sieht es anders aus: Hier arbeiten Kanuten an ihrer Ausdauer, lassen Ruderer ihre Boote in den Rhein gleiten. Jeden Sonntag trainieren Männer und Frauen der Mastergruppe im Ruderclub "Germania" Düsseldorf (RCGD) unter den wachsamen Augen von Günter Schroers, feilen an ihrer Rudertechnik. "Wichtig ist der Gleichklang", sagt Schroers. Der 77-Jährige hat das Rudern früher, im Alter von 15 bis 25 Jahren, als Leistungssport betrieben, war Deutscher Meister, Europameister und zwei Mal bei Olympischen Spielen im Rudern, hat verschiedene Medaillen errungen. In den 1980ern und 1990ern hat er im RCGD den Nachwuchs trainiert, dieses Amt irgendwann den Jüngeren überlassen. Vor einem halben Jahr wurde Schroers wieder aktiviert, um die Ruderer der Mastergruppe auf eine einheitliche Technik zu bringen.

Dass die wichtiger ist als die Kondition, wird auf dem Wasser schnell klar. Der Trainer gibt von einem Motorboot aus Anweisungen über Lautsprecher. "Ihr müsst die Ruderblätter rausheben, nicht rausdrehen", sagt er zu den Ruderern in einem Vierer. Steven Siebert, Bernhard Sinzig, Werner Stein und Andreas Grund sind erfahrene Ruderer. Siebert ist internationale Langstreckenregatten mitgefahren. Rudern war für den 36-jährigen Immobilienmakler "die beste Vorbereitung auf den Job". Teamwork zähle in dem Sport, nur gemeinsam gehe es ins Ziel. Heute ist Siebert Schlagmann, heißt: Er sitzt am Steuer des Bootes und gibt den Takt vor.

"Früher aufdrehen die Blätter, dann klappt der Einsatz besser", ruft Schroers Werner Stein zu. Das bedeutet: Die Ruderblätter schon im Wasser aufdrehen, damit alle Ruderer im Takt sind. Stein (53) nickt. Er ist eigentlich im Neusser Ruderverein aktiv, trainiert aber auch in Düsseldorf. Die Masterruderer sind eine zusammengewürfelte Gruppe, die meisten kommen aus anderen Städten und arbeiten auf ehrgeizige Ziele wie die Bundesliga oder Masterregatten hin. Die Herren im Vierer haben in dieser Konstellation noch nie zusammen gerudert. Ihre Bewegungen hat Schroers genau im Visier. "Andreas, erst die Beine, nicht den Oberkörper hochnehmen", ruft er jetzt. Schroers ist akribisch, "penibel", wie er selbst sagt.

"Die Ausbildung hört nie auf", sagt er. Trainieren die Ruderer allein, schleichen sich Fehler ein - und der Fehler eines Ruderers wirkt sich negativ auf das Team aus. Die Koordination ist das Schwierigste an diesem Sport: Hände, Arme, Beine, Oberkörper, wie halte ich die Skulls, wie hebe ich sie aus dem Wasser. Es gibt viel zu beachten - und das zur selben Zeit. "Uli, nicht abstützen mit den Blättern", schallt es jetzt aus den Lautsprechern. Uli Oberländer, der mit Paul Helmich in einem Zweier rudert, korrigiert die Position seiner Hände und Arme - und die Skulls liegen nicht mehr auf dem Wasser auf. Dass das Rudern technisch anspruchsvoll ist, hatte Bernhard Sinzig schon auf dem Vereinsgelände am Medienhafen bemerkt. Genau das mögen die Frauen und Männer der Mastergruppe. Jens Bordihn hat mit zehn Jahren angefangen, Katja Breier mit zwölf. Um es mit Sarah Willmeiers Worten zu sagen: "Wir sind die Spaßtruppe, die es ernst meint."

Knapp zwei Stunden trainieren die Ruderer an diesem Morgen, absolvieren verschiedene Übungen. Rudern wirkt vom Ufer aus einfach, ist aber, wie sich herausstellt, sehr komplex.

Quelle: RP
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