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Serie Düsseldorf International
Rund 1600 Portugiesen leben in Düsseldorf

Serie Düsseldorf International: Rund 1600 Portugiesen leben in Düsseldorf
Antonio de Jesus ist Inhaber des portugiesischen Restaurants Rio Douro im ehemaligen "Croons" an der Roßstraße - und Gastgeber aus Leidenschaft. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Gründen, wurden Gastronomen oder Musiker. Läden und Kneipen bieten das Flair der alten Heimat. Von Dagmar Haas-Pilwat

Der Fußball ist schuld, dass sie ihre Jobs als Ladeneinrichter, Elektrotechniker und Schaufenster-Gestalter an den Nagel gehängt haben. Es war 2004, als das fußballverrückte Trio - Armando Cortes, Felipe Castelo und José Esteves - beschloss, in die Gastronomie einzusteigen. "Damals hat Portugal gegen Griechenland 0:1 die Europameisterschaft verloren und wir haben uns das Spiel bei unserem ,Griechen' an der Ecke Erkrather Straße angeschaut", erinnert sich Cortes. "Wir waren supersauer über das verlorene Match und haben dann gleich das ganze Lokal gekauft."

Aus der eher düsteren Eckkneipe wurde der Club Portuguès mit landestypischen Spezialitäten. Mittlerweile haben die drei Freunde expandiert und drei weitere Geschäfte eröffnet. Das inzwischen größte und bekannteste ebenfalls in Flingern - das Frango Portuguès - ist in den Schwanenhöfen entstanden. Außerdem gibt es gleich gegenüber den Lebensmittel-Wein-Laden mit Spezialitäten des Landes und das "Cave" an der Hohe Straße mit den Heiligenfiguren und dem Hahn (eines der portugiesischen Wahrzeichen) im Schaufenster. "Wir haben nie wirklich was gesucht, das hat sich immer so ergeben, eins kam zum anderen", erzählt Cortes, der seit 30 Jahren als Markenzeichen langes Haar, Dreitagebart und ein Barrett trägt - wahlweise in Rot oder Blau und so ein bisschen wie ein in die Jahre gekommener Che Guevara aussieht. Das Trio hat die Aufgaben unter sich klar verteilt: Felipe ist für Personal und Finanzen zuständig, José für den Einkauf und Armando für die Einrichtung und das Design.

Armando Cortes besitzt den Laden "Cave Portuguesa" an der Hohe Straße. Hier zeigt er die Heiligenfiguren Fatima (l.) und St. Antonius. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Was hat ihn überhaupt als Zwölf-jährigen nach Deutschland verschlagen? "Ich wollte nicht zum Militär und weil meine Mutter bereits hier lebte, bin ich kurz vor meinem 13. Geburtstag zu ihr gezogen. Nach diesem Stichtag wäre das nicht mehr so einfach möglich gewesen", sagt Cortes. In Düsseldorf machte er eine Ausbildung als Schaufenster-Gestalter und war 20 Jahre bei Karstadt im Einsatz, bevor er sich selbstständig gemacht hat.

Er erinnert sich noch gut daran, dass in den 1970er Jahren viel mehr Landsleute in Düsseldorf zu Hause waren. "Mindestens 3500, heute ist es vielleicht knapp die Hälfte." Inzwischen ist Hamburg mit mehr als 20 000 dort lebenden Portugiesen die Hochburg in Deutschland. Viele aus der ersten Gastarbeiter-Generation sind zurück in ihre Heimat gegangen, während die Kinder meist geblieben sind. Waren es früher die ungelernten Arbeitskräfte, die sich allein ohne Verwandte in ein fremdes Land aufmachten, seien - so Cortes - in den vergangenen zwei Jahren zunehmend gut ausgebildete Fachkräfte, vor allem Ingenieure, nach Düsseldorf gezogen.

Eine, die nach dem Abitur Lissabon verlassen hat, ist Carmen Brown, die Tochter mosambikanischer Einwanderer. "Ich wollte immer raus aus Portugal und ich wollte Deutsch lernen. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich eben zurückgegangen." Der Plan ging jedoch auf, Carmen blieb, hat hier Physik studiert - bis zum Vordiplom. Denn dann kam irgendwie die Musik dazwischen und die Studentin mit den afrikanischen Wurzeln entdeckte ihr musikalisches Talent auf den hiesigen Jamsessions. Klar, war Musik schon in Portugal ein Thema gewesen - auf Partys, in der Kirche und zu Hause auf der Stereoanlage - doch es reichte nicht, um selber welche zu machen, "dazu war es kulturell einfach zu eng", sagt Brown.

Inzwischen genießt die Soul-Sängerin seit 16 Jahren ihr Leben als Wahl-Düsseldorferin, spricht perfekt Deutsch, ist Mutter von zwei Söhnen, arbeitet als Musikpädagogin an der Grundschule und ist europaweit auf Festivals und Bühnen unterwegs. Sie mixt Soul und Afrobeat, Funk und Marrabenta und Hip Hop und Majika. Afrikanische Ur-Instrumente wie Dum-Dum, Saba, Ballafon und Mbira kommen genauso zum Einsatz wie Loop-Machine, Sampler und Synthesizer. Wer sie live erleben will, hat dazu Gelegenheit am Pfingstsamstag. Dann tritt Carmen Brown bei der Schauinsland ReisenJazzRally um 20 Uhr im Kit Café am Mannesmannufer 1b auf.

Natürlich kennt Carmen Brown auch Antonio de Jesus, den Mann mit den angolanischen Wurzeln aus dem Norden Portugals, der eigentlich nur für einen Monat seinen Freund hier am Rhein besuchen wollte und heute das Restaurant "Rio Douro" im ehemaligen "Croons" an der Roßstraße betreibt. "Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt und Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um bleiben zu können", sagt der 41-Jährige. Er hat in der Gastronomie gejobbt und so die Sprache gelernt. Auch sein persönliches Glück hat er hier gefunden. Seit zehn Jahren ist er mit einer Brasilianerin verheiratet, drei Söhne halten das Paar auf Trab.

Jesus ist Chefkoch, Weinkenner und Gastgeber aus Leidenschaft und weil er "schlecht allein sein kann", ist in seinem Lokal immer was los. Man trifft sich auf einen Drink oder einen Medronho (Nationalschnaps) oder ein Glas portugiesischen Weins vorne an der Bar oder bestellt einen der verfeinerten portugiesischen Klassiker wie Cataplana (Fischeintopf), Caldo Verde oder Stockfisch. Kinder und Hunde sind willkommen, Feste werden gefeiert und das Rio Douro wird oft zur Bühne für Lesungen oder Live-Musik. Natürlich erklingen dann auch Fados, die landestypischen Lieder, die meist von unglücklicher Liebe und Sehnsucht handeln.

"Das Essen, der Wein, die Musik - das ist alles ein Stück Heimat", sagt Jesus. So wie er pflegen auch Armando Cortes, Felipe Castelo und José Esteves die Tradition und die Kultur ihres Landes, wollen sie den Düsseldorfern schmackhaft machen. Eins der beliebtesten Feste in den Schwanenhöfen ist das Festival "Caldo do Pote", inspiriert vom Original-Suppenfest aus dem Ort Sabariz. Die Frauen tragen klassische Bauerntracht, die Männer karierte Hemden, die Musik ist laut, jeder spricht mit jedem, es wird gegessen, was frisch aus dem Topf kommt. Und natürlich steht Armando Cortes selbst am Feuer und rührt die Gemüsesuppe über der offenen Flamme so lange bis sie gar ist.

Quelle: RP
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