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IS-Terrorpläne in Düsseldorf
Saleh A. soll mit Anschlagsbefehl gerechnet haben

Saleh A. soll mit unmittelbarem Anschlagsbefehl gerechnet haben
In diesem Heim in Vorst lebte Saleh A. zehn Monate. FOTO: Berns, Lothar
Paris/Düsseldorf. Wer ist Saleh A., der mutmaßliche Drahtzieher der geplanten Düsseldorfer Terroranschläge? Nach Informationen französischer Medien stellte er sich am 1. Februar spontan der Polizei - er sei "müde", soll er zur Begründung gesagt haben.  Von Matthias Beermann

Den Berichten zufolge meldete sich Saleh A. morgens um 9:30 Uhr im Zentralkommissariat des 18. Arrondissements von Paris und gab gegenüber den Beamten an, er sei von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) beauftragt, ein Attentat in Europa zu organisieren. Sein Alter wird, anders als in den Mitteilungen der Karlsruher Generalbundesanwaltschaft, nicht mit 25, sondern mit 28 Jahren angegeben.

Saleh A. habe angegeben, gemeinsam mit einem gewissen Hamza C. an der Spitze einer sogenannten Schläferzelle des IS zu stehen, deren etwa 20 Mitglieder sich zwischen dem Raum Düsseldorf und einem Flüchtlingslager im niederländischen Nimwegen aufhielten. Saleh habe ferner angegeben, dass er jeden Augenblick mit dem Einsatzbefehl von Abu Doujana Al-Tunisi rechne, der für den IS die Aktivitäten der ausländischen Dschihadisten koordiniere. Der Anschlag in Düsseldorf hätte dann innerhalb von 24 Stunden erfolgen sollen. Saleh wurde daraufhin sofort von der Anti-Terror-Abteilung der französischen Polizei in Gewahrsam geworden.

Haft wegen Assad-Beleidigung

Die Schilderungen von Saleh A. sind teilweise inkohärent, aber für die französischen Ermittler immerhin so konkret, dass sie am 2. Februar die deutschen und die niederländischen Sicherheitsbehörden informieren. Am 6. Februar wird gegen Saleh A. in Paris ein offizielles Ermittlungsverfahren eröffnet, er kommt in Untersuchungshaft. Davon offenbar überrascht, habe er im weiteren Verlauf der Verhöre versucht, seine Rolle bei den geplanten Anschlägen herunterzuspielen. Der Ermittler rekonstruieren nach Salehs Aussagen seinen Weg bis nach Paris. Zwischen November 2009 und Juli 2011 habe er wegen Beleidigung von Syriens Präsident Baschar al Assad im Gefängnis gesessen. Dann sei er im Rahmen einer Amnestie freigekommen, bei der Assad im Sommer 2011 zahlreiche Islamisten freiließ. Er habe sich zunächst der Freien Syrischen Armee (FSA) angeschlossen, einer nicht-islamistischen Rebellengruppe. Angesichts von deren Schwäche sei er aber im August 2012 zur Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front gewechselt und schließlich Ende 2013 zum IS.

Die genauen Umstände von Salehs Seitenwechsel bleiben aber unklar. Nach Recherchen von Jean-Michel Décugis vom Sender i-télé soll der Syrer bereits in seiner Zeit als Angehöriger der FSA von IS-Kämpfern gefangen genommen worden sein und nach mehrmonatiger Inhaftierung schließlich eingewilligt haben, für die Organisation tätig zu werden.

Ursprünglich sei er vor allem deswegen nach Europa geschickt worden, um in Rom die Übergabe eines Videos für 10.000 Dollar an einen Mittelsmann des Vatikan auszuhandeln. Der Film sei ein Beweis dafür gewesen, dass der im Juli 2013 vom IS im syrischen Rakka gekidnappte italienische Priester Paolo Dall'Oglio noch am Leben sei. Saleh gab gegenüber den französischen Ermittlern an, dass er nur nach Paris gekommen sei, um dort in einem Frisörsalon einen Umschlag mit Geld für die Reise nach Rom abzuholen. Ein Eintrag von Salehs Namen auf der Seite einer Mitfahrzentrale belegt demnach eine Fahrt nach Paris am 30. Januar 2016. Aber Saleh A. fand den Umschlag nicht vor und habe daraufhin beschlossen, nicht nur das Rom-Projekt abzublasen, sondern sich auch zu stellen. Er sei "müde” nach monatelangem Herumirren zwischen Flüchtlingslagern, habe er laut "Le Monde” den französischen Polizisten zur Begründung gesagt.

Drei Terrorverdächtige am Donnerstag festgenommen

Am Donnerstag waren in NRW, Brandenburg und Baden-Württemberg drei Terrorverdächtige festgenommen worden, weil sie einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt verüben sollten. Der vierte Mann, Saleh A., sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft. Die Pläne sahen den Ermittlungen zufolge vor, dass sich zwei Selbstmordattentäter auf der Heinrich-Heine-Allee im Düsseldorfer Stadtzentrum mit Sprengstoffwesten in die Luft sprengen sollten. Weitere Attentäter sollten demnach danach mit Gewehren und Sprengsätzen möglichst viele Passanten töten.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des WDR soll Saleh A. aus Syrien über die Türkei und Griechenland nach Deutschland gekommen sein. Er soll zehn Monate in einem Vorster Flüchtlingsheim gelebt haben, bevor er nach Belgien ausreiste, wie ein Heimbewohner am Donnerstagabend unserer Redaktion bestätigte.

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