| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Ruhe bei der Rentenberatung

Düsseldorf. In den vergangenen Monaten konnte das Service-Center den Ansturm kaum bewältigen. Jetzt ist wieder Normalität eingekehrt - bis zur nächsten Reform. Von Ute Rasch

Wer hierher kommt, hat in der Regel zwei Fragen: Wann? Und wie viel? Also: Wie hoch wird die Rente ausfallen und ab wann wird sie gezahlt. Um eine Antwort zu bekommen, brauchten die Düsseldorfer in den vergangenen Monaten viel Geduld: Lange Warteschlangen, oft bis auf den Vorplatz, waren im Service-Center der Rentenversicherung üblich. Wartezeiten von drei Stunden auch. Und verbindliche Termine wurden zeitweise gar nicht mehr vergeben. Denn seit das neue Rentengesetz (Mütterrente/ Rente mit 63) gilt, "wollten viele wissen, ob sie davon profitieren", erklärt Dagmar Peters, Leiterin der Beratungsstelle, den Andrang. Nun aber sei der Engpass überwunden, und zeitnahe Termine würden auch wieder vergeben. Entspannung - bis zur nächsten Rentenreform.

"Unseren Dschungel", nennt Dagmar Peters die Wartezone im Service-Center, denn wenn ihre Kunden schon so viel Zeit hier verbringen müssten, "sollen sie es wenigstens so angenehm wie möglich haben." Deshalb hat die Chefin eine Wagenladung Pflanzen geordert, eine Spielecke eingerichtet und die früher üblichen Stuhlreihen durch lockere Sitzgruppen ersetzt. Wer diese Woche dort in den Zeitschriften blätterte, war auch ohne Termin schon nach einer halben Stunde an der Reihe, das sah vor zwei Wochen noch ganz anders aus. Da konnten die 29 Mitarbeiter den Ansturm kaum bewältigen.

Die Rentenreform aus dem vergangen Jahr habe diese Flut von zusätzlichen Rentenanträgen ausgelöst, "ein Plus von 30 Prozent", so Peters. Der überwiegende Teil der Ratsuchenden waren Düsseldorfer, die hofften, nach dem neuen Gesetz nun schon mit 63 Jahren ohne Abzüge in den Ruhestand gehen zu können. Ein Drittel aller Kunden der Beratungsstelle aber waren Frauen, die nun hofften, einen Anspruch auf die neue Mütterrente zu haben. Als Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles seinerzeit das Gesetz vorstellte, schätzte sie, dass so ein Rentenantrag in fünf Minuten zu bewältigen sei. Die Realität scheint sich in einen so knappen Zeitrahmen nicht pressen zu lassen. "Das sind alte Menschen, für die man sich Zeit nehmen muss, deren Leben wir durchforsten, ob da nicht vielleicht noch alte Ansprüche bestehen" meint Peters. Die älteste Antragstellerin war 92 Jahre, deren Rentenkonto seit ihrem 17. Lebensjahr geklärt wurde. Der Ansturm drückt sich auch in Zahlen aus: Im Regierungsbezirk Düsseldorf gingen im Jahr 2013 rund 40 500 Menschen in Rente, 2014 waren es nach vorläufigen Zahlen 53 000. Für das Team des Service-Centers bedeutet das: bis zu 1500 Beratungen pro Woche. Dagmar Peters ist die Erleichterung darüber, dass sich die Situation ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes entspannt hat, deutlich anzumerken. "Wir haben sogar für die nächste Woche noch Termine frei." Dabei gilt grundsätzlich: Es reicht, drei Monate vor dem Rentenbeginn den Antrag zu stellen.

Informieren sollte man sich allerdings schon früher. "Man sollte sich regelmäßig für seine Rente interessieren, und in jedem Fall so alle fünf Jahre seine Versicherungskonten klären", rät die Fachfrau. Dann ließe sich feststellen, ob Belege fehlen, wenn beispielsweise Arbeitslosigkeit nicht lückenlos dokumentiert ist. Welche Unterlagen sonst mitzubringen sind, lässt sich durch einen Anruf im Service-Center klären. "Aber ohne Personalausweis geht bei uns gar nichts", so Dagmar Peters. Den hätten mindestens 20 Kunden am Tag vergessen und müssten unverrichteter Dinge wieder gehen. Die nächste Rentenreform wird nicht lange auf sich warten lassen. In Berlin wird zurzeit über eine Verbesserung der "Flexi-Rente" diskutiert. Da droht dem Düsseldorfer Service-Center mit Sicherheit der nächste Engpass.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Ruhe bei der Rentenberatung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.