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Düsseldorf
Rüdiger Kerls-Kress hilft per E-Mail

Düsseldorf. Der katholische Gemeindereferent ist einer der hauptamtlichen Mitarbeiter in der Telefonseelsorge in Düsseldorf. Er kümmert sich um Anfragen, die über das Internet laufen. Von Julia Brabeck

Seit 56 Jahren gibt es in Düsseldorf die ökumenisch getragene Telefonseelsorge, bei der im Jahr rund 20.000 Anrufe von Ratsuchenden eingehen. Vor 20 Jahren wurde parallel dazu auch eine Beratung über das Internet eingerichtet. Inzwischen bietet die Telefonseelsorge 150 Chats im Jahr an, etwa 300 Menschen werden bei der Suche nach Rat per E-Mail begleitet.

Von den 120 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Telefonseelsorge engagieren sich 15 in der Chat- und Mailseelsorge. Der katholische Gemeindereferent Rüdiger Kerls-Kress ist einer der hauptamtlichen Seelsorger, und das bereits seit 16 Jahren. Zuvor war er in der Hochschulgemeinde tätig. "Mich hat es gereizt, nach der studentischen Lebenswelt mich mit allen Lebenslagen, auch mit ihren Grenzen, auseinanderzusetzen. Das ist bis heute spannend und sehr vielseitig", sagt der 51-Jährige.

Jeder, der sich meldet, egal ob im Chat oder per Mail, bleibt anonym. Während beim Chat, der im Schnitt 60 Minuten dauert, das Hin und Her von Frage, Antwort, Kommentar, Suche nach einer Problemlösung recht rasch verläuft, nehmen sich die Seelsorgenden für Mailanfragen mehr Zeit. Kerls-Kress liest die Mails, denkt über mögliche Reaktionen darauf nach und schreibt dann zurück. "Oft weiß man nicht, wie lange einen die Beziehung zu einem Ratsuchenden über Mail in Anspruch nimmt", sagt Kerls-Kress. Denn während die Anrufer in der Regel nicht auf den gleichen Gesprächspartner treffen, ist beim E-Mail-Kontakt ein fester Mitarbeiter für den Schreibenden zuständig. Spätestens nach 48 Stunden erhält dieser eine erste Antwort, so der Anspruch der Helfer.

Suizid ist ein wichtiges Thema, das die Mailseelsorge betrifft - es steht auf Platz fünf der Statistik. Die Plätze davor gehen an die Themen Depression, Ängste, familiäre Beziehungen und Partnerschaft - in dieser Reihenfolge. Bei der Chatseelsorge nimmt der Gemeindereferent viele "dunkle Themen" wahr, dazu gehören sexueller Missbrauch, Gewalterfahrungen in der Familie, aber auch Verhaltensweisen, bei denen sich der Ratsuchende selbst verletzt. Die Schwelle, über solche Themen zu sprechen, ist bei der Seelsorge im Internet geringer als am Telefon - allein schon, weil der Anrufer sich nicht durch seine Stimme outet. "Wir sind so etwas wie ein Tagebuch mit Antwortfunktion", sagt Kerls-Kress über die Intimität der angesprochenen Themen. Eine Erfahrung des Seelsorgers: "Schreiben tut der Seele gut."

Ihm selber tut es gut, dass er sich schnell und unkompliziert mit seinen beiden Kollegen austauschen kann. "Ich schätze sie als Person, aber auch als Fachleute", sagt Kerls-Kress. Zudem hilft ihm sein eigener Glaube an Gott, manches gut auszuhalten. "Ich dränge die Fälle, die mich beschäftigen, nicht weg. Aber ich nehme mir eine stille Zeit und übe bewusste Anteilnahme."

Abschalten kann er gut beim Tanzen. "Während ich als Seelsorger ernst, einfühlsam, ruhig und abwartend bin, bin ich dann lebhaft. Das Tanzen führt mir Lebenskräfte zu und lässt mich meine Lebensenergie spüren."

Quelle: RP
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